Sprudelndes Leben im gedämpften Januar

Iliazd und Regine Kühn entführen uns in einem gewaltsamen Sprachrausch in die kaukasische Bergwelt und lassen uns einen vergessenen Klassiker der russischen Moderne neu entdecken. Von

"Offenbar haben alle Dinge ihre Sprache, und offenbar existiert diese Sprache nicht wie die menschliche für den Austausch von Meinungen und Gedanken, sondern sie fließt, indem sie den Verstand der Dinge abbildet, wie ein Lied ohne Worte." (Bild: "Der Kaukasus" von Iwan Aiwasowski, Quelle: WikiCommons)

Der Außenseiter und Deserteur Lavrentij tötet hoch oben in den Bergen einen Mönch. Mit dem Mord an sich haben die Dörfler kein Problem – denn wer in ihrer rauen Welt „musste nicht schon mal morden, wenn nicht in besoffenem Zustand, dann auf jeden Fall im Kampf“? Doch dass er es ohne Not, aus purer Habgier und Bosheit getan hat, nehmen sie ihm übel. Und so flüchtet Lavrentij, aus Furcht, dass sie ihn entgegen der üblichen Gepflogenheiten an die Obrigkeit verraten, in ein einsames Bergdorf und wird Räuberhauptmann. Aber nicht etwa ein georgischer Robin Hood oder Karl Moor mit hehren Idealen. Im Gegenteil: Der Mord an Klosterbruder Mokij setzt eine Gewaltspirale in Gang, die am Ende alle ins Verderben reißt – die Bergbewohner, Lavrentij, seine große Liebe Ivlita und ihr ungeborenes Kind.

Lavrentij desertiert, weil er nicht auf Befehl töten will, er nimmt sich aber das Recht des gesetzlosen Banditen, zu töten, wann und wen er will: Mord als Akt der ultimativen Freiheit. Er setzt sich nicht nur über offizielle, sondern auch über ungeschriebene Gesetze hinweg, denn Räuber dürfen dem Brauch nach weder heiraten noch Kinder bekommen. Ironischerweise wird der freiheitsliebende Bandit erst zum Gefangenen und dann zum Opfer seiner Liebe, als sich Ivlita gegen ihn wendet und ihn zerstört, um ihr gemeinsames Kind zu schützen.

In einer Mischung aus ethnographischer Genauigkeit, mythischen Vorstellungen, folkloristischem Primitivismus und modernen Stilmitteln entwickelt der Roman eine dynamische und spannungsgeladene Handlung. Der knappe Erzählstil lässt dabei die Grausamkeit des Berglebens nur umso deutlicher hervortreten. Die Figuren und ihre Empfindungen bleiben auf Distanz zum Leser. Jedes Kapitel endet mit Tod, Gewalt, Flucht oder Entführung.

Der Rhythmus der Erzählung nimmt einen sofort gefangen. In eindringlicher Sprache werden Schneestürme, die Macht der Naturgewalten, denen der Mensch hilflos ausgeliefert ist, die Einsamkeit und Unwirklichkeit der von Bocksbeinigen und Hirschgeistern bevölkerten Gebirgswelt beschrieben. Die vielen Alliterationen und Assonanzen des russischen Originals finden auch in der Übersetzung ihren Widerhall, zum Beispiel in der Totenklage des Einbeinigen Iona, dessen Begehren nach Ivlita ihm zum Verhängnis wird. Sein Weh drückt sich in mehreren we-Lauten aus: „Ivlita, wegen dir sterbe ich. Ich wagte nicht, als ich konnte, und welkte seither. Verfolge dich unentwegt. Wollte dich überfallen, aber ohne ein Bein ist das schwer“. Auch sonst tragen Gleichklänge den Leser durch den Text. Da glubschen einen „Galaktions Glotzaugen“ an, Mokijs Sarg „prangte in der Pracht“ der Dorfkirche und Züge „wutschten durch den Wald“. Hoch auf der Alm lacht man über „Schwanken und Schrecken“ des Flachlandlebens, und Ivlita beschert Lavrentij „göttliches Glück“. Als Räuberbraut ist sie vogelfreies Allgemeingut, wegen ihrer überirdischen Schönheit aber zugleich unantastbar und deshalb keine normale Frau mehr, sondern (das ist schon fast zu viel des Guten) „ein waberndes weibliches Wesen“.

Voschiščenie, Iliazds wohl wichtigster Roman, wurde bei seinem Erscheinen 1930 von fast allen russischen Buchhändlern in seiner Wahlheimat Paris boykottiert, was wohl auch an einer Handvoll „unanständiger“ Wörter wie „Scheiße“, „Wichser“ oder „Hure“ lag (die allesamt übersetzt werden, heutzutage bricht man damit ja keine Tabus mehr). Auch Iliazds übrige Romane blieben zu seinen Lebzeiten weitgehend unbeachtet, erst seit Anfang der 1980er Jahre werden sie veröffentlicht und übersetzt.

Und es lohnt sich, die ungewöhnlichen Werke ebenso wie die faszinierende Lebensgeschichte des Autors wiederzuentdecken: Der 1894 in Tbilissi geborene Il’ja Zdanevič war Mitbegründer des russischen Futurismus, emigrierte 1920 mit einer einjährigen Zwischenstation in Konstantinopel (Inspiration für seinen Roman Philosophia) nach Paris, wo er bis zu seinem Tod 1975 lebte. Dort schrieb er unter seinem Pseudonym auf Russisch Romane und Gedichte und verdiente sich seinen Lebensunterhalt als Designer (unter anderem bei Coco Chanel), später gab er mit Malern wie Picasso und Max Ernst in geringen Auflagen handgesetzte Künstlerbücher heraus, die heute auf Auktionen Höchstpreise erzielen. Zum Glück für die deutschen Leser hat Regine Kühn den Roman 2018 erstmals ins Deutsche übertragen und damit nach Philosophia (2017) ihre zweite Iliazd-Übersetzung beim Verlag Matthes & Seitz vorgelegt (der sie vorbildlicherweise auf dem Buchumschlag nennt).

Iliazd gilt als einer der innovativsten Typographen des 20. Jahrhunderts, und das schlägt sich auch in der Gestaltung seiner Romane und Theaterstücke nieder. Im Vergleich zu manch anderen Werken fällt Voschiščenie regelrecht konventionell aus, mit einer Ausnahme: Am Ende der Absätze fehlt der Punkt

(Genau so.) Der französische Iliazd-Übersetzer Régis Gayraud schreibt in seinem (von Nicola Denis übersetzten) Vorwort zur deutschen Ausgabe, dadurch werde „eine Atempause oder, besser noch, ein Auffliegen suggeriert“. Kühn erklärt diese typographische Besonderheit damit, dass „Iliazd die Zäsur des Punktes am Ende eines Absatzes zu stark war. Er wollte die Liaisons zwischen den Textteilen erhalten, auch wenn er Absätze benutzte. Deshalb wollte er am Ende des Absatzes keinen Punkt haben.“

Ich hatte beim Lesen allerdings eher das Gefühl, dass durch den fehlenden Punkt der Abstand zwischen den Absätzen vergrößert wird. Sie hängen gleichsam in der Luft, und die Leserinnen und Leser mit ihnen – Cliffhanger im wahrsten Sinne des Wortes also. Passend zum Schauplatz hat man oft das Gefühl, als stehe man hoch auf einem Berg und blicke hinab in den Abgrund. So verstärkt das Layout die verunsichernde, teils auch bestürzende Wirkung des Inhalts:

Брат Мокий не обрадовался, только удивился и окрикнул встречного. Однако, за водометом, слова очевидно не долетели. Тогда брат Мокий подошел и от внезапного страха икнул
Вместо привета, незнакомец облапил монаха и воздел над пропастью
Bruder Mokij war nicht erfreut, nur erstaunt, er rief den Entgegenkommenden an. Doch die Worte gelangten offenbar nicht bis hinter den Wasserfall. Da ging Bruder Mokij zu ihm hin und bekam durch die plötzliche Angst den Schluckauf
Statt ihn zu grüßen, umfasste der Unbekannte den Mönch und hob ihn über den Abgrund

So endet Kapitel 1, und man sieht förmlich, wie der Mönch für den Bruchteil einer Sekunde über dem Abgrund schwebt, dann in die Tiefe stürzt und nichts zurücklässt als Leere.

Der Titel Voschiščenie bedeutet einerseits „Begeisterung, Entzücken, Ekstase“ oder „Verzückung“, andererseits aber auch „Entführung, Raub“. Mit diesen beiden Bedeutungen spielt der Autor, denn die rauschartigen Erregungszustände, in die seine Romanfiguren geraten, gehen oft mit brutalen Gewaltakten einher. Und der Name ist Programm: Fast in jedem Kapitel des Originals taucht das titelgebende voschiščenie auf, teils sogar mehrmals, als Substantiv oder adjektiviert.

Mit „Verzückung“ gelingt es Kühn, die Doppeldeutigkeit im Deutschen zu erhalten, denn das Verb „verzücken“ (von mhd. zücken = „heftig ziehen, reißen“) hatte ursprünglich die  Bedeutung „wegreißen, rauben“. Erst die mittelalterlichen Mystiker verwendeten es im Sinne einer andächtigen geistigen Entrückung. So vereint auch das deutsche Titelwort Raub und Gewalt mit Ekstase. Ähnlich funktioniert es im Englischen (Übersetzung von Thomas J. Kitson: Rapture) und Französischen (Übersetzung von Régis Gayraud: Le Ravissement). Ob auch in anderen Sprachen der Zustand der mystischen Ekstase und Verzückung von einem Wort abstammt, das ursprünglich die gewaltsame Wegnahme von etwas bezeichnet?

Im gnadenlosen Hochgebirge ebenso wie in der korrumpierten Stadt wird der Mensch zu einem (im Russischen mit voschiščenie verwandten) chišnik, zum Raubtier und Räuber also, der sich nimmt, was er will, wenn nötig mit Raub, Entführung oder Mord. Wie Ivlita, als sie die Schmerzensschreie des tödlich verletzten Iona (der sie in blinder Begierde verfolgt hat und dabei von einem Felsen gestürzt ist) nicht mehr erträgt:

Зажмурясь, заткнув уши, Ивлита хотела бы оглохнуть, да не могла. (…) И негодование овладело ею. Не раскрывая глаз, она шагнула к месту, откуда вырывался снизу голос, и нащупав ногой что то твердое, начала топтать
Голос прерывался, но не замолкал, продолжая густеть. Ивлита топтала, но заставить молчать не могла. Обессилела и грохнулась
И неожиданно рев замолк и настала немыслимая тишина. Ивлита отвела ладони от ушей и услышала только, как журчала вода, стекающая с покрытых снегом выступов. Ничего больше. (…) Ни криков, ни воя
Ivlita kniff die Augen, hielt sich die Ohren zu, wollte taub werden und konnte nicht. (…) Empörung erfasste sie. Ohne die Augen zu öffnen trat sie auf die Stelle, der sich von unten die Stimme entriss, mit dem Fuß ertastete sie etwas Hartes und begann darauf herumzutrampeln
Die Stimme riss ab, aber verstummte nicht, wurde immer kolossaler. Ivlita trampelte, konnte sie aber nicht zum Schweigen bringen. Sie verlor ihre Kraft, brach zusammen
Plötzlich verstummte das Geheul, war unsagbare Stille. Ivlita nahm die Hände von den Ohren und hörte nur das Wasser murmeln, das aus den schneebedeckten Vorsprüngen rann. Nichts weiter. Keine Schreie, kein Heulen. (…) Anscheinend ist Iona tot

Wie auch bei anderen Schilderungen von Morden wird hier das erzählerische Objektiv auf unscharf gestellt, wir nehmen den Mord quasi nur aus den Augenwinkeln, anhand von indirekten Indizien wahr. Die Täterin Ivlita wirkt wie eine unbeteiligte Zuschauerin, die beim Töten neben sich steht (auch das erinnert an die Ekstase, bei der man „Aus-sich-heraus“-tritt).

Im Deutschen ist allerdings nicht an jeder Stelle „Verzückung“ oder „verzückt“ die optimale Wortwahl, vielleicht hat sich die Übersetzerin deshalb entschieden, mitunter zu variieren. Zwei Stellen sind im Deutschen eindeutig nicht nachzubilden: восхитительно bedeutet nun mal „großartig“, und (hier in der zweiten Bedeutung gebraucht) kann man die Wendung „восхищенный на страшную высоту“ eben nur mit etwas wie „in grausige Höhe entführt“ übersetzen – doppeldeutige Wendungen mit „verzückt“ sind hier nicht möglich. An drei Stellen wird jedoch mit „Begeisterung“ bzw. „begeistert“ übersetzt, wo ohne Not auch „verzückt“ (oder zumindest „entzückt“) gepasst hätte, ohne dass dies an anderer Stelle kompensiert würde. Auch in der Übersetzung zieht sich also die Verzückung wie ein roter Faden durch die Handlung, verbindet die Figuren und ihre Emotionen, im Vergleich zum Original jedoch in leicht abgeschwächter Form.

Die Beschreibung des alljährlichen Jahrmarkts amüsiert durch schwarzen Humor und einen teils zurückhaltenden, teils schnoddrigen Tonfall:

Но как много ни было народу, мехов было значительно больше, и к утру праздника если кто нибудь и не блевал, то был, во всяком случае, пьян вдрызг
Doch so viele Leute auch da waren, Weinschläuche gab es bedeutend mehr, und wenn gegen Morgen des Fests irgendjemand nicht kotzte, so war er zumindest stockbesoffen

Ein Höhepunkt der Volksbelustigung ist das Begräbnis von Mönch Mokij, das zum schaurig-grotesken Massenbesäufnis inklusive Leichenschändung ausartet:

На отпевание никто не явился. Но когда братия вынесла гроб, ей долго и с исключительными усилиями пришлось пробиваться сквозь толпу или карабкаться по грудам храпящих. На кладбище же верующие вынули труп из гроба, наполнили гроб водкой и стоя на четвереньках хлебали прямо из гроба. Никто помешать этому не попробовал, дело могло кончиться самосудом, и окончательно истерзанное почитателями, тело монаха было сброшено в яму и так засыпано. Когда же, два дня спустя, каменотес Лука оказался в состоянии отправиться на кладбище чтобы снять необходимую мерку, он нашел гроб поверх могилы, а в гробу захлебнувшегося в вине односельчанина
Zur Totenmesse kam niemand. Aber als die Klosterbrüder den Sarg hinaustrugen, mussten sie sich lange und unter größtem Kraftaufwand durch die Menge kämpfen oder über die Leiber von Schnarchenden steigen. Auf dem Friedhof aber holten die Gläubigen den Leichnam aus dem Sarg, füllten die Lade mit Wodka und schlürften ihn, auf allen vieren hockend, direkt aus der Kiste. Niemand versuchte das zu verhindern, die Sache konnte mit Lynchjustiz enden, der endgültig von seinen Verehrern zerfetzte Körper des Mönchs wurde so ins Loch geworfen und zugeschüttet. Als der Steinmetz Luka zwei Tage später in der Verfassung war, sich auf den Weg zum Friedhof zu machen, um die notwendigen Maße zu nehmen, fand er den Sarg über der Grabstelle und im Sarg einen der Dorfbewohner, der sich am Alkohol verschluckt hatte

Wie man sieht, steht der knappe, lakonische Tonfall der Übersetzung dem des Originals in nichts nach. Kühn hält sich zudem recht eng an die Satzstruktur des Russischen, erkennbar beispielsweise an Inversionen oder unverbundenen Aneinanderreihungen:

Полегчал, посветлел, возрос, возносился.
Er wurde leichter, klarer, wuchs, schwebte.

Einzig die genaue Nachbildung der ständigen Sprünge zwischen verschiedenen Zeitformen, die im Russischen üblich sind, wirken im Deutschen irritierend. Man hätte diese Zeitsprünge durchaus sparsamer als im Original einsetzen und die Erzählzeit des Präteritums nur an manchen Stellen durchbrechen können, um im Deutschen eine ähnliche Wirkung zu erzielen. Doch ansonsten ist es gut, dass Kühn der Versuchung widersteht, die Sätze eleganter oder logischer zu verbinden als im Russischen. So bleibt der Eindruck des Unverbundenen, Unbestimmten, oft auch Unbegreiflichen bestehen, und die Übersetzung entführt uns mit ihrer kunstvoll-schnörkellosen Sprache in die karge Grausamkeit der kaukasischen Bergwelt.

 

Interview mit der Übersetzerin Regine Kühn

Was macht das Buch aus?
Es ist schwer, auf diese komplexe Frage eine kurze, schlüssige Antwort zu geben. „Verzückung“ ist so etwas wie ein Schlüsselwort für ein kompliziertes und gelungenes Leben – ich glaube, es war für Iliazd das Lebensprogramm. Sozusagen als Gegenwort (oder -wert) zum „Normalen“. Als ich in der Sowjetunion lebte, gehörte auf die Frage „Wie geht es Dir?“ die Antwort-Formel „Normal’no …“ zum Alltag. Ich weiß nicht, ob es hier in Deutschland eine ähnliche Formel gibt. Doch mir scheint, Verzückung ist sozusagen das Gegenprogramm.

Iliazd lebte „zwischen oder in allen Welten“. Er war in Tbilissi genauso zu Hause wie in den kaukasischen Bergen, in Konstantinopel, Paris oder den Pyrenäen. Das „Zuhause“ waren die jeweiligen Freunde und Arbeitsfreunde, die jeweiligen Frauen, die Rundkirchen, die er überall suchte, und vielleicht noch die Katzen. Davon handelt das Buch „Verzückung“. Mit den Hauptfiguren Lavrentij und Ivlita. Dass es tragisch endet, ist sozusagen die Konsequenz der Konsequenz. Verzückung führt notgedrungen in den Tod. Nur das Normale überlebt.

Was war beim Übersetzen eine besondere Herausforderung?
Das Vertrauen in den Text, auch da, wo Iliazds Wortwahl und Satzbau gegen alles Herkommen anrennt. Dass der Roman Ende der 20er, Anfang der 30er Jahre in der Sowjetunion nicht erschien (obwohl Iliazd das wollte und von Paris aus über seinen Bruder in Moskau intensiv betrieb), hing unter anderem damit zusammen, dass man Iliazds Sprache nicht verstand und schon gar nicht akzeptierte. Man hielt sie für infantil und grammatisch falsch. Es war die Zeit, als die Kulturpolitik der Sowjetunion sehr ins Konservative kippte – keine Experimente.

Heute, 90 Jahre später, ist das kaum noch nachzuvollziehen. Umso mehr, als man Iliazd heute in seiner ganzen Komplexität sieht, seinem Herkommen aus der Petersburger futuristischen Schule, den nach Tbilissi exportierten literarischen Revolutionen der 1910er Jahre, die er über Konstantinopel nach Paris mitnahm, wo er übrigens für das „verzückte“ Buch bei der Herausgabe 1930 auch keine Gegenliebe fand, so dass erst die Veröffentlichung 1995 im Gilea-Verlag internationale Resonanz fand.

Ein Lieblingssatz?
Eine kleine Passage über die Winde finde ich einfach großartig:

Наконец, грянули трубы. Ветры повырывались из за окрестных кряжей, и ныряя в долину, бились ожесточенно, хотя и неизвестно из за чего. Справа, воспользовавшиеся неурядицей нечистые посылали поганый рев, а позади не то скрипки, не то жалоба мучимого младенца еле просачивалась сквозь непогоду …
Schließlich dröhnten die Posaunen. Die Winde rissen sich von den umliegenden Bergketten los, tauchten ins Tal ein und bekämpften sich erbittert, nur wusste man nicht, weshalb. Von rechts schickten die Leibhaftigen, den Zwist nutzend, widerliches Heulen, im Rücken klang es wie Geigen oder wie die mühsam das Unwetter durchdringende Klage eines gequälten kleinen Kindes …

Was bringt Sie als Übersetzerin in Verzückung?
Texte, die ich beim ersten Lesen NICHT verstehe, reizen mich so stark, dass ich mich Wort für Wort, Satz für Satz hineindenken möchte, bis ich eine Ahnung davon bekomme, was sie mir zu sagen haben.

Iliazd/Regine Kühn: Verzückung (Im russischen Original: Восхищение/Voschiščenie)

Matthes & Seitz ⋅ 2018 ⋅ 224 Seiten ⋅ 28 Euro

www.matthes-seitz-berlin.de/buch/verzueckung.html

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.