Sprache und Geschlecht

Geschlechtergerechte Sprache ist noch immer heftig umstritten. Wie gehen Übesetzerinnen und Übersetzer damit um? TraLaLit hat nachgefragt.

Der Beginn aller Geschlechterdebatten. Albrecht Dürer: Adam und Eva, 1507 (Ausschnitt). Quelle: WikiArt

Anfang Juni dieses Jahres hatte der deutsche Rechtschreibrat auf Anregung des Landes Berlin sich mit möglichen Regeln für eine geschlechtergerechte Sprache auseinandergesetzt. Eine offizielle Empfehlung wurde allerdings nicht ausgesprochen. Die Berichterstattung zeigte vor allem, wie brisant das Thema immer noch ist.

Geschlechtergerechte Sprache wirft auch beim Übersetzen so einige Fragen auf: Wie können beispielsweise andere Geschlechter, die in der Ausgangssprache miteinbezogen werden, auch in der Übersetzung sprachlich sichtbar gemacht werden? Was genau bedeutet Gendering in der Praxis? Wie beeinflusst es die Lesbarkeit? Und gibt es Grenzen?

Wir haben sieben Übersetzer und Übersetzerinnen gebeten, uns aus ihrem Arbeitsalltag zu berichten:

 

Ulrich Blumenbach

Übersetzt aus dem Englischen ins Deutsche

In einem Gespräch über den neuen Antisemitismus in der Schweiz sagt Charles Lewinsky in der NZZ am Sonntag vom 19. August 2018: „Fanatiker sind humorfrei, ein orthodoxer Jude genauso wie ein Antisemit“. Ich möchte kein Fanatiker sein.

Erlaubt uns Humor: Ich persönlich finde das neue generische Femininum, das in radikalen Kreisen erfunden worden ist („Herr Professorin“), herrlich ironisch und als Spieß-Umkehrung jahrhundertealter Konventionen prima. Und damit meine ich definitiv nicht, dass ich mich darüber lustig mache.

Normen und Konventionen können geändert werden; Sprache ist nie aus einem Guss, sondern immer im Fluss. Stellt Euch nicht so an, Kinners (nein: Jungs!): Wir werden nicht kastriert, wenn ein Kollektiv, dem wir angehören (ob Übersetzerinnen oder Europäerinnen), mit der weiblichen Form benannt wird.

Und jetzt noch ein Appell an uns als Literatur Übersetzende (mein Wort zum Sonntag; lacht mich ruhig aus): Wir schaffen mit am sausenden Webstuhl der Sprache. Wir wirken als Kollektiv daran mit, wohin sich die deutsche Sprache entwickelt, ob sie gerechter wird oder nicht. Suchen wir doch weiter nach Lösungen.

Ich bin froh, dass ich in den Essays von David Foster Wallace ein paar feminine Generika einschmuggeln konnte („Das muss nicht unbedingt ein Nach­teil sein, denn der Reiz einer Schriftstellerbiografie besteht ja wohl gerade darin, ihre Leserin zum Wiederlesen anzustiften“.; „sein Aufbieten zeigt, dass die Schreibende die Unterschiede zwischen den drei fervēre-Wörtern kennt“), was kein Einschleimen sein soll (ich habe an anderer Stelle ein die politische Korrektheit veräppelndes „Frauinnen“ geschrieben, weil Wallace „womyn“ schreibt), sondern ein Mutmachen, sprachliche Machbarkeiten – und die Innovationslust der Lektorate (einige weibliche Formen sind mir gestrichen worden) – auszuloten.

„Howgh, ich habe gesprochen“, wie Winnetou an solchen Stellen zu sagen pflegte.

 

Imke Brodersen

Übersetzt aus dem Englischen und Spanischen ins Deutsche

Gendern oder nicht? In der Literatur entscheide ich das nach der vermuteten oder offenkundigen Intention meiner Autoren und Autorinnen.

Und da sehe ich bei meinen englischen Ausgangstexten im Sachbuch durchaus, dass zum Beispiel bei „doctor“ von „he or she“ die Rede ist. Vielleicht kommt in einigen Jahren auch eine dritte, neutrale Form hinzu. Mitunter hangele ich mich beim Übersetzen mühsam von einer schwierigen Stelle zur nächsten, zwischen meinem persönlichen Anspruch auf das Zeigen beider Geschlechter (inzwischen auch noch des dritten) und dem Lesefluss.

Sprache prägt das Bewusstsein, und wenn wir an drei Wissenschaftler denken, an fünf Ärzte, sieben Lehrer, zehn Soldaten oder eine Gruppe Sanitäter – dann sehe ich mit meiner westdeutschen Biographie vor meinem geistigen Auge spontan keine Frau darunter. Obwohl ich mich seit bald 40 Jahren aktiv mit dem Thema auseinandersetze.

Ein gutes Beispiel ist der Nobelpreis für Physiologie und Medizin, den 2009 laut einigen deutschen Pressemeldungen die drei Wissenschaftler Blackburn, Greider und Szostak erhielten. (Nein, ich verderbe jetzt niemandem den Recherchespaß – ist ja blitzschnell gefunden.)

Wenn es sich anbietet, schreibe ich im Sachbuch daher abwechselnd Arzt und Ärztin, so dass es halbwegs ausgeglichen ist. Manchmal krebse ich auch herum und suche verzweifelt gute Formulierungen. Und manchmal ergebe ich mich (zwecks Übersichtlichkeit und Lesefreundlichkeit) dem Mehrheitsvotum oder dem Verlagswunsch im Sinne von „Frauen sind mitgemeint“. Gute Anregungen bietet beispielsweise die Seite Geschickt gendern.

Wer sich von der biologisch-medizinischen Seite her gründlich mit dem Thema auseinandersetzen möchte, sei auf das Institut für Geschlechterforschung in der Medizin der Charité Berlin verwiesen. Dort gibt es einen großen Wissensschatz und natürlich auch den aktuellen Sprachgebrauch.

 

Susanne Gerold

Übersetzt aus dem Englischen ins Deutsche

Ich würde mir ja wünschen, dass gerade unsere Zunft die Kreativität unseres Jobs dafür benutzt, brauchbare Alternativen bzw. Möglichkeiten für eine Sprache zu suchen, die Frauen und Männer zugleich einschließt bzw. ihnen gerecht wird. Wir dringen schließlich tief in die Feinheiten der Sprache ein und bekommen eine gute Ahnung davon, wie sehr Sprache das Bewusstsein prägt.

Ich muss zugeben, dass es mich immer wieder irritiert, wenn ich gerade bei einer Übersetzerin – oder auch Autorin – lesen oder hören muss, dass sie jemand ist, der … Das sind Dinge, die gehen bei mir gar nicht, aber leider mache ich die Erfahrung, dass es sich wieder durchsetzt. Jemand meinte sogar mal zu mir, dass es dudenmäßig gar nicht erlaubt sei, was aber falsch ist, genauso wie das Beispiel mit dem vielzitierten Mädchen.

Als Übersetzerin von Fantasy-Literatur habe ich einerseits mehr Probleme, weil z.B. oft das Geschlecht eines nichthumanoiden oder sonstwie geheimnisvollen Wesens lange Zeit verborgen bleiben soll, was im Deutschen nicht so einfach möglich ist, wenn man nicht zum sächlichen „es“ greifen will. Gerade das geht aber nicht, wenn sich das „Es“ dann später als „Er“ oder „Sie“ erweist.

In solchen Fällen muss man manchmal leider akzeptieren, dass man den Überraschungseffekt nicht rüberbringen kann. Auf der anderen Seite kann ich in der Fantasy auch kreativer sein. So hatte ich einmal in einem spirituell-philosophischen Fantasy-Roman „The One“ zu übersetzen, als das Göttliche, die Schöpferkraft oder so.

Spontan bot sich natürlich „Der Eine“ an, weil wir ja „Gott“ im Hintergrund haben, aufgrund unserer Kultur. Aber das Buch folgte dem Geist buddhistischer Spiritualität, und der Autor vermied bewusst eine geschlechtliche Zuordnung. Was im Englischen ja auch leicht geht. Ich kam dann auf die Idee, daraus „Das Eine“ zu machen, und glücklicherweise war der Autor damit sofort einverstanden.

Durch das Übersetzen von Fantasy habe ich die Erfahrung gewonnen, dass es gar nicht wirklich schwer ist, sich an eine andere Sprache, einen anderen Sprachgebrauch zu gewöhnen. All die Menschen, die gern Fantasy lesen – oder zumindest eine bestimmte Art von Fantasy –, kommen jedenfalls gut damit klar, sich in vollkommen fremde Welten hineinzudenken und akzeptieren auch neue Begriffe und andere Sprachneuheiten. Das heißt, die eigentliche Herausforderung beginnt im Kopf, in der Bewusstwerdung für die Thematik und in der anschließenden Entscheidung – man muss es wollen.

 

Gabriele Haefs

Übersetzt u.a. aus dem Dänischen, Englischen, Niederländischen und Walisischen ins Deutsche

Der Sprachwissenschaftler Noam Chomsky hat ungefähr neunhundert Seiten darüber geschrieben, daß man dem natürlichen Geschlecht Vorrang vor dem grammatischen geben sollte. Aber der Verweis auf Chomsky und seine neunhundert Seiten ruft vor allem Trotzreaktionen hervor, Lektorate, egal welcherlei Geschlechts, mögen offenbar keine Fachliteratur.

Hilfe kommt von ganz anderer Seite. Kaiser Wilhelm II sagte einst, gefragt, wie er sich im Falle eines Attentates verhalten würde, es käme ganz darauf an, ob ein „bärtiger Anarchist“ ihm ans Leben wolle, oder ob „es ein hübsches Mädchen wäre, die die Hand wider mich erhöbe“.

Der Hinweis auf des Kaisers Erklärung wirkt Wunder, noch kein einziges Mal hat bisher irgendein Lektorat Einspruch erhoben, wenn ich ein Mädchen mit femininen Pronomen bezeichnen wollte und das mit dem kaiserlichen Beispiel begründete. Die Tatsache aber, daß so viele Jahrzehnte nach Wilhelms Abdankung in deutschen Verlagslektoraten das Kaiserwort unwidersprochen gilt – die ist ja eigentlich richtig niedlich!

 

Frank Heibert

Übersetzt aus dem Englischen und Französischen ins Deutsche

Das Thema der sprachlichen Geschlechtszuordnung hat sich mir beim Übersetzen immer schon gestellt, wenn ich im Deutschen spezifischer sein musste, als das Original es mir vorgab – „a friend said …“ im Englischen kann eben beides sein.

Wenn ich nicht den Autor oder die Autorin gefragt habe,  ob es auf das Geschlecht ankommt und wenn ja, welches gemeint ist, bin ich mit Umweg-Konstruktionen auch neutral geblieben (falls die Auskunft war, es kommt nicht darauf an bzw. soll allgemein sein, natürlich auch) – „im Freundeskreis hieß es …“, so etwas. Dass streng genommen auch hier wieder ein maskuliner plurale tantum vorliegt, habe ich früher vernachlässigt, es war mir gar nicht bewusst, ehrlich gesagt. Auch „unter Freunden“ habe ich immer so benutzt.

Mittlerweile ist meine Sensibilität für die Frage natürlich gestiegen, dank der seit Jahrzehnten immer wieder geführten und grundsätzlich sinnvollen Debatte. In Mails, Posts, Vorträgen, Artikeln variiere ich, das Angebot ist ja da: ich sage, wie oben, „Autor oder Autorin“, ich sage manchmal „Übersetzer*innen“ (früher „ÜbersetzerInnen“), oder ich wechsele im Laufe eines Textes fröhlich („die Lektorin“, „der Kritiker“, „die Leserin“ usw., und einen Absatz später dann umgekehrt, wenn eines der Wörter wieder auftaucht).

Ich muss zugeben, dass ich hin und her gerissen bin zwischen dem politischen Sinn, den ein gender-faireres Umgehen mit der Sprache für mich absolut hat, und einem gewissen Zurückschrecken vor Auswüchsen (muss ich mit „man“ UND „frau“ agieren, ist „jemand“ bereits eine gender-unfaire Formulierung usw.) und vor, je nach Kontext, unästhetischen Formulierungen.

Ich würde nicht so weit gehen, dass das Sternchen eine unerträgliche Verunstaltung der Sprachgestalt darstelle (die Meinung gibt es, auch bei selbstbewusst-emanzipierten Frauen), ich kann auch pragmatisch denken: Irgendwann ist das genauso selbstverständlich wie die Jahrhunderte der selbstverständlichen maskulinen Genderung. Aber, und nun komme ich zu dem für Eure Frage vielleicht wichtigsten Punkt, wenn wir Literatur übersetzen, müssen wir bei allen Elementen der Sprachgestaltung überlegen, wie sie wirken.

In einem Roman würde ich niemals zu der Sternchen-Konstruktion greifen, einfach weil sie sofort eine gesellschaftspolitische Zusatz-Botschaft auf der Meta-Ebene aussendet – und das sollte nur so sein, wenn das Original mir diese Botschaft vorgibt. Dann sollte es allerdings auf jeden Fall so gemacht werden. In Sachbüchern mit gesellschaftspolitischen Themen – auf jeden Fall prüfen. Im Erzählertext eines Romans – das müsste dann eine sehr spezifische Erzählstimme sein. Oder, in einem Dialog, ein solchermaßen zu charakterisierender Sprecher oder Sprecherin. Das wäre eben noch nicht die veränderte Selbstverständlichkeit, die die Debatte ja perspektivisch erreichen soll.

Bis auf diese Ausnahmen wäre mir, muss ich gestehen, die konsequente Genderung in einer literarischen Übersetzung sowohl ästhetisch wie auch als Zusatzbotschaft ein störender Fremdkörper. Vielleicht würde ich auch häufiger als früher nach Umwegen Ausschau halten („the spectators“ – „das Publikum“, aber eben nicht „die Zuschauer*innen“); diesen kleinen Ausdruck größerer Gender-Sensibilisierung würden die Leser*innen allerdings nicht bemerken. Der Weg ist noch weit, aber die Debatte ist wichtig, und für mich gibt es jedenfalls nicht nur eine Standardlösung, die den fragwürdigen Standard von früher ablösen könnte.

 

Lilian Peter

Übersetzt aus dem Englischen und Französischen ins Deutsche

Das Abendland stirbt nicht aus, nur weil man in der „öffentlichen“ Kommunikation diversere generische Formen zu finden versucht. Bei so profanen Dingen wie Formularen etc. ist mir völlig unbegreiflich, warum das überhaupt für irgendjemanden Stein des Anstoßes sein kann, genauso wie bei simplen Anreden (Europäer*innen etc.). Es ist doch klar, dass niemand in einem literarischen Text anfangen wird, mit Sternchen, Binnen_I usw. zu arbeiten.

Ich habe das zumindest noch nie gesehen und würde es auch selbst nicht machen, schlicht aus ästhetischen Gründen und aus Gründen des Leseflusses. Allerdings finde ich es nicht einfach, eine gute Lösung zu finden und glaube auch nicht, dass es im literarischen Bereich gute pauschale Lösung gibt. Deshalb arbeite ich gern flexibel und je nach Kontext. Ich finde zum Beispiel das generische Femininum, gerne auch im unauffälligen Wechsel mit dem Maskulinum, eine elegante (und humorige!) Lösung.

Sprache macht sichtbar und unsichtbar. Die Literatur ist davon nicht ausgenommen, ganz im Gegenteil – Jahrhunderte, eher schon Jahrtausende von Literatur (und Philosophie) haben mit den immer gleichen Bilderassoziationen gearbeitet: Licht / Tag / Begriff / Blitz / Sonne / Sonnengott / Rationalität / Einheit / Allgemeines / männliches Prinzip usw. vs. Dunkelheit / Finsternis / Nacht / Traum / Erde / Irrationalität / Materie(mater=Mutter!!) / Besonderes / weibliches Prinzip usw. – diese Differenz existiert nicht, seit es Gendersternchen gibt (manchmal ist von „Kritikern“ zu hören, das Sternchen treibe erst einen Keil zwischen die Geschlechter), sondern unsere ganze Kultur seit den frühesten griechischen Schriftzeugnissen ist davon durchzogen, und das Gendersternchen bzw. die anderen Formen diverserer Generika sind in meinen Augen einfach nur ein erster Versuch einer Allgemeinheit, die nicht nur Männer meint.

Denn ja: „das Männliche“ galt immer als „das Allgemeine“, im Unterschied zum „Weiblichen“ = „Besonderen“; das kann man so gut wie jedem einzelnen historischen Text mehr oder weniger explizit oder implizit entnehmen, von Hesiod über Homer über biblische Texte über die Kirchenväter über die christliche Philosophie bis hin zu Rilke: „Singender Gott, wie hast Du sie vollendet, dass sie nicht begehrte, erst wach zu sein?“ – Klar, denn SIE, dieser dunkle, geheimnisvolle Schlaf (geblendet (apropos Blitz/Licht der Vernunft!!) durch seine Lust/sein Sprechen/Dichten, wie man in anderen Rilke-Gedichten nachlesen kann), braucht erst SEINEN erweckenden/ehelichenden Kuss, um … ja… legitimiert / legalisiert / lesbar zu sein in dieser Welt?

Es ist mir rätselhaft, wie man glauben kann, dass das alles nichts miteinander zu tun habe, aber wer noch nicht überzeugt ist, dem sei die Lektüre von Beauvoirs immer-noch-Standardwerk Le deuxième sexe nahegelegt, in dem sie diese Mechanismen akribisch und mit tausenden Beispielen aus der französischen Literatur darlegt.

 

Tevfik Turan

Übersetzt aus dem Deutschen ins Türkische

Das Türkische hat kein grammatisches Geschlecht, auch nicht bei Personalpronomen. Wenn ein türkischer Text von einer geschlechtsneutralen dritten Person erzählt wird, haben wir schon ein Problem. Oder von einer Person, deren Vorname weiblich oder männlich sein kann. Oder wenn es bei einer Person gar nicht auf ihr Geschlecht ankommt, sondern nur auf seine Funktion, etwa als Lehrer. Oder wenn solche Funktionsträger in Mehrzahl und unbekannter Zusammensetzung auftreten („Lehrkörper“ einer Schule: „die Lehrer und Lehrerinnen“? – Was ist, wenn das eine Geschlecht nur mit einer Person oder gar nicht vertreten ist?). Oder wenn wir ins Türkisch übersetzen, und ein Gendersprachlicher philosophiert über das „Es“ oder betitelt seine Romane mit „Er“ oder „Sie“.

Kurz: Das grammatische Geschlecht ist eine blöde Erfindung, um hilflose Sprachkritik in der Makroebene zu üben, und das Gendern ist ein noch größerer Blödsinn (Mikrokritik), statt die Geschlechtlichkeit der deutschen Sprache im Zuge der Geschlechtergleichheit als sinnloser Relikt einfach bestehen, leerlaufen zu lassen. „Zu viel der Ehre“.

Das Türkische setzt bei Bedarf ein das Geschlecht spezifizierendes Wort vor das Substantiv. Z.B. „kadın göçmen“ (Frau-Migrant) und „erkek göçmen“ (Mann-Migrant). Dass ich als Beispiel gerade dieses Wortpaar anführe, hat mit folgender „Anekdote“ zu tun:

Ich hielt einmal ein aus dem Deutschen übersetztes Sachbuch über Migration in der Hand, in der die Türken in Deutschland gendergerecht als „Migrantinnen und Migranten“ vorkamen. Die Übersetzung hat daraus brav „kadın ve erkek göçmenler“ (Frau-und Mann-Migranten) gemacht, obwohl „göçmenler“ beide Geschlechter erfasst hätte. Wie kann ich mich noch genderbewusst zeigen, wenn mir meine Sprache nicht die Gelegenheit gibt?

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