Eine goldene Himbeere für Netflix

Mit „Roma“ hat der mexikanische Regisseur Alfonso Cuarón ein preisgekröntes Meisterwerk geschaffen. Die deutschen Untertitel, die offenbar aus der englischen Fassung übersetzt wurden, gewinnen vermutlich keine Preise: Sie werden diesem subtilen Film nicht gerecht. Von

Tepeji 22, Colonia Roma, Schauplatz des Films. Bild (bearbeitet): Wikimedia

Der europäische Verband audiovisueller Übersetzer AVTE und der französische Verband audiovisueller Übersetzer ATAA haben vor wenigen Tagen einen Appell an Filmemacherinnen und Filmemacher veröffentlicht. Die Verbände rufen zu einer besseren Zusammenarbeit zwischen der Filmbranche und Untertitlern auf, um in Zeiten, in denen Filme vor allem über Streamingdienste konsumiert werden, eine hohe Qualität der Untertitelungen sicherzustellen und die Arbeit professioneller Übersetzerinnen und Übersetzer zu würdigen. Das Untertitelforum, ein deutscher Verein audiovisueller Übersetzer, schließt sich dem Appell voll und ganz an:

Ein Film bleibt außerhalb seiner eigenen Sprachregion für ein ausländisches Publikum bedeutungslos, wenn er nicht übersetzt ist. Allerdings muss er so untertitelt sein, dass ausländische Zuschauer*innen ihn genauso mit Gewinn anschauen können, wie die Zuschauer*innen, die die Originalsprache(n) verstehen. Gelingt das nicht, werden die Untertitel also bemerkt, obwohl das nicht der Fall sein sollte, dann wird der Zuschauer in seiner Wahrnehmung von Bild, Dialog und Ton gestört.

Als aktuelles und bedauerliches Beispiel für Untertitelungen, die nicht den professionellen Standards entsprechen, werden in dem Appell die englischen und französischen Untertitel von Roma genannt. Auch die deutschen Untertitel lassen einiges zu wünschen übrig.

Roma, ein Schwarz-Weiß-Film des mexikanischen Filmemachers Alfonso Cuarón, ausgezeichnet u.a. mit dem goldenen Löwen von Venedig und einem Oscar als bester nicht-englischsprachiger Film, zeigt ein Jahr im Leben einer mexikanischen Familie und ihrer indigenen Haushälterin Cleo in der frühen 70er Jahren. Der Titel Roma bezieht sich auf den Schauplatz des Geschehens, Colonia Roma, einen Stadtteil von Mexiko-Stadt und Heimatort des berühmten Regisseurs. Roma ist einer der ungewöhnlichsten Filme der vergangenen Jahre: Nicht nur, weil leise Schwarz-Weiß-Filme selten sind, sondern auch, weil es einer der bislang erfolgreichsten vom Internet-Streaming-Dienst Netflix produzierten Filme ist.

Die erste Szene des Films zeigt die indigene Cleo, wie sie Hundekot aus der Hauseinfahrt entfernt. Sie arbeitet als Haushälterin für ein Ehepaar mit vier Kindern. Der Vater Antonio verlässt die Familie und Cleo wird schwanger, woraufhin ihr Freund spurlos verschwindet. Der Film fokussiert auf diese Frauenfiguren, beide auf ihre Art einsam, und zeigt wie sie mit ihrer Einsamkeit umgehen und lernen, auf wen sie sich verlassen können und auf wen nicht.

Der Film brilliert mit einer beeindruckenden Bildsprache, die nicht übersetzt werden muss. Da es auf Netflix keine Synchronfassungen gibt, ist ein Großteil derer, die den Film sehen, auf die Untertitel angewiesen um das Gesprochene im Film zu verstehen. Untertitel werden auf Deutsch, Englisch, Französisch, Russisch angeboten, Audiodeskription für Hörgeschädigte gibt es auf Spanisch und Englisch. Die Figuren im Film sprechen mexikanisches Spanisch und stellenweise unterhalten sich indigene Charaktere auch auf Mixteco, einer Sprache mit etwa 20.000 Sprechern, älter als Mexiko selbst, die man mithilfe einer App erlernen kann. In den deutschen Untertiteln von Michèle Jochem Yunus, einer in Los Angeles ansässigen Freelancerin, werden sowohl Spanische, als auch die Passagen in indigenen Sprachen (weitgehend) übersetzt.

Für Regisseur Alfonso Cuarón war die Frage der Untertitelung des Filmes schon früh ein Streitpunkt. Netflix hatte vorgesehen, für spanische Zuschauerinnen und Zuschauer Untertitel zur Verfügung zu stellen, in der Annahme, sie würden das mexikanische Spanisch des Filmes nicht ausreichend verstehen. Der Regisseur verurteilte dies und bezeichnete es als lächerlich. In den verschiedenen Varietäten wird z.B. die zweite Person Plural unterschiedlich verwendet (ustedes und vosotros). Auch auf lexikalischer Ebene wurden Ausdrücke angepasst (wie z.B. mamá zu madre, vergleichbar mit dem deutschen Mama/Mutter). Dies führt zu der verwirrenden Situation, dass die Untertitel sich für Spanier deutlich von dem Gesprochenen unterscheiden und vermittelt den Eindruck, dass die mexikanische Varietät nicht denselben Status hat wie die iberische. Nach dem Aufruhr entfernte Netflix die Untertitel für Spanier; nun gibt es nur noch die spanischen Untertitel für Hörgeschädigte.

Die zwischenmenschlichen Konflikte im Film entstehen durch unzulängliche Kommunikation und Missverständnisse, auch und vor allem zwischen Figuren, die eigentlich dieselbe Sprache sprechen. Wie die Charaktere miteinander sprechen – was sie sagen und wie sie es sagen – ist ein wesentlicher Bestandteil des Aussage des Filmes und somit ist auch eine äquivalente Übertragung des Gesprochenen in der Übersetzung von großer Relevanz.

Wenn die Figuren zusätzlich noch weitere Sprachen sprechen, die nicht verwandt oder gegenseitig verständlich sind, wie Mixteco oder Englisch, wird das Motiv des Verstehens und Nicht-Verstehens noch deutlicher. Cleo und Adela, ihre Freundin und ebenfalls Angestellte im Haushalt, unterhalten sich auf einer Sprache, die von den Familienmitgliedern nicht verstanden wird. Besonders irritierend wirkt das auf die Kinder, die genervt sind, weil sie die indigene Sprache nicht verstehen und der Junge Cleo und Adela bittet:

¿Qué dicen? Ya no hablen así.
Was sagst du? Hör auf, so zu reden.

Die Untertitelung von Filmen ist mit dem Übersetzen von Literatur eng verwandt. Wie beim literarischen Übersetzen gilt es, eine andere Sprache ins Deutsche zu übertragen und auf Sprachregister der Figuren zu achten und Umgangssprache adäquat zu übertragen. In der Form sind Untertitler jedoch stark eingeschränkt. Eine angenehme Lesegeschwindigkeit für einen erwachsenen Menschen beträgt etwa 200 Wörter pro Minute oder etwa 17 Zeichen pro Sekunde. Das schränkt die Arbeit von Übersetzerinnen und Übersetzern enorm ein und lässt oft wenig Spielraum für elaborierte Formulierungen. Auch Wortspiele und sprachliche Mittel können oft nicht übertragen werden.

Wenn Wortspiele allerdings Teil längerer Dialoge sind und im Laufe des Gesprächs wieder aufgegriffen werden, müssen sie zwangsläufig beachtet werden. Bei den deutschen Untertiteln zu Roma wird dies versucht und gelingt stellenweise auch ganz gut. Im Rahmen einer Familienfeier außerhalb der Stadt spazieren einige Erwachsene und Kinder über ein Feld:

– No corren tan lejos, nada más llegamos a la falda y nos regresamos.
-¿Qué falda?
-La del cerro.
-¿El cerro tiene falda?
-Si la falda, la base, pues, mijo.
-Alex, el cerro tiene falda. Si nos agachemos, podemos verle los calzones.
-¿Qué hacen? Viéndole los calzones al cerro.
-El cerro no tiene calzones, baboso.
-Tú tampoco.
– Am Saum des Hügels kehren wir wieder um.
– Saum?
-Zum Abhang.
-Der Hügel hat einen Saum?
-Das Gefälle eben!
-Alex! Der Hügel hat einen Saum. Wie ein Rock. Bücken wir uns, sehen wir seine Unterhose.
-Was machst du?
-Ich sehe mir die Unterhose des Hügels an. Hügel haben keine Unterhosen
-Du auch nicht!
-Arschloch!

„Falda del cerro“, wortwörtlich der Rock eines Hügels oder Bergs, beschreibt den unteren Teil eines Berges, zu Deutsch den „Fuß“. Da das Bild im Dialog eingebunden ist und mit kindlichem Humor erklärt wird, musste die Untertitlerin ein neues Bild finden. Mit Saum ist dies möglich, muss aber zusätzlich erklärt werden (Der Hügel hat einen Saum). Dies wirkt zwar im Dialog etwas unnatürlich, doch der Grund für den erklärenden Einschub erschließt sich aus dem Zusammenhang und er ist für das Verständnis des Dialogs notwendig, auch wenn Hügel im Deutschen streng genommen keinen Saum haben.

An anderen Stellen, wo sich die Untertitel weiter vom gesprochenen Spanisch entfernen, sind die Intentionen der Untertitlerin nicht so klar. Einmal hagelt es in Roma. Die Kinder sammeln im Vorhof Hagelkörner auf und singen dabei ein mexikanisches Kinderlied, das in den deutschen Untertiteln zwar übersetzt, aber zusammengefasst und inhaltlich stark abgeändert wurde:

Que llueva, que llueva
La Virgen de la Cueva
Los pajaritos cantan,
Las nubes se levantan.
Es regnet! Es schüttet!
Der alte Mann schnarcht.

Eine genauere Übersetzung des Inhalts wäre:

Es regne, es regne
Die Jungfrau der Höhle
Die Vöglein singen
Die Wolken steigen auf.

Der kurze Abschnitt ist nicht handlungsrelevant und es spielt für den weiteren Film keine wesentliche Rolle, ob die Vöglein und die Wolken in den deutschen Untertiteln vorkommen. Klar ist aber, von einem alten schnarchenden Mann ist nirgendwo die Rede und es ist daher fraglich, warum er in den deutschen Untertiteln vorkommt. Höchstwahrscheinlich hat er sich über die englische Übersetzung hineingeschlichen. Schließlich gibt es einen englischen Kinderreim: It’s raining, it’s pouring, the old man was snoring.

Weitere Fehler in der Übersetzung lassen vermuten, dass die Erstellerin der Untertitel tatsächlich mit einer englischen Vorlage gearbeitet hat, anstatt mit den spanischen Originaldialogen. So sind etwa vereinzelte englische Stellen gar nicht untertitelt. Auch viele Ungenauigkeiten in der Verwendung von Singular und Plural in direkter Anrede deuten darauf hin, wie in der bereits zitierten Bitte des Jungen an Cleo, Spanische zu sprechen: „¿Qué dicen? Ya no hablen así“, ist im Spanischen Plural; die Untertitel „Was sagst du? Hör auf, so zu reden“ allerdings Singular. Im Englischen sind die beiden Formen der Anrede gleich. Außerdem heißt der mexikanische Snack „gansitos“, eine Art kleiner Kuchen mit Erdbeermarmelade und cremiger Füllung, in den deutschen Untertiteln „Twinkie“, was wiederum eine vergleichbare, in den USA populäre Süßigkeit ist, in Europa aber weitgehend unbekannt.

Eines der Kinder bittet Cleo um einen „licuado de plátano“, eine Bananenmilch. In den englischen Untertiteln fragt er nach einem „banana smoothie“ und in deutschen Untertiteln heißt es: „Cleo, kann ich einen Smoothie haben?“ Dies erklärt, woher der Ausdruck Smoothie kommen könnte, der mittlerweile auch Einzug in die deutsche Sprache gehalten hat, zum Zeitpunkt der Handlung 1970 allerdings noch nicht, und auch im Englischen wurde der Ausdruck erst in den 1980er Jahren popularisiert.

Viele der Ungenauigkeiten der deutschen Untertitel sind Fragen der Vereinheitlichung. So wird die Mutter manchmal als Señora Sofia, an anderen Stellen jedoch übersetzt als Frau Sofia bezeichnet. Die Hauptfigur Cleo heißt einmal Cleolegaria, an einer anderen Stelle Cleodegaria. Zudem werden Sprecherwechsel nicht immer richtig angezeigt und im Original ist der Beruf der Mutter Chemikerin (química), in den deutschen Untertiteln wird sie als Biochemikerin bezeichnet. Aus dem bekannten, eher mit Pudding vergleichbaren Nachtisch flan wird eine Geschmacksrichtung von Eis.

Fehler in der Vereinheitlichung der Schreibweisen werden nur bei sehr genauem Lesen der Untertitel überhaupt wahrgenommen. Doch Missachtung des Sprachregisters veranlasst, dass die Aussage in den Untertiteln nicht zu der Stimmung der Szene passt und bewirkt somit eine verzerrte Wahrnehmung. Deutlich wird dies etwa bei Beschimpfungen. Die Kinder beleidigen sich in geschwisterlicher Rivalität des öfteren untereinander als „baboso“, was einen Schleimer aber auch einen einfältigen Dummkopf bezeichnen kann. In den deutschen Untertiteln wird der Ausdruck als „Idiot“ und auch als „Arschloch“ übersetzt, eine Wortwahl, die im Deutschen eine sehr starke Beschimpfung ist und absolut nicht zur Ausdrucksweise und dem Charakter der jungen Figur passt.

Weitere Ungenauigkeiten, wie etwa Unterscheidungen zwischen Singular und Plural oder formaler und informaler Anrede, verändern ebenfalls wie die Figuren rezipiert werden. Als Cleo Sofia, Mutter der Familie und ihrer Arbeitgeberin, gesteht, dass sie ein Kind erwartet, hat sie Angst, dafür gekündigt zu werden.

-¿Me va a correr?
-¿Correr? Claro que no, Cleo, como crees, no seas tonta.
-Werden Sie mir kündigen?
-Kündigen? Natürlich nicht!

Im Spanischen, wie auch in den deutschen Untertiteln spricht Cleo mit ihrer Vorgesetzen per Sie, in der gekürzten Antwort der Mutter ist die Art der Anrede nicht mehr klar. Im Spanischen sagt sie: „Kündigen? Natürlich nicht, Cleo, wie kommst du darauf, sei nicht dumm.“ Das wäre für die Untertitel viel zu lang und wurde daher vermutlich gekürzt. Doch gerade in einem Film, in dem interne Hierarchien und zwischenmenschliche Beziehungen von Figuren aus unterschiedlichen sozialen Klassen eine wesentliche Rolle spielen, geht ein Teil des Aussage verloren, wenn in den Untertiteln nicht auf Sprachregister und Art der Anrede geachtet wird.

Cleo, oder Cleolegaria, oder Cleodegaria, ist in vielerlei Hinsicht eine Außenseiterin in der Gesellschaft. Sie ist eine Frau, erwartet ein uneheliches Kind, der Vater des Kindes hat sie verlassen und außerdem ist sie indigener Abstammung. Es ist ein wichtiger Aspekt der Aussage des Filmes, dass ihre indigene Sprache in ihrem unmittelbaren Umfeld nicht von allen verstanden wird. Genauso ist es wichtig, wie die Figuren, die in diesem Haus leben, miteinander sprechen – die Eltern mit Kindern, Cleo mit den Kindern, die Eltern mit Cleo, Cleo mit ihren Kollegen. Dadurch werden die Beziehungen zwischen den Personen verdeutlicht und Hierarchien erklärt. Wenn aber in den Untertiteln nicht darauf geachtet wird, sind die Zuschauer darauf angewiesen, Schlüsse aus dem Tonfall und Verhalten der Charaktere zu ziehen.

Der französische Verband audiovisueller Übersetzer (ATAA) veröffentlichte vor einiges Wochen Artikel zu den französischen und den englischen Untertiteln unter den TitelnHow to ruin a masterpieceund „What ever happened to ,quality control‘?“. In den Beiträgen kritisieren die Autoren heftig die schlechte Qualität der jeweiligen Untertitelungen. Sylvestre Meiningers Auflistung der Schwächen der französischen Untertitel liest sich wie eine Anleitung aller möglichen Fehler, die bei der Untertitelung gemacht werden können. Er zeigt auf, dass die französischen Übersetzungen sowohl formal als auch inhaltlich viel zu wünschen übrig lassen: Satzzeichen, Rechtschreibung, Timing, Missachtung von Stil und Register. Besonders emotionale Szenen, so Meininger, verlören durch trockene Übersetzungen ihre Wirkung. Für ihn stellt sich die Frage:

Why didn’t Netflix, which spends a fortune on advertising, buying and creating content, hire a professional audiovisual translator to subtitle the movie, just like any other distributor or TV/cable channel, be it for films or series? Why show such contempt for the original work and the audience’s language?
Warum investiert Netflix Unmengen in Werbung, Ankauf und Produktion, beauftragt aber nicht professionelle audiovisuelle Übersetzer mit dem Erstellen der Untertitel, wie es alle Fernsehsender für Filme und Serien machen? Warum diese Geringschätzung der originalen Filme und Sprache der Zuschauer?

Die Kritikpunkte treffen auch auf die deutschen Untertitel zu. Die Analyse der deutschen Untertitel zeigt auch, dass sie vermutlich aus dem Englischen übersetzt wurden, anstatt aus den Originalsprachen. Das allein zerstört nicht zwangsweise ein Meisterwerk, doch Ungenauigkeiten und Fehler in den Untertiteln verändern die Botschaft und Wirkung des Filmes. Dies verdeutlicht, wie essenziell eine gute Zusammenarbeit zwischen der Filmbranche und professionellen Untertitlern ist, die sich der der sprachlichen Effekte ihrer Arbeit bewusst sind.

6 Kommentare

Kommentieren
  1. 1
    Nathalie Schon

    Leider berüchsichtigen viele Übersetzer nicht das Original (Video). Es ist natürlich nicht ok aber Netflix hat Schwierigkeiten Profis zu finden. Und so einfach findet man anscheinend Spanisch-Deutsche Untertitler nicht, oder Untertitler, die Spanisch, Englisch und Deutsch beherrschen (die hätten die Fehler oder die auf den US-Markt zugeschnittene Übersetzung des englischen Templates gleich bemerkt). Vielleicht sollte Netflix das Feld endlich mal den Profis überlassen!

  2. 2
    Tanja

    Ich muss zwar in Grundzügen dem Artikel zustimmen, dass Netflix bei der Untertitelerstellung einiges verbessern könnte, aber worin genau soll der Sinn bestehen, die Untertitlerin mit Namen und Wohnort (!!!) vorzuführen?
    Es unterstützt die Argumentation des Beitrages (dass den Qualitätsmängel scheinbar ein strukturelles Problem zugrunde liegt) überhaupt nicht und dient wohl einzig und allein dazu, gezielt Personen an den Pranger zu stellen.

    • 3
      Felix Pütter

      Liebe Tanja,
      die namentliche Nennung des oder der Übersetzer*in gehört unserer Meinung nach zur Literaturkritik ebenso dazu wie zur Untertitlungskritik. Das Thema ist den meisten derer, die normalerweise im Untergrund werkeln, auch sehr wichtig Wäre es Deiner Meinung nach etwa besser, die Urheberin der Untertitel zu verschweigen?
      Felix

      • 4
        Tanja

        Lieber Felix,
        vielen Dank für deine Antwort.
        In dem Beitrag geht es doch in erster Linie um Kritik an der Vorgehensweise von Netflix (z.B.: die Praxis der englischen templates, von denen in alle Sprachen übersetzt wird, etc.).
        In diesem Kontext jetzt die Übersetzerin mit vollem Namen anzuprangern und sehr ausführlich ihre Arbeit zu „verreißen“ (so liest es sich für mich jedenfalls) und ihr Dinge in die Schuhe zu schieben, für die sie nichts kann und die sie nicht beeinflussen kann, finde ich unfair.
        Im Zweifel könntet ihr die betroffene Person ja fragen, ob sie damit einverstanden ist, in diesem Beitrag mit Angabe ihres Wohnortes (dafür nochmal „!!!“, weil ich diese Tatsache einfach so absurd finde!) genannt zu werden. Ich wäre es auf jeden Fall nicht (in Zeiten der DSGVO erst recht nicht!).
        Mit bestem Gruß

        • 5
          Felix Pütter

          Liebe Tanja,
          zunächst einmal: Die DSGVO hat mit diesem Fall überhaupt nichts zu tun, solange wir keine Datensätze über die betreffende Person anlegen (was wir nicht vorhaben) oder private Informationen gegen ihren Willen veröffentlichen (das ist alles öffentlich recherchierbar). Man würde sich ja auch nicht über einen Anruf von jemandem beschweren, der im Telefonbuch die eigene Nummer nachgeschlagen hat.
          Die Kritik an Netflix sollte aus dem Artikel klar geworden sein. Da sich die Kritik allerdings auch auf die Frage bezieht, wen man eigentlich mit einer solch delikaten Übersetzung betraut, leuchtet mir nicht so ganz ein, warum die Information über die Hintergründe der Person, die letztendlich (auch namentlich) dafür verantwortlich zeichnet, für den Text irrelevant sein sollte.
          Abgesehen davon wollen und werden wir daran arbeiten, Übersetzerinnen und Übersetzern die professionelle Wertschätzung entgegenzubringen, die ihnen zusteht. Man kann nicht gleichzeitig mehr Aufmerksamkeit verlangen und Kritik aber auf den Auftraggeber abwälzen wollen. Im Literaturübersetzerbereich ist dieser Reflex leider auch (zu) weit verbreitet. Solange wir die Devise „Name your subtitler“ nicht ernster nehmen, auch bei kritischer Rezeption, wird sich an der öffentlichen Aufmerksamkeit für diese Kunstform nichts ändern.
          Felix

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.