„Wahr­schein­lich ist es dort so ähn­lich wie hier“

In Jenny Erpenbecks Roman „Kairos“ werden die letzten Jahre der DDR aus einem sehr persönlichen Blickwinkel betrachtet. Für englischsprachige Leser*innen scheint das besser zu funktionieren als für deutschsprachige. Von

Übersetzung von Jenny Erpenbecks Roman Kairos. Oranges Cover mit Schwarz-weiß-Fotografie von einer nicht erkennbaren Person. Hintergrundbild einer alten Straßenbahn und junger Menschen in einer Berliner Straße.
Berlin, Warschauer Straße 1987. Quelle: Allgemeiner Deutscher Nachrichtendienst via Wiki Commons.

Über­set­zung: The­re­sa Rüger
The Eng­lish ori­gi­nal of this review is available here.

Die Rezep­ti­on von Autor*innen unter­schei­det sich häu­fig von Land zu Land, von Spra­che zu Spra­che; es ist nicht unge­wöhn­lich, dass bestimm­te Wer­ke oder Autor*innen bei gewis­sen Ziel­grup­pen grö­ße­ren Anklang fin­den als bei ande­ren. Das Bei­spiel Jen­ny Erpen­beck sticht beson­ders her­vor. Kai­ros, das jüngs­te Buch der Autorin, gewann mit „erheb­li­chem Kon­sens“ der Jury den Inter­na­tio­nal Boo­ker Pri­ze, wäh­rend der Roman bei den bedeu­ten­den deut­schen Lite­ra­tur­prei­sen links lie­gen­ge­las­sen wur­de. Und das, nach­dem Erpen­beck bereits den Inde­pen­dent For­eign Fic­tion Pri­ze (den Vor­gän­ger des Inter­na­tio­nal Boo­ker) für Aller Tage Abend (eng.: The End of Days) gewon­nen hat­te. Ganz zu schwei­gen davon, dass sie von eini­gen als zukünf­ti­ge Nobel­preis­trä­ge­rin gehan­delt wird.

Ande­re, dar­un­ter Erpen­beck selbst, haben ver­sucht zu ergrün­den, war­um sie im Aus­land so viel bes­ser ankommt als daheim. Weil vie­le in Deutsch­land das Gefühl haben, schon genug über die DDR gele­sen zu haben, ist eine Theo­rie. Oder weil für die eng­lisch­spra­chi­ge Leser­schaft die Kom­bi­na­ti­on aus geschicht­li­chem Inter­es­se und Distanz bes­ser funk­tio­niert. Kul­tu­rell gese­hen liegt Kai­ros zeit­lich und räum­lich in der Fer­ne, aber nicht zu weit in der Fer­ne. Die meis­ten Leser*innen sind mit dem his­to­ri­schen Moment ver­traut und das Buch ist um größt­mög­li­che Zugäng­lich­keit bemüht.

Kai­ros schil­dert das Auf­blü­hen und Aus­ein­an­der­ge­hen der Bezie­hung zwi­schen der 19-jäh­ri­gen Katha­ri­na und dem Mitt­fünf­zi­ger Hans in Ost­ber­lin. Dabei wer­den die Ereig­nis­se der letz­ten DDR-Jah­re auf einer per­sön­li­chen, inti­men Ebe­ne aus­ge­spielt. Erpen­beck kon­stru­iert die Facet­ten der fri­schen Ver­liebt­heit und Ritua­le des Paa­res, bevor sie sich in Para­noia und Miss­trau­en auf­lö­sen, und spie­gelt dabei den Zer­fall der DDR. Das ist der Schlüs­sel für vie­le eng­lisch­spra­chi­ge Leser*innen: Ihnen öff­net sich ein Fens­ter in eine Zeit und zu einem Ort, die ver­traut genug sind, um leicht zugäng­lich zu sein, ohne ihnen selbst zu nahe zu kom­men. Alles ver­packt in der all­zu bekann­ten Erzäh­lung einer zum Schei­tern ver­ur­teil­ten Beziehung.

Schau­en wir uns die ers­ten Sei­ten des Romans an. Das Buch beginnt mit einer Sze­ne, in der Katha­ri­na auf der Rei­se von Pitts­burgh nach Ber­lin von Hans’ Tod erfährt, nach­dem die bei­den weni­ge Mona­te zuvor kurz Kon­takt hat­ten. Die eng­lisch­spra­chi­ge Leser­schaft wird in die Roman­welt ein­ge­la­den, als han­de­le es sich um ihre eige­ne (und es ist eine klei­ne, aber auf­fäl­li­ge Ent­schei­dung, dass die Über­set­zung in ame­ri­ka­ni­schem statt bri­ti­schem Eng­lisch ver­fasst ist: Urlaub wird zu vaca­ti­on statt holi­day, die Auber­gi­ne zu egg­plant statt, naja, auber­gi­ne). Katha­ri­na selbst fin­det Zugang zu ihren Erin­ne­run­gen – die über den Pro­log hin­aus den Groß­teil des Romans aus­ma­chen – durch Tage­buch­sei­ten und ande­re Andenken in ihrem Haus in den USA.

Die Haupt­hand­lung des Romans beginnt, und die Will­kom­mens­ges­te hält an. Die Erzäh­lung kon­zen­triert sich auf das ers­te Tref­fen von Katha­ri­na und Hans und stellt damit die zwi­schen­mensch­li­chen Dyna­mi­ken in den Vor­der­grund, mit denen man sich leicht iden­ti­fi­zie­ren kann. Sie bil­den die Grund­la­ge für alles Wei­te­re, doch Erpen­beck behält ein fei­nes Gespür für die Umge­bung bei. Das Set­ting löst sich nie ins Unbe­stimm­te auf, son­dern ist sehr sorg­fäl­tig zwi­schen rea­len Stra­ßen und Cafés in Ost­ber­lin ver­or­tet. Der*die Leser*in wird mit der „U‑Bahn bis Pan­kow“ am Alex vor­bei­ge­führt. Die Bezie­hung zwi­schen Katha­ri­na und Hans bleibt wäh­rend­des­sen im Vor­der­grund. Die bei­den sind selbst­be­zo­gen, und durch die­sen Fokus auf das Inne­re ent­steht der Ein­druck, der Autorin sei am Per­sön­li­chen mehr gele­gen als am Kulturellen.

Wann immer Beson­der­hei­ten der DDR the­ma­ti­siert wer­den, drän­gen sie sich nicht auf. Als Katha­ri­na bei­spiels­wei­se die Woh­nung von Hans gezeigt bekommt, kom­men­tiert sie sei­ne Lutz Rudolph-Lam­pe; die­se Lam­pe, die unter Intel­lek­tu­el­len der DDR sehr beliebt war, sorgt für einen Hauch von Authen­ti­zi­tät, ohne die Ent­wick­lung der Bezie­hung zwi­schen Katha­ri­na und Hans zu beeinträchtigen.

Im Ver­lauf des Romans wer­den die expli­zi­ten Ver­wei­se auf das brei­te­re poli­ti­sche und kul­tu­rel­le Umfeld zwar deut­li­cher, jedoch führt Erpen­beck die Erzäh­lung zuver­läs­sig stets zur zen­tra­len Bezie­hung zurück:

Katha­ri­na says: […] I’ve appli­ed for per­mis­si­on to go to Colo­gne, it’s Gran’s seven­tieth bir­th­day in August.

Is that right? asks Chris­ti­na and is brief­ly struck dumb. She has no rela­ti­ons in the West, she has never recei­ved a par­cel con­tai­ning Nutel­la, tights, and washing powder.

[…] If she’s allo­wed to go, it means lea­ving him [Hans] a second time, she thinks.

Katha­ri­na sagt: […] Ich habe eine Rei­se nach Köln bean­tragt, im August wird mei­ne Groß­mutter siebzig.

Echt?, fragt Chris­ti­na und ver­stummt für einen Moment. Chris­ti­na hat kei­ne Ver­wandt­schaft im Wes­ten, sie hat nie ein Paket bekom­men, in dem Nutel­la, Wasch­pul­ver und Fein­strumpf­ho­sen waren.

[…] Wenn die Rei­se nach Köln geneh­migt wird, muss ich noch­mal weg von ihm [Hans], denkt sie.

Die­se Pas­sa­ge ver­mit­telt einen Ein­druck, wie der Roman den his­to­ri­schen Moment spie­gelt und auf­bricht. Die letz­ten Jah­re der DDR wer­den dahin­ge­hend betrach­tet, wie sie zu den bei­den zen­tra­len Cha­rak­te­ren in Bezie­hung ste­hen. Die­ser Effekt wird von der durch­gän­gi­gen Ver­wen­dung des Prä­sens noch ver­stärkt. Zwar beschreibt die Autorin jene Gegen­stän­de, die aus­schließ­lich dank Pake­ten aus dem Wes­ten erhält­lich sind, aber es sind spe­zi­ell die­je­ni­gen, für die Katha­ri­na sich inter­es­siert. Und sobald die­se Details ein­ge­führt wur­den, kehrt die Bin­nen­er­zäh­lung nicht etwa zu Fra­gen der Rei­se­frei­heit zurück, son­dern zur unver­meid­li­chen Tren­nung von Hans.

Wie sich das auf die Leser­schaft aus­wirkt, steht und fällt mit deren Bereit­schaft, sich auf die Bezie­hung von Katha­ri­na und Hans ein­zu­las­sen – mit all ihren Schwä­chen. Wäh­rend Katha­ri­na immer wie­der die Geduld ihrer Freund*innen auf die Pro­be stellt, indem sie in jedem Gespräch auf Hans zurück­kommt, holt der Roman gleich­zei­tig die his­to­ri­schen Ereig­nis­se zurück in die zen­tra­le Dyna­mik. Die Fokus­sie­rung auf die per­sön­li­che Ebe­ne führt jedoch dazu, dass das his­to­ri­sche Echo das schwä­che­re ist. Jede Ges­te nach außen wird von einer Rück­kehr ins Inne­re beglei­tet. Kon­se­quent folgt Erpen­beck dem ver­trau­ten Pfad einer klaus­tro­pho­bi­schen Bezie­hung und hält sich gut auf dem schma­len Grat zwi­schen Per­sön­li­chem und His­to­ri­schem, ohne in tri­via­le Eins-zu-eins-Ver­glei­che zu ver­fal­len, aber der Pfad ist den­noch ein ausgetretener.

Dies zeigt sich auch in Micha­el Hof­manns ins­ge­samt meis­ter­haf­ter Über­set­zung. Zunächst möch­te ich auf eine der sehr weni­gen unge­len­ken über­set­ze­ri­schen Ent­schei­dun­gen ein­ge­hen, näm­lich auf die Rede­wen­dun­gen von Hans. Ein gro­ßer Teil des Romans besteht aus einer Mischung aus den Erzähl­stim­men und Gedan­ken von Katha­ri­na und Hans, die sich mit­ein­an­der ver­we­ben und ein­an­der über­lap­pen. Hof­mann geht damit abso­lut sou­ve­rän um und gibt Erpen­becks sti­lis­ti­sche Ent­schei­dun­gen gekonnt wie­der. Im Fal­le von Hans gehö­ren dazu nicht nur sei­ne offen­sicht­li­che­ren gelehr­ten Anspie­lun­gen auf deut­sche Kul­tur­schaf­fen­de und ihre Wer­ke, son­dern auch die sub­ti­le­re Art und Wei­se, wie sich sein Alters­un­ter­schied zu Katha­ri­na manifestiert.

Sei­ne Posi­ti­on inner­halb des Romans ist eine rück­wärts­ge­wand­te, die im Gegen­satz zu Katha­ri­nas Zukunfts­ori­en­tiert­heit steht. Wenn er etwa sagt: „see the poor fellow’s Sta­si expres­si­on“, spie­gelt dies den etwas unzeit­ge­mä­ßen Ton sei­ner For­mu­lie­run­gen wider. Wenn er dann jedoch Phra­sen wie „That’s the way the coo­kie crum­bles“ oder „in cahoots“ ver­wen­det, wirkt das deplat­ziert. Die­se Phra­sen gibt es zwar seit den 1950er Jah­ren, aber sie pas­sen nicht zu der ansons­ten sorg­fäl­ti­gen Balan­ce, mit der Hof­mann eine Gegen­wart­s­at­mo­sphä­re schafft, die sich naht­los in das Set­ting des Romans einfügt.

Sol­che Fehl­trit­te sind jedoch die Aus­nah­me, und Hof­mann ver­mit­telt ansons­ten gewandt das star­ke, aber unauf­dring­li­che Räum­lich­keits­ge­fühl, das Erpen­beck erschafft. Er trifft eine Rei­he klei­ner, aber sorg­fäl­ti­ger Ent­schei­dun­gen, die auf gan­zer Linie über­zeu­gen. Ein gutes Bei­spiel dafür fin­det sich gleich zu Beginn des Romans, als die älte­re Katha­ri­na über die Kis­ten mit Erin­ne­rungs­stü­cken nachdenkt:

A long time ago, the papers in his boxes and tho­se in her suit­ca­se were spea­king to each other. Now they’re both spea­king to time. A suit­ca­se like that, card­board boxes like that, full of midd­les and endings and begin­nings, buried under deca­des’ worth of dust; pages that were writ­ten to decei­ve along­side other pages that were stri­ving for truth; things ite­mi­zed, other things pas­sed over, all lying tog­e­ther hig­g­le­dy-pig­g­le­dy; the con­tra­dic­tions and the deni­als, silent fury and mute ado­ra­ti­on tog­e­ther in one enve­lo­pe, in one fol­der; what is for­got­ten just as creased and yel­lo­wed as what, dim­ly or distinct­ly, one still remembered.

Vor lan­ger Zeit haben die Papie­re, die aus sei­nen Kar­tons und die aus ihrem Kof­fer, einen Dia­log mit­ein­an­der geführt. Jetzt füh­ren sie einen Dia­log mit der Zeit. In so einem Kof­fer, in so einem Kar­ton, lie­gen Ende, Anfang und Mit­te gleich­gül­tig mit­ein­an­der im Staub der Jahr­zehn­te, liegt das, was zum Täu­schen geschrie­ben wur­de, und das, was als Wahr­heit gedacht war, das Ver­schwie­ge­ne und das Beschrie­be­ne, liegt all das, ob es will oder nicht, eng inein­an­der­ge­fal­tet, liegt das sich Wider­spre­chen­de, lie­gen der stumm­ge­wor­de­ne Zorn eben­so wie die stumm­ge­wor­de­ne Lie­be mit­ein­an­der in einem Umschlag, in ein und der­sel­ben Map­pe, ist Ver­ges­se­nes genau­so ver­gilbt und zer­knickt wie das, wor­an man sich noch, dun­kel oder auch hell, erinnert.

Hof­mann gibt sich hier Mühe, den sehr prä­zi­sen Ton des Deut­schen in der Über­set­zung wie­der­zu­ge­ben. Man­che Wie­der­ho­lun­gen wie „Zeit“ / „time“ wer­den direkt über­nom­men, wäh­rend ande­re, wie etwa „stumm­ge­wor­de­ne“, durch eine prä­gnan­te­re eng­li­sche For­mu­lie­rung ersetzt wer­den: In „silent fury and mute ado­ra­ti­on“ wer­den die gän­gi­gen Adjek­ti­ve für die bei­den Nomen im Eng­li­schen bei­be­hal­ten. Der Bin­nen­reim in „Ver­schwie­ge­ne und Beschrie­be­ne” geht zwar ver­lo­ren in „pages that were writ­ten to decei­ve along­side pages that were stri­ving for truth“ – doch die For­mu­lie­rung macht die abhan­den gekom­me­ne Wie­der­ho­lung von „stumm­ge­wor­de­ne“ wie­der wett, und behält dabei außer­dem die Klar­heit des Deut­schen bei. Der Reim wird dann mit dem Aus­druck „hig­g­le­dy-pig­g­le­dy” wie­der auf­ge­grif­fen. Wenn in der direk­ten Über­set­zung etwas ver­lo­ren geht, bringt Hof­mann es an ande­rer Stel­le unter, und stellt damit sicher, dass der gan­ze fort­lau­fen­de Satz wie im Ori­gi­nal geschich­tet erscheint, wie ein ver­ba­ler Papierstapel.

Der Roman behält die sorg­fäl­ti­ge Klam­mer zwi­schen Per­sön­li­chem und Poli­ti­schem bei, bis zum Fall der Ber­li­ner Mau­er und dar­über hin­aus. Katha­ri­na ver­passt den Moment der Grenz­öff­nung und über­quert sie erst später:

It’s salad niçoi­se fore­ver, now. It took three weeks after the Wall came down for Katha­ri­na to cross into West Ber­lin for the first time. Hans took her to his favo­ri­te bare on Savi­gny­platz. Direct­ly across the squa­re, under the rail­way arches, is the art book­shop […] of cour­se com­ple­te­ly unaf­forda­ble, 80 marks for a book, that’s about 650 GDR marks, more than a prin­ter makes in a month.

Salad Nicoise nun für immer. Drei Wochen hat es gedau­ert, bis Katha­ri­na nach dem Mau­er­fall zum ers­ten Mal nach West­ber­lin hin­über­ge­gan­gen ist. Hans hat sie in sein Lieb­lings­lo­kal am Savi­gny­platz ein­ge­la­den. Schräg gegen­über unter den S‑Bahn-Bögen der Kunst­buch­la­den […] natür­lich unbe­zahl­bar. 80 D‑Mark für ein Buch, umge­rech­net sind das 650 DDR-Mark, mehr als ein Schriftsetzermonatsgehalt.

„Wahr­schein­lich ist es dort so ähn­lich wie hier“: Mit die­sen Wor­ten beschreibt Katha­ri­nas Freun­din Chris­ti­na den Wes­ten, aber sie fas­sen auch tref­fend zusam­men, war­um Kai­ros bei eng­lisch­spra­chi­gen Leser*innen so beliebt ist. Das Set­ting ist zugäng­lich genug, um ganz in den Roman ein­zu­tau­chen; Über die sich ent­fal­ten­de Bezie­hung wird eine eben­so ein­fa­che wie ein­fach ver­ständ­li­che Pri­se zeit­li­cher und räum­li­cher His­to­ri­zi­tät gestreut. Wahr­schein­lich ist es die­se Kom­bi­na­ti­on, die Erpen­becks Werk im Aus­land so beliebt macht; und viel­leicht ist es die feh­len­de Distanz, die sich für deut­sche Leser*innen als weni­ger inter­es­sant erweist. 

Die Tat­sa­che, dass ich mit den Schau­plät­zen des Romans sehr ver­traut bin und mich mit die­ser Zeit eini­ger­ma­ßen aus­ken­ne, hat den Roman für mich nicht auf­ge­wer­tet; statt­des­sen habe ich mir etwas gewünscht, das über die his­to­ri­schen Details hin­aus­geht. Sie ver­an­kern den Roman, aber sie sind nicht so scharf skiz­ziert wie die zwi­schen­mensch­li­che Dyna­mik. Wäh­rend die his­to­ri­schen Beson­der­hei­ten mit einer gewis­sen Ver­traut­heit in den Hin­ter­grund tre­ten, muss die Bezie­hung zwi­schen Hans und Katha­ri­na eigen­stän­dig den Roman tragen.

 Und trotz der Sorg­falt, mit der Erpen­beck die­se Bezie­hung ent­wi­ckelt hat, konn­te sie mein Inter­es­se nicht wecken oder mir neue Ein­sich­ten bie­ten. Es gibt vie­le Roma­ne, die sich auf ähn­li­chem Ter­rain bewe­gen, die ähn­li­che, zum Schei­tern ver­ur­teil­te Bezie­hun­gen schil­dern, und Kai­ros hat in mir nicht den Wunsch aus­ge­löst, einen wei­te­ren zu lesen. Es mag sein, dass es den Reiz einer gewis­sen Unver­traut­heit braucht, damit die Kom­bi­na­ti­on aus Per­sön­li­chem und His­to­ri­schem befrie­di­gend ist. Oder viel­leicht ein­fach eine grö­ße­re Fähig­keit, sich auf eine wei­te­re zum Schei­tern ver­ur­teil­te Roman­ze zwi­schen zwei unklu­gen Cha­rak­te­ren einzulassen.


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