Fla­schen­post aus Japan

Megumi Iwasa erzählt mit Hilfe von Giraffen, Walen und Seehundchen von den Tücken interkultureller Kommunikation. Die Übersetzerin Ursula Gräfe hat ihr Plädoyer für mehr Toleranz mit viel Feingefühl ins Deutsche übertragen. Von

Völkerverständigung im Tierreich. Illustration von Jörg Mühle aus Megumi Iwasa: Viele Grüße, Deine Giraffe © 2017 Moritz Verlag, Frankfurt am Main

Vie­le Grü­ße, dei­ne Giraf­fe steht auf dem Cover, und dar­un­ter ein klei­ner Pin­gu­in, der erwar­tungs­voll einen Brief liest. Das weckt auch beim Leser Erwar­tun­gen: Was mag die­se bei­den Tie­re aus Savan­ne und Ant­ark­tis ver­bin­den, und wer pflegt bit­te heut­zu­ta­ge noch die aus­ster­ben­de Tra­di­ti­on des Brie­fe­schrei­bens? Gleich zwei inter­es­san­te Ideen für ein Kin­der­buch. Nach dem Fol­ge­band Vie­le Grü­ße vom Kap der Wale ist mit Vie­le Grü­ße von der See­hund­in­sel soeben der drit­te Band der Rei­he im Frank­fur­ter Moritz Ver­lag erschie­nen.

Vie­le Grü­ße, dei­ne Giraf­fe (jap. 2001/dt. 2017) ist für Lese­an­fän­ger gedacht und in Japan Schul­lek­tü­re. Giraf­fe schreibt eines Tages vor lau­ter Lan­ge­wei­le in der öden Savan­ne einen Brief, adres­siert an Unbe­kannt. Der Post­bo­te Peli­kan über­gibt ihn sei­ner Kol­le­gin, Post­bo­tin Rob­be, und die wie­der­um trägt den Brief an Pin­gu­in am Kap der Wale aus. So beginnt die Geschich­te einer wun­der­ba­ren (Brief-)Freundschaft zwi­schen Giraf­fe und Pin­gu­in, die in schön schlich­ter Spra­che erzählt wird.

Im Fol­ge­band Vie­le Grü­ße vom Kap der Wale (jap. 2003/dt. 2018) lädt Pin­gu­ins Leh­rer, Pro­fes­sor Wal, sei­ne Freun­de – natür­lich per Brief – zu den Olym­pi­schen Spie­len am Kap der Wale ein (Dis­zi­pli­nen: Wett­schwim­men der Rob­ben, Wett­ren­nen der Pin­gui­ne und Fon­tä­ne-Bla­sen der Wale). Nach einem etwas schlep­pen­den Anfang nimmt die Erzäh­lung bald Fahrt auf, und die unge­wöhn­li­che Olym­pia­de wird mit Herz und Humor leben­dig geschil­dert.

Im drit­ten Band Vie­le Grü­ße von der See­hund­in­sel (jap. 2005/dt. 2019) macht sich die ängst­li­che jun­ge Rob­bie, die bei Post­bo­tin Rob­be in die Leh­re geht, für einen Spe­zi­al­auf­trag ganz allein auf den Weg über das wei­te Meer. Dabei gerät sie aller­dings in den „Super­stru­del Gur­gel­gur­gel Nr. 1“ und wird an unbe­kann­ten Ufern aus­ge­spuckt. Und auch bei ihrer Ret­tung spie­len Brie­fe wie­der eine wich­ti­ge Rol­le.

Wirk­lich ori­gi­nell ist die Idee von der Brief­freund­schaft zwi­schen völ­lig ver­schie­de­nen Tie­ren natür­lich nur im ers­ten Band, aber lesen las­sen sich alle drei Bücher wun­der­bar. Jedes steht unter einem ande­ren Mot­to: Bei der Giraf­fe geht es um eine unglei­che Freund­schaft, beim Kap der Wale um Fair­play und den olym­pi­schen Gedan­ken, dass Dabei­sein alles ist, bei der See­hund­in­sel um die Über­win­dung der Furcht vor dem Frem­den.

Vie­le Grü­ße, dei­ne Giraf­fe wur­de mit dem Leip­zi­ger Lese­kom­pass 2017 und dem Deut­schen Jugend­li­te­ra­tur­preis 2018 aus­ge­zeich­net. Das ist sicher dem stim­mi­gen Zusam­men­spiel von Wort und Bild zu ver­dan­ken. So ist es zum Bei­spiel eine gelun­ge­ne Idee, die Brie­fe hand­schrift­lich ein­zu­fü­gen: Giraf­fe kra­kelt in bemüh­ten Groß­buch­sta­ben, Pin­gu­in zeigt sei­ne ordent­lichs­te Schü­ler­schön­schrift auf linier­tem Papier, und der Wal­pro­fes­sor ver­fasst sei­ne Brie­fe in so prä­zi­sen wie schwung­vol­len Buch­sta­ben. Und auch sonst unter­strei­chen und ergän­zen Jörg Müh­les Illus­tra­tio­nen den Text von Megu­mi Iwasa/Ursula Grä­fe auf wit­zi­ge und sym­pa­thi­sche Wei­se. Es hat sich gelohnt, dass der Ver­lag für die deut­sche Aus­ga­be nicht ein­fach die Ori­gi­na­l­il­lus­tra­tio­nen über­nom­men hat. Die­se sind eben­falls reiz­voll, aber sehr redu­ziert und mit schnel­lem Strich gezeich­net, ein Stil, der für deutsch­spra­chi­ge Kin­der­bü­cher unge­wohnt und unge­wöhn­lich wäre. Um die Chan­cen auf dem deut­schen Buch­markt zu erhö­hen, ersetz­te sie der Ver­lag mit Müh­les Bil­dern, die sicher­lich bei Kin­dern eben­so gut ankom­men wie bei Erwach­se­nen. Dass nicht nur der Text, son­dern auch die Bil­der „über­setzt“ wer­den, ist bei Kin­der­bü­chern kein Ein­zel­fall und zeigt, wie stark sich Lese- und Seh­ge­wohn­hei­ten von Land zu Land (und von Kul­tur zu Kul­tur) unter­schei­den kön­nen.

In der Jury­be­grün­dung zur Ver­lei­hung des Deut­schen Jugend­li­te­ra­tur­preis heißt es:

„Gute Erst­le­se­bü­cher zu fin­den, ist schwer. Die Not­wen­dig­keit, sprach­li­che Kom­ple­xi­tät zu redu­zie­ren, führt oft zu einer gerin­gen Lite­ra­ri­zi­tät. Vie­le Grü­ße, Dei­ne Giraf­fe bil­det hier eine Aus­nah­me. Megu­mi Iwa­sa gelingt ein sprach­lich ein­fa­cher Text, der lite­ra­risch gestal­tet ist. Die­se Wir­kung ist auch der Über­set­zung von Ursu­la Grä­fe zu ver­dan­ken.“

Trotz die­ser Leis­tung fin­den sich lei­der weder im Buch selbst noch auf der Inter­net­sei­te des Ver­lags – anders als zu Autorin und Illus­tra­tor – Infor­ma­tio­nen zu Grä­fe. Dabei ist sie als Über­set­ze­rin des japa­ni­schen Best­sel­ler­au­tors Haru­ki Mura­ka­mi und des Nobel­preis­trä­gers Kenzab­urō Ōe wahr­lich kei­ne Unbe­kann­te. Ihren Über­set­zungs­pro­zess beschreibt Grä­fe in einem Inter­view fol­gen­der­ma­ßen :

Ein Über­set­zer kann sich nie­mals in dem Maß der Inspi­ra­ti­on über­las­sen wie ein Autor. Mei­ne Auf­ga­be ist es, einen schon erdach­ten Text und sei­nen Ton­fall in mei­ne Mut­ter­spra­che zu brin­gen. Aber die­se Umwand­lung fin­det bei mir, glau­be ich, vor­wie­gend intui­tiv statt. Kon­kret: Die Roh­über­set­zung mache ich spon­tan und wie der Wind. So kom­me ich in Fluss. Für den Fein­schliff – Kor­rekt­heit plus klin­gen­de und schö­ne Spra­che – brau­che ich dann ewig.

Getreu ihrer Metho­de gelingt es Grä­fe auch hier, in „klin­gen­der und schö­ner Spra­che“ zu schrei­ben. Ganz am Anfang wir­ken die Sät­ze viel­leicht noch etwas abge­hackt:

Giraf­fe leb­te in der süd­afri­ka­ni­schen Savan­ne.
Lei­der war ihr furcht­bar lang­wei­lig.
Auch an die­sem Tag war der Him­mel wie­der strah­lend blau.

Nur in der Fer­ne schweb­ten wie hin­ge­tupft ein paar Wölk­chen.

Doch gera­de dar­an, wie hier jeder Satz für sich steht, spürt man, wie Giraf­fe allein und gelang­weilt in der immer­glei­chen Umge­bung her­um­sitzt und ihr ver­ein­zel­te Gedan­ken­fet­zen durch den Kopf zie­hen. Und schon am letz­ten Satz erkennt man die Lite­ra­ri­zi­tät, die das Buch so lesens­wert macht, ohne die jun­gen Leser zu über­for­dern. Erzählt wird in ein­fa­chen, kur­zen Sät­zen und kind­ge­rech­ter Spra­che, abwechs­lungs­rei­che Lexik und idio­ma­ti­sche Wen­dun­gen sor­gen für Lese­spaß. Und bald gerät auch die Hand­lung und damit die Spra­che „in Fluss“. So ent­steht etwa Situa­ti­ons­ko­mik, wenn die Tie­re bluf­fen, um sich kei­ne Blö­ße vor ande­ren zu geben – wie der Wal­pro­fes­sor auf Pin­gu­ins Fra­ge, was und wo denn bit­te­schön ein Hals sei:

„Herr Pro­fes­sor, wo ist denn Ihr Hals?“
„Eine sehr gute Fra­ge, Pin­gu­in. Das ist dei­ne nächs­te Auf­ga­be. Die woll­te ich dir schon län­ger stel­len.“
In Wirk­lich­keit hat­te der Pro­fes­sor kei­ne Ahnung, wo sein Hals war.
(…) Pin­gu­in betrach­te­te nach­denk­lich sein Spie­gel­bild im Was­ser.
„Wo ist eigent­lich mein Hals, Herr Pro­fes­sor?“, frag­te er.
Natür­lich hat­te der Pro­fes­sor kei­ne Ahnung.
„Das ist dei­ne Haus­auf­ga­be“, ver­kün­de­te er. „Der Unter­richt ist für heu­te been­det.“

Alter Leh­rer­trick: Siche­res Auf­tre­ten bei völ­li­ger Ahnungs­lo­sig­keit, und kniff­li­ge Fra­gen, auf die man selbst kei­ne Ant­wort weiß, ein­fach als Haus­ar­beit auf­ge­ben. Das scheint in Japan genau­so gut zu funk­tio­nie­ren wie in Deutsch­land. Der Über­set­zung gelingt es hier und an ande­ren Stel­len, einen humor­vol­len Ton anzu­schla­gen, der auch Erwach­se­ne zum Schmun­zeln bringt.

In der flüs­si­gen Erzäh­lung fal­len einem erb­sen­zäh­le­ri­schen Leser höchs­tens eine Hand­voll Stel­len auf, bei denen man kurz stutzt: Kann man sich „halb kaputt lachen“, wie Giraf­fe und Peli­kan es tun? Laut Duden nicht – aber das kann man natür­lich auch als fan­ta­sie­vol­len Umgang mit Spra­che auf­fas­sen. Wenn es an einer Stel­le heißt: „… frag­te jemand … sag­te ein ande­rer … sag­te jemand drit­tes“, klingt letz­te­res ein biss­chen nach Über­set­zer­spra­che, idio­ma­ti­scher wäre sicher­lich „sag­te ein drit­ter“. Und im Kap der Wale „mur­mel­te der Wal­pro­fes­sor schüch­tern“, dass der Post­bo­te Peli­kan ihn bit­te nicht immer mit „Pro­fes­sor“ anspre­chen sol­le, wo er doch längst im Ruhe­stand sei. Er wol­le lie­ber „Freund Wal“ oder „Wal­de­mar“ genannt wer­den. Schüch­tern­heit ist nun wirk­lich kein Cha­rak­ter­zug, den man Pro­fes­sor Wal zuschrei­ben könn­te. Dafür ist er als aka­de­mi­sche Auto­ri­tät viel zu selbst­be­wusst. Er kann höchs­tens vor­über­ge­hend „ver­le­gen“ sein, weil ihm sei­ne Bit­te pein­lich ist.

Doch wenn sol­che Win­zig­kei­ten alles sind, was einem auf­fällt, spricht das nur für die Stil­si­cher­heit der Über­set­ze­rin. Und dazu­ge­lernt habe ich dank ihr auch etwas, näm­lich dass der Olym­pia-Wahl­spruch „Citi­us, alti­us, for­ti­us“, der im Deut­schen meist als „Schnel­ler, höher, wei­ter“ bekannt ist, kor­rek­ter­wei­se „Schnel­ler, höher, stär­ker“ lau­ten müss­te. Man könn­te sagen, eine ein­ge­bür­ger­te Fehl­über­set­zung, die Ursu­la Grä­fe gera­de­rückt.

Anders als in den ers­ten bei­den Büchern sind im drit­ten Aus­drü­cke wie „boah“, „cool“, „geh­t’s noch?“ oder „Das kannst du nicht brin­gen“ ein­ge­streut. Nötig gewe­sen wäre die­se Auf­pep­pung nicht, aber viel­leicht passt sich auch die japa­ni­sche Vor­la­ge hier stär­ker an die Jugend­spra­che an.

Grä­fe setzt idio­ma­ti­sche Wen­dun­gen nicht nur tref­fend ein, son­dern spielt auch mit ihnen. Als sich die Giraf­fe als Pin­gu­in ver­klei­den will, mus­tert Peli­kan sie nicht, wie es üblich und erwart­bar wäre, „von Kopf bis Fuß“, son­dern „vom Kopf bis zu den Füßen und von den Füßen bis zum Kopf“. Ob die­se Abwand­lung nun vom Ori­gi­nal inspi­riert ist oder nicht, sie ist hier jeden­falls sehr pas­send und nötig, denn es geht ja gera­de dar­um, dass die Giraf­fe vier Füße/Beine (und damit zwei mehr als ein Pin­gu­in) hat. Auch das Wort­spiel: „Und der Wal­pro­fes­sor bekam nie wie­der eine so sagen­haf­te Fon­tä­ne zustan­de. Bei ihm war ein­fach die Luft raus“ funk­tio­niert im Deut­schen gut.

Die Namen der Wale (Kubo, Jira, Kusuke, Kuji­ro usw.) ent­hal­ten im Ori­gi­nal jeweils ein Seg­ment oder eine Sil­be des japa­ni­schen Worts für Wal (kuji­ra). Grä­fe gelingt es, die­ses Wort­spiel zu ret­ten, indem sie die Wal­na­men alle­samt auf Wal- begin­nen lässt. Der Wal­pro­fes­sor, der im Ori­gi­nal den (alter­tüm­lich klin­gen­den) Vor­na­men Kuji­e­mon trägt, wird im Deut­schen zu Wal­de­mar, sei­ne Freun­de hei­ßen Wal­do, Wal­traut oder Wal­ter, und mit dem Wal namens Walid leis­tet die Über­set­zung über­dies einen klei­nen Bei­trag zur Inte­gra­ti­on.

Da es im Japa­ni­schen kein gram­ma­ti­sches Genus gibt, ist die Geschlechts­zu­ord­nung der Tie­re nicht von vorn­her­ein fest­ge­legt. Aber es gibt kla­re Anhalts­punk­te, die Auf­schluss über das Geschlecht einer Figur geben, sei es durch eine (im Japa­ni­schen deut­lich als) „männ­lich“ oder „weib­lich“ mar­kier­te Sprech­wei­se, sei es durch bestimm­te, tra­di­tio­nell eher männ­lich bzw. weib­lich kon­no­tier­te Cha­ra­ker­ei­gen­schaf­ten. So wird die Post­bo­tin Rob­be wie eine gro­ße Schwes­ter dar­ge­stellt, die ande­re selbst­los unter­stützt (und beim Wett­schwim­men zuguns­ten der schwä­che­ren Rob­bie auf den eige­nen Sieg ver­zich­tet). Peli­kan ist ein­deu­tig ein Jun­ge, denn er wird mit Peli­kan-kun ange­spro­chen (einer Anre­de­form für Jun­gen oder jun­ge Män­ner); eben­so wie Pin­gu­in, der Brie­fe von sei­nem „girl­friend“ (gya­ru­fu­ren­do)  erhält. Bei die­sen drei­en stimmt das Geschlecht mit dem deut­schen Genus über­ein. Etwas schwie­ri­ger wird es bei Giraf­fe, die im Ori­gi­nal auf­grund ihrer Sprech­wei­se ein­deu­tig männ­lich ist, die man aber im Deut­schen auf­grund des Arti­kels auch für weib­lich hal­ten könn­te. Die Über­set­zung mil­dert das Pro­blem erfolg­reich ab, indem sie die Tier­na­men ohne Arti­kel, also wie Eigen­na­men, wie­der­gibt. So erscheint Giraf­fe in der deut­schen Über­set­zung als geschlechts­neu­tral.

Die afri­ka­ni­sche Savan­ne, Giraf­fen, Pin­gui­ne und der Süd­pol gehö­ren für japa­ni­sche Kin­der eben­so wenig zur nor­ma­len Lebens­welt wie für deut­sche. Da der Abstand der Aus­gangs- und Ziel­le­ser zum Erzähl­ge­gen­stand etwa gleich groß ist, muss hier also kein unter­schied­li­ches Vor­wis­sen kom­pen­siert wer­den. Auf­fäl­lig für deut­sche Leser ist aller­dings die Höf­lich­keits­hier­ar­chie unter den Tie­ren: In einem west­li­chen Kin­der­buch wür­den sich wohl alle Tie­re unter­schieds­los mit „du“ anre­den – in der Welt von Pin­gu­in und Giraf­fe ist das kom­pli­zier­ter: Giraf­fe, Peli­kan und Pin­gu­in duzen sich unter­ein­an­der, wäh­rend Post­bo­tin Rob­be ihre Kun­den meist siezt und mit „Herr Pin­gu­in“ oder „Herr Wal­do“ anre­det. Der Wal­pro­fes­sor (kuji­ra-sen­s­ei) wird von den ande­ren Tie­ren gesiezt und mit „Herr Pro­fes­sor“ oder „Herr Leh­rer“ ange­spro­chen, wäh­rend er alle ande­ren duzt. Da schim­mert sicher der all­ge­mei­ne Respekt durch, den Lehr­per­so­nen in der asia­ti­schen Kul­tur genie­ßen.

Nicht zuletzt zeigt Vie­le Grü­ße, dei­ne Giraf­fe, wie inter­kul­tu­rel­le Miss­ver­ständ­nis­se ent­ste­hen und über­wun­den wer­den kön­nen. Denn Pin­gu­in und Giraf­fe spre­chen eine Spra­che und doch auch wie­der nicht. Als Giraf­fe schreibt, sie sei berühmt für ihren lan­gen Hals, muss der ver­wirr­te Pin­gu­in erst ein­mal her­aus­fin­den, was ein Hals eigent­lich ist. Die Defi­ni­ti­on sei­nes Wal­pro­fes­sors („der schma­le Teil, der mit dem Kopf ver­bun­den ist“) hilft ihm nur bedingt wei­ter, da sie sich weder auf den Wal noch auf Pin­gu­in selbst anwen­den lässt. Umge­kehrt macht sich auch Giraf­fe ein völ­lig fal­sches Bild von ihrem neu­en Freund: Basie­rend auf sei­ner Selbst­be­schrei­bung (ent­we­der kein Hals oder nur aus Hals bestehend, Schna­bel, kur­ze Flü­gel und Bei­ne, schwarz­weiß) ent­wirft sie mit den Ele­men­ten ihrer eige­nen Umwelt ein kurio­ses Fabel­tier. In ihrer Vor­stel­lung hat Pin­gu­in einen Schlan­gen­kör­per mit zwei Füßen, einem Pelik­an­schna­bel und Zebra­strei­fen. Spra­che, die aus ihrem Koor­di­na­ten­sys­tem geris­sen wird und in unse­rem Kopf nicht die „rich­ti­gen“ Asso­zia­tio­nen her­vor­ruft, führt zu miss­lun­ge­ner Kom­mu­ni­ka­ti­on. Das Miss­ver­ständ­nis, das aus die­ser Sprach­ver­wir­rung resul­tiert, stellt die begin­nen­de Freund­schaft sogar kurz in Fra­ge. Doch die unbe­hag­li­che Ken­nen­lern­si­tua­ti­on lässt sich zum Glück schnell durch Freund­lich­keit, Tole­ranz und gegen­sei­ti­ges Inter­es­se lösen.

Iwa­sas Bücher sind ein Plä­doy­er für Muße und Lan­ge­wei­le, aus denen die bes­ten Ideen ent­ste­hen kön­nen, und zudem ein unter­halt­sa­mer Ein­blick in das Gelin­gen von inter­kul­tu­rel­ler Kom­mu­ni­ka­ti­on trotz anfäng­li­cher Hin­der­nis­se. Grä­fes kla­re Spra­che und Müh­les humor­vol­le Illus­tra­tio­nen ergän­zen sich wun­der­bar und machen die Bücher sowohl für Erst- als auch für Vor­le­ser zum Ver­gnü­gen.


Megu­mi Iwasa/Ursula Gräfe/Jörg Müh­le:

Vie­le Grü­ße, dei­ne Giraf­fe (Im japa­ni­schen Ori­gi­nal: Boku wa Afri­ca ni Sumu Kirin to Iima­su)

Moritz Ver­lag 2017 ⋅ 112 Sei­ten ⋅ 11 Euro

www.moritzverlag.de/Alle-Buecher/Erstlesebuecher/Viele-Gruesse-Deine-Giraffe.html

Vie­le Grü­ße vom Kap der Wale (Im japa­ni­schen Ori­gi­nal: Wata­shi wa Kuji­ra-Misa­ki ni Sumu Kuji­ra to Iima­su)

Moritz Ver­lag 2018 ⋅ 112 Sei­ten ⋅ 11 Euro

www.moritzverlag.de/Alle-Buecher/Viele-Gruesse-vom-Kap-der-Wale.html

Vie­le Grü­ße von der See­hund­in­sel (Im japa­ni­schen Ori­gi­nal: Otto­to no Sei-chan, gen­ki desu ka?)

Moritz Ver­lag 2019 ⋅ 112 Sei­ten ⋅ 11 Euro

www.moritzverlag.de/Alle-Buecher/Viele-Gruesse-von-der-Seehundinsel.html

 
 

Anm. d. Red.: Die­se Rezen­si­on wur­de ohne Kennt­nis der Ori­gi­nal­spra­che ver­fasst. Mehr zum The­ma hier.

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