„Wir können den Text nicht zensieren“

Über Woody Allens Autobiographie „Ganz nebenbei“ wurde vorab heftig gestritten, auch in Deutschland. Bei TraLaLit äußern sich erstmals drei der beteiligten Übersetzer zu ihrer Arbeit und ihrer Verantwortung vor Autor und Öffentlichkeit. Interview:

Interviews in Zeiten der Pandemie. Von unten links im Uhrzeigersinn: Jan Schönherr, Andrea O’Brien, Stefanie Jacobs und der Interviewer. © TraLaLit 2020

Woody Allens Autobiographie „Ganz nebenbei“, die ihr gemeinsam mit Hainer Kober aus dem amerikanischen Englisch übersetzt habt, ist gleichzeitig mit dem Original auch auf Deutsch erschienen. Seit wann wusstet ihr von dem Buch, und wie lange hattet ihr Zeit für die Übersetzung?

Jan Schönherr: Das Projekt begann Ende Januar. Das Ganze lief allerdings unter hoher Geheimhaltung ab. Wir mussten erstmal ein Non-Disclosure Agreement unterzeichnen, bevor uns überhaupt mitgeteilt wurde, worum es geht. Das Manuskript kam dann zur ersten Ansicht Ende Januar, Anfang Februar. Von da an hatten wir insgesamt drei Wochen bis zur Abgabe.

Das heißt, zu dem Zeitpunkt, als die Veröffentlichung bekanntgegeben wurde, war die Übersetzung quasi schon fertig.

Schönherr: Genau. Zumindest war unsere Arbeit erledigt.

Ihr habt den Auftrag also schon übernommen und den Vertrag unterschrieben, bevor ihr wusstet, was das überhaupt für ein Buch ist?

Andrea O’Brien: Die Zusage habe ich zumindest mündlich vorher schon gegeben, aber erst nachdem ich das Non-Disclosure Agreement unterschrieben hatte, wurde mir mitgeteilt, was es eigentlich ist.
Schönherr: Den Vertrag haben wir aber erst danach unterschrieben.

Und mit welcher Gefühlslage habt ihr unterschrieben? Habt ihr gezögert, zuzusagen, oder habt ihr euch auf das Buch gefreut?

Stefanie Jacobs: Ich habe mich eigentlich schon gefreut. Die größten Bauchschmerzen hatte ich bei der Frage, ob ich mir so einen Gewaltmarsch jetzt unbedingt antun muss. Aber dann fand ich es doch reizvoll.

O’Brien: Das ging mir auch so. Der Gedanke „Oh Gott, muss das jetzt sein?!“, der ist mir nicht gekommen.

Soweit ich weiß, hatte ja keiner von euch schon einmal ein Buch von Woody Allen übersetzt. Erzählt mal von der Übersetzung selbst.

Jacobs: Mir floss es eigentlich ganz gut aus den Fingern. Natürlich gab es Stellen, die ein bisschen schwieriger waren, aber insgesamt mochte ich den Ton und hatte Spaß beim Übersetzen.

O’Brien: Ich glaube, Spaß hatten wir alle. Wir haben eine WhatsApp-Gruppe gegründet, um Probleme kurzfristig klären zu können, ohne sich immer anrufen oder E-Mails schreiben zu müssen. Da ging es recht lustig zu. Wenn man sich einmal eingeschwungen hatte, ging das eigentlich recht locker. Man hatte das Gefühl, den Ton hat man erfasst, den hat man im Ohr, man kennt ihn aus seinen Filmen. Ich erkenne Woody Allen und seinen Ton in dem Buch auch wieder, ich sehe ihn förmlich vor mir, mit seiner Brille und seiner Gestik.

Schönherr: Natürlich war auch gar nicht genug Zeit dafür, sich über einzelne Stellen nächtelang den Kopf zu zerbrechen. Wir hatten das Ganze in Tranchen abzugeben, haben also jeweils 100 Seiten gemacht, und hatten erst zu einem bestimmten Datum die ersten 40 abzugeben und dann die übrigen 60. Da übersetzt man dann schon in einer relativ hohen Schlagzahl.

Gab es am Ende noch eine Schlussredaktion vom Verlagslektorat?

O’Brien: Ja, unsere einzelnen Teile haben wir lektoriert zurückbekommen, und am Ende wurde noch einmal das Ganze lektoriert.

Jacobs: Wobei die Zeit zu knapp war, um auch die Teile der anderen komplett zu lesen. Für unsere eigenen Teile hatten wir ein, zwei Tage.

Machen solche „Schnellübersetzungen“ eigentlich Spaß? Vielleicht sogar mehr als das ewige Grübeln allein?

Jacobs: Ja und nein. Den Gemeinschaftsaspekt fand ich super, weil ich es sonst oft schade finde, keine Kollegen zu haben, die mit mir an demselben Text arbeiten. Die Eile, die geboten war, fand ich schon aus privaten Gründen nicht immer angenehm. Sie hat aber auch etwas für sich. Es hat mir gefallen, dass der Ablauf vom Übersetzen bis zum Lektorat, zur Fertigstellung und zum Verkauf im Laden so schnell ist. Es hat etwas für sich, aber es ist kein ideales Arbeiten. Das ist, glaube ich, jedem klar.

Schon die Ankündigung der Veröffentlichung dieses Buches Anfang März hat in Amerika eine große Diskussion ausgelöst. Woody Allens Kinder Ronan und Dylan Farrow äußerten sich mit Verweis auf die Missbrauchsvorwürfe gegen Allen kritisch über die Veröffentlichung, zwei Tage später zog der Verlag Hachette den Titel zurück. Wie habt ihr das erlebt? Wie schätzt ihr diese Diskussion in den USA ein? Findet ihr die Kritik – auch vor dem Hintergrund des Buches, das ihr da übersetzt habt, berechtigt?

Schönherr: Das sind zwei verschiedene Fragen. Als klar war, um welches Buch es geht, habe ich durchaus kurz geschluckt und überlegt, ob ich mich in das Wespennest wirklich setzen will. Meine letzten Erinnerungen waren die Wortmeldungen von Dylan und Ronan Farrow vor zwei Jahren gewesen, und die kamen mir damals auch recht glaubhaft vor. Als ich dann aber noch einmal nachgeschaut habe, hatte ich schnell den Eindruck, dass die Angelegenheit längst nicht so klar ist, dass zum Beispiel auch schon juristisch entschieden wurde. Und damit sprach für mich nichts dagegen, dass dieses Buch erscheint. Es erscheinen immer wieder Bücher von verurteilten Straftätern – mir war nicht klar, warum ein Buch nicht erscheinen soll, weil jemand Vorwürfe vorbringt, die nicht bewiesen wurden. Die Diskussion hingegen finden wir, denke ich, alle auch gut. Dass über dieses Thema gesprochen wird, das ist natürlich gut und richtig. Das Buch deswegen ganz zu kippen, fand ich schwierig.

Jacobs: Sehe ich genauso. Ich fand es durchaus überraschend, dass es passiert ist. Damit hätten wir alle nicht gerechnet. Aber jetzt ist es ja zum Glück erschienen, sowohl in Amerika als auch hier.

O’Brien: Große „Diskussionen“ hat es in Amerika übrigens gar nicht gegeben. Hachette hat einfach ziemlich schnell die Sache kaputt gemacht. Da wurde nicht viel diskutiert. Hier in Deutschland war tatsächlich eine Diskussion in den Medien, ein Hin und Her, ein Diskurs.

Ausgelöst wurde dieser Diskurs in Deutschland am 8. März durch einen Offenen Brief von Autorinnen und Autoren des Rowohlt Verlags. Da dieser Brief so wahnsinnige Wellen geschlagen hat, würde mich zunächst mal interessieren, ob die vorab mit euch in Kontakt getreten sind.

O’Brien: Nein, das lief an uns vorbei.

Wie hättet ihr reagiert, wenn man an euch herangetreten wäre?

Jacobs: Natürlich hätten wir die besagten Argumente vorgebracht, warum dieses Buch erscheinen sollte. Aber es hat uns nicht erstaunt, dass wir nicht einbezogen wurden, und ich glaube, es hätte auch nicht viel gebracht. Hätte man jemanden, der so einen Offenen Brief formuliert, tatsächlich umstimmen können? Ich bin mir nicht sicher.

Ist es – ganz allgemein – überhaupt denkbar, dass Übersetzerinnen und Übersetzer sich an so einem Boykottaufruf beteiligen?

O’Brien: Die Entscheidung, ob ich ein Buch übersetzen will oder nicht, die treffe ich ja vorher. Mir ist es vor Kurzem tatsächlich passiert, dass mir ein Buch angeboten wurde und ich abgelehnt habe, weil ich in so ein Milieu nicht drei Monate lang ganz tief einsteigen könnte. Diese Entscheidung trifft man ja, auch ohne dass man gleich politisch Stellung bezieht. Um ein Buch zu übersetzen, muss man es ja ganz nah an sich heranlassen, in seinen Kopf, in sein Herz. Da muss man sich schon überlegen, ob man das aushalten möchte. Grundsätzlich.

Schönherr: Wenn Woody Allen ein überführter Sexualstraftäter wäre, hätte ich mir sicher noch besser überlegt, ob ich das wirklich machen möchte. Gar nicht unbedingt, weil ich finde, das Buch dürfte dann nicht erscheinen, sondern weil ich selber vielleicht nichts damit zu tun hätte haben wollen. Ich könnte mir aber schon vorstellen, mich an einem Boykottaufruf zu beteiligen, wenn es zum Beispiel um ein Buch ginge, das offen zu Gewalt und Hass gegen bestimmte Gruppen auffordert. Grundsätzlich muss man eben, wie gesagt, eine Entscheidung treffen. Es ist in diesem Fall ja übrigens auch so, dass Woody Allen nicht gerade ein modernes Frauenbild vertritt. Darauf haben wir uns auch eingelassen und es auf Deutsch nachgebaut, obwohl das sicherlich nicht unser Frauenbild ist.

Jacobs: Wenn man sich insgesamt entscheidet, diesem Buch und diesem Menschen eine deutsche Stimme zu geben, dann fällt so etwas eben auch mit in diesen Toleranzbereich. Wohl wissend, dass es jetzt nicht das ist, was man selber verficht.

Das heißt: Nach der grundsätzlichen Entscheidung zu Beginn hat man sich als Übersetzerin oder Übersetzer mit Werturteilen zurückzuhalten?

O’Brien: Das ist ja nicht unsere Aufgabe. Ich habe den Eindruck gehabt, dass in der Presse hier und da angedeutet wurde, wir als Übersetzer hätten daran etwas ändern können. Das ist nicht unsere Aufgabe. Wir können den Text nicht zensieren oder so hinbasteln, wie wir ihn gerne hätten, weil wir eine andere Meinung haben. Das ist nicht Übersetzen.

In dem Offenen Brief heißt es: „Nach gängiger Praxis müssen wir davon ausgehen, dass ein ,fact checking‘ des Buches auch in Deutschland nicht erfolgen wird.“ Hattet ihr die Zeit, noch einmal Dinge zu hinterfragen oder in irgendeiner Form einzugreifen? Wäre es überhaupt geboten gewesen?

Jacobs: Wir als Übersetzer können natürlich nicht die Gerichtsakten noch einmal heranziehen. „Harte Fakten“ wie zum Beispiel Erscheinungsdaten von Filmen recherchiere ich aber immer nach. Das habe ich auch hier getan.

Schönherr: Das ist dann übrigens auch im Verlag noch einmal passiert. Meines Wissens werden solche Bücher auch in Amerika schon relativ ausgiebig juristisch geprüft, um sich zum Beispiel vor möglichen Verleumdungsklagen zu schützen. Aber abgesehen davon habe ich mich ohnehin gefragt, was die Aufforderung zum „fact checking“ bei einer Autobiographie zu bedeuten hat, die ja nun schon qua Genre subjektiv ist. Natürlich ist das Allens Version seiner Geschichte. Was sollen wir da rausfinden? „Nein, du warst gar nicht wirklich in XY verliebt!“?

Dieser Offene Brief hat in Deutschland eine riesige, man kann schon fast sagen hysterische Feuilletondebatte darüber losgetreten, ob das Buch jetzt erscheinen sollte oder nicht, wie der Rowohlt Verlag sich positionieren sollte, ob das „Zensur“ sei oder nicht. Wie habt ihr diese Debatte gesehen oder verfolgt?

O’Brien: Erst einmal mit Erleichterung. Ich fand das gut, dass es in Deutschland überhaupt eine Debatte gab. Es gab einige Ausschläge, die mir nicht gefielen, aber insgesamt fand ich es erleichternd und erfreulich, dass man in Deutschland so etwas noch diskutiert und die Sache nicht einfach abgeblasen wird, weil ein kritischer Wind weht.

Jacobs: Ich fand auch erfreulich, dass viele der Beiträge differenzierter waren als die Position des Offenen Briefes.

Schönherr: Wobei undifferenzierte Stellungnahmen sicher auch aus verschiedenen Richtungen kamen. Aber eben auch differenzierte.

Es war im Nachgang auch die Rede von einem „Tiefpunkt der Debattenkultur“, einer „Verrohung der Sprache“ – so weit würdet ihr also nicht gehen?

Schönherr: Ich weiß nicht so genau, was auf Twitter alles passiert ist. Ich weiß auch nicht, ob ich das wissen möchte. Aber zumindest in den Medien fand ich es im Wesentlichen eigentlich in Ordnung.

Jacobs: Twitter habe ich auch nicht mitbekommen. Und ich habe auch ab einem gewissen Punkt aufgehört, Debatten in Sozialen Medien zu genau zu verfolgen. Ich habe dann die Zeitungen und die Pressebeiträge dazu gelesen. Ich fand das auch sehr spannend und meistens kultiviert.

Wie wird sich jetzt das Erscheinen dieses Buches und die Tatsache, dass es gelesen werden kann, auf die Beurteilung dieses Falls oder der Person Woody Allen auswirken?

O’Brien: Ich bin nicht ganz sicher, ob es dazu beiträgt, ihn zu rehabilitieren. Momentan habe ich den Eindruck, dass sich das eher in die andere Richtung bewegt.

Jacobs: Das ist leider auch mein Eindruck. Ich glaube, es bleiben die Lager, die es schon vorher gab. Wer die Geschichte schon vorher für eine Rachekampagne seiner Ex-Frau Mia Farrow hielt, sieht sich jetzt bestätigt, die anderen suchen sich die Details heraus, die ihnen am besten in die Argumentation passen, und sehen sich auch bestätigt. Ich habe nicht den Eindruck, dass das Buch bisher einen großen Umschwung zu seinen Gunsten bewirkt hätte.

O’Brien: Natürlich ist jetzt ein Aspekt, an dem sich viele stoßen, sein überholtes Frauenbild. Dann heißt es: „Man sieht ja, wie er über Frauen denkt, und er ist halt trotz allem irgendwie ein komischer Kauz, oder ein unsympathischer Mensch, und dann ist es jetzt auch egal, ob man ihm da etwas nachweisen kann oder nicht.“

Schönherr: Und anderen fällt das offenbar auch wieder gar nicht auf. Es gibt auch die Stimmen, die schreiben, was für tolle Frauenfiguren er immer wieder geschaffen hat in seinen Filmen, was für Archetypen geradezu für starke Frauen.

Jacobs: Ich habe auch ein bisschen den Eindruck, für manche Kritiker oder Menschen ganz allgemein kann er jetzt gar nichts richtig machen. Einerseits wird ihm vorgeworfen, er hätte sich nie richtig mit den Vorwürfen auseinandergesetzt, andererseits heißt es, er würde viel zu bissig und kleinteilig darauf reagieren – was soll er denn machen?! Er hat jetzt dieses Stigma, jetzt ist alles, was er macht, irgendwie falsch, zumindest, wenn der Rezensent von vornherein der Meinung war.

Mein persönlicher Eindruck war, dass das Buch in weiten Teilen eine Rechtfertigungsschrift ist, die im Vorhinein im Hinblick auf diese zu erwartende Debatte geschrieben wurde. Habt ihr auch diesen Eindruck, oder sollte man dieses Buch, wenn man es kauft, eher wegen der Anekdoten aus der Jugend und von hinter der Kamera kaufen?

Jacobs: Es ist eine ganz normale Biographie, die aber zwei längere Rechtfertigungsabschnitte enthält, in denen er sich – für meine Begriffe in schwerfälligerem und fast ächzendem Tonfall – zu diesen ganzen Themen äußert. Aber rundherum, wenn es nicht gerade um diese Vorwürfe geht, ist es aus meiner Sicht eigentlich eine nett plaudernde, fluffige Woody-Allen-Biographie.

Schönherr: Man hat beim Lesen oft diese Off-Stimme aus seinen früheren Filmen im Ohr, man sieht die ganzen typischen Bilder vor sich. Es gibt diese eine lustige Szene, in der er beschreibt, wie er beschließt, ein Meisterkoch zu werden und sich eine Kochlehrerin engagiert, was natürlich völlig schiefgeht. Solche seitenlangen Slapstick-Szenen sind da auch drin.

AOB: Ja, oder wie er seinen Nachbarn immer dazu bezirzt hat, das Band der Schreibmaschine auszuwechseln, indem er ihm einen Hackbraten gemacht hat: Jedes Mal, wenn das Schreibmaschinenband nicht mehr ging, hat er seinen Nachbarn zum Hackbraten eingeladen, ihn mit klassischer Musik hochgepusht und dann ins Nebenzimmer gelockt, damit er nebenbei noch das Band auswechselt und gar nicht merkt, dass er nur deswegen eingeladen wurde. Das ist typisch Woody Allen, wie aus einem Film.

Schönherr: Diese Szenen haben auch wirklich Spaß gemacht zu übersetzen. Sein Humor, die lustigen Anekdoten. War schön.

Jan Schönherr lebt in München und übersetzt Literatur und Sachbücher aus dem Englischen, Französischen und Italienischen. Andrea O’Brien lebt ebenfalls in München und übersetzt zeitgenössische Literatur aus dem Englischen. Stefanie Jacobs lebt in Wuppertal und übersetzt aus dem Englischen und Französischen.


Woody Allen/Hainer Kober/Jan Schönherr/Andrea O’Brien/Stefanie Jacobs: Ganz nebenbei. (Im englischen Original: Apropos of Nothing.)

Rowohlt 2020 ⋅ 448 Seiten ⋅ 25 Euro

www.rowohlt.de/hardcover/woody-allen-ganz-nebenbei.html

1 Kommentar

Kommentieren
  1. 1
    Christiane Bergfeld

    Schade. Ich kenne weder das Original noch diese Übersetzung, dafür aber verschiedene Rezensionen, die jeweils unterschiedliche Aspekte betonen. Nachdem ich diese Sternkritik mitsamt der Übersetzerschelte gelesen hatte, https://www.stern.de/kultur/buecher/woody-allen–die-schonungslose-autobiografie-des-filmemachers-9198176.html
    erhoffte ich mir hier Aufschluss über die beanstandete altmodische Wortwahl. (Erster Absatz unter „Schlechte Übersetzung“) Ging diese denn auf das Konto des Lektorats? (Der Rezensent behauptet, der Verlag habe das Buch übersetzt.) Als Übersetzerin habe ich keine Bedenken, auch mal in die „Abstellkammer der Sprache“ zu greifen und meine Wahl zu verteidigen. Was nicht mehr geläufig ist, lässt sich doch heute mühelos recherchieren und macht auch einen gewissen Reiz aus? Kürzlich habe ich einem knapp hundertjährigen Protagonisten ebenfalls einen alten Wortschatz in den Mund gelegt, weil er meiner Meinung nach besser passte. Sicher trifft das nicht jeden Geschmack, schon gar nicht den der Rezensent*innen, aber das andere Extrem, eine Überfrachtung mit locker-flockig gemeinten Anglizismen wohl auch nicht. Die verstehen auch nicht alle.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.