Wel­che Über­set­zung soll ich lesen? – Emma

Jane Austens letzter Roman „Emma“ erscheint alle paar Jahre in neuer Übersetzung – doch nicht alle übersetzerischen Bemühungen um Modernität fruchten. Von

Jane-Austen-Übersetzungen Emma
Auch Emma fragt sich, welche Übersetzung die beste ist. Foto: Atlaspix / Alamy

Wer Jane Aus­ten auf Deutsch liest, liest nie nur Jane Aus­ten. Schon der ers­te Satz spie­gelt Kon­ven­tio­nen, Über­set­zungs­prak­ti­ken und kul­tu­rel­le Erwar­tun­gen wider. Hin­zu kom­men eige­ne Erin­ne­run­gen und frü­he­re Erfah­run­gen, die den Blick auf den Text nuan­cie­ren. Die­ses Zusam­men­spiel von Text, Über­set­zung und Wahr­neh­mung wur­de mir beson­ders bewusst, als ich Emma erneut las.

Dank die­ser Rei­he und anläss­lich des 250. Geburts­tags von Jane Aus­ten durf­te mei­ne etwas mit­ge­nom­me­ne Aus­ga­be sich einer wie­der­hol­ten Lek­tü­re erfreu­en. Ich geste­he gern, dass sich mei­ne Erin­ne­rung an den Roman mit den Ein­drü­cken der Ver­fil­mun­gen ungüns­tig ver­mischt hat­te. Mei­ne Mei­nung zum Buch selbst war vor der wie­der­hol­ten Lek­tü­re wohl­wol­lend, aber noch unscharf; die Ein­ord­nung der Ver­fil­mun­gen dafür umso kla­rer (die von 2020 war soli­de, die von 1996 kurz­wei­lig und Clue­l­ess, eben­falls auf dem Roman basie­rend, ohne­hin unübertroffen).

Vie­le von Jane Aus­tens Roma­nen ste­hen im Schat­ten von Stolz und Vor­ur­teil – manch­mal zu Recht, manch­mal zu Unrecht. Emma mag auf den ers­ten Blick ein sol­cher Fall sein. Es ist Aus­tens letz­ter gro­ßer Roman, den sie zwei Jah­re vor ihrem Tod voll­ende­te. Kurz vor­her wech­sel­te sie zu dem damals sehr ein­fluss­rei­chen Ver­le­ger John Mur­ray, der prompt nie­mand Gerin­ge­ren als Wal­ter Scott – des­sen Roma­ne ver­gleichs­wei­se deut­lich stär­ker in Ver­ges­sen­heit gera­ten sind – damit beauf­trag­te, eine wohl­wol­len­de Rezen­si­on über Emma zu veröffentlichen.

Er schreibt dar­in, Aus­ten habe „Skiz­zen von einer sol­chen Leben­dig­keit und Ori­gi­na­li­tät geschaf­fen, dass wir die Span­nung, die sonst aus der Erzäh­lung außer­ge­wöhn­li­cher Ereig­nis­se erwächst, nie ver­mis­sen“. Kurz­um: Laut Scott pas­siert in dem Roman wenig („Emma ver­fügt über noch weni­ger Hand­lung als bei­de zuvor erschie­ne­nen Roma­ne“), doch gut unter­hal­ten fühl­te er sich nichts­des­to­trotz und so bleibt bei sei­ner Bewun­de­rung für Aus­tens Dar­stel­lung des schein­bar ein­fa­chen, zutiefst eng­li­schen Lebens. 

Typisch für Aus­ten wird auch in Emma wie­der eif­rig gehei­ra­tet: Ihre Hel­din Emma Wood­house lebt mit ihrem hypo­chon­dri­schen Vater im beschau­li­chen High­bu­ry. Emmas Schwes­ter hat einen gewis­sen John Knight­ley gehei­ra­tet (des­sen Bru­der Mr. Knight­ley ein gern gese­he­ner Nach­bar Emmas ist) und ver­bringt ihre Zeit mit ihm und den drei Kin­dern in Lon­don. Emmas engs­te Ver­trau­te ist daher ihre ehe­ma­li­ge Gou­ver­nan­te, die zu Beginn des Romans Mr. Wes­t­on hei­ra­tet – ein Ereig­nis, bei dem Emma meint, selbst Amor gespielt zu haben. Der Besuch von Wes­t­ons Sohn Frank Chur­chill anläss­lich der Ehe­schlie­ßung wird von der klei­nen Gesell­schaft sehn­süch­tig erwar­tet, lässt jedoch bis etwa zur Hälf­te des über 500 Sei­ten star­ken Romans auf sich war­ten. Auf der Suche nach einer eben­falls mög­lichst unver­hei­ra­te­ten Freun­din nimmt sich Emma unter­des­sen der unbe­darf­ten Har­riet an, die sie mit dem uner­träg­li­chen, aber gut aus­se­hen­den Pfar­rer Mr. Elton ver­kup­peln möchte.

Emma ist ein Roman, so wür­de ich behaup­ten, der sich erst beim wie­der­hol­ten Lesen wirk­lich erschließt. Auf den ers­ten Blick scheint es die übli­chen Irrun­gen und Wir­run­gen zu geben, doch die Vor­ur­tei­le – oder eher Fehl­ur­tei­le – wir­ken kom­ple­xer als in den vor­he­ri­gen Roma­nen. Emma Wood­house ist gewis­ser­ma­ßen eine Intri­gan­tin, die die Figu­ren wie auf einem Schach­brett zu füh­ren ver­sucht, und zugleich eine Beob­ach­te­rin, die meint, alles über alle zu wis­sen, dabei jedoch fast immer falsch­liegt. Ein gutes Bei­spiel dafür ist Frank Chur­chill: Emma ver­liebt sich zunächst ober­fläch­lich in ihn, ord­net ihn dann irr­tüm­lich Har­riet zu und miss­ver­steht deren Gefüh­le, bis sie schließ­lich erfährt, dass er seit Mona­ten heim­lich mit der ele­gan­ten Jane Fair­fax, ihrer Erz­fein­din, ver­lobt ist.

Die­ses Figu­ren­ge­flecht (und das war nur ein Bruch­teil) mag in der Zusam­men­fas­sung noch durch­sich­tig erschei­nen. Im Buch jedoch wird (fast) alles aus Emmas ein­ge­schränk­ter Per­spek­ti­ve erzählt – sodass ledig­lich beim wie­der­hol­ten Lesen deut­lich wird, wie viel sie über­sieht oder schlicht miss­ver­steht. Aus­ten setzt gezielt Hin­wei­se, spielt mit Dop­pel­deu­tig­kei­ten und deu­tet vie­les sub­til an, das sich aber erst nach Hun­der­ten von Sei­ten auf­löst. Die tech­ni­sche Raf­fi­nes­se lässt sich folg­lich erst wirk­lich nach der wie­der­hol­ten Lek­tü­re würdigen.

Die tech­ni­sche Ver­siert­heit wur­de Jane Aus­ten ohne­hin lan­ge nicht zuge­spro­chen. Die vik­to­ria­ni­schen Schrift­stel­ler hiel­ten sie für bie­der, gro­ße Roman­ciers des Jahr­hun­derts – etwa Hen­ry James – bezeich­ne­ten ihre Sicht­wei­se auf die Gesell­schaft als zu „beschränkt“. Erst im 20. Jahr­hun­dert erhielt sie die ihr zuste­hen­de Aner­ken­nung, etwa von Samu­el Beckett oder Vir­gi­nia Woolf. Die Balan­ce zwi­schen Unter­hal­tung und kunst­vol­lem Aus­füh­rung gelingt ihr in Emma, ent­stan­den auf der Höhe ihres Schaf­fens, nahe­zu perfekt.

Inzwi­schen ist Emma auch bekannt als einer der ers­ten eng­lisch­spra­chi­gen Roma­ne, der mit erleb­ter Rede arbei­tet und damit gewis­ser­ma­ßen die Moder­ne vor­weg­nimmt. Bis dahin schrieb man ent­we­der aus der Per­spek­ti­ve eines Ichs oder eines all­wis­sen­den Erzäh­lers. Aus­ten schafft es jedoch, eine Brü­cke zwi­schen äuße­rer Sicht und dem inne­ren Erle­ben ihrer Figu­ren zu schla­gen. Emma ist außer­dem ihr dia­logreichs­ter Roman; sie lässt ihre Figu­ren oft fast einen eige­nen Sozio­lekt spre­chen – etwa die red­se­li­ge Miss Bates oder die ver­s­nobb­te Mrs. Elton, deren gesell­schaft­li­cher Sta­tus sich deut­lich in ihrer Aus­drucks­wei­se zeigt. Heu­te wirkt das alles ganz selbst­ver­ständ­lich; vor 200 Jah­ren – als der moder­ne Roman noch jung war – war es etwas völ­lig Neues.

Auch aus über­set­ze­ri­scher Sicht hat Jane Aus­tens Emma eini­ges zu bie­ten, denn nicht zuletzt ist der Roman an vie­len Stel­len höchst iro­nisch und wit­zig. Es dau­er­te aller­dings lan­ge, bis er über­haupt ins Deut­sche über­tra­gen wur­de: Die Erst­über­set­zung von Char­lot­te von Klin­kow­stro­em, über die fast nichts bekannt ist, erschien 1939 – also über 100 Jah­re nach Erschei­nen des Ori­gi­nals. In den 1960er-Jah­ren brach­te der Auf­bau Ver­lag eine Neu­über­set­zung von Horst Höcken­dorf her­aus, die noch immer ver­legt wird. 1981 erschien dann die Neu­über­set­zung von Ursu­la und Chris­ti­an Gra­we, die sich dem Gesamt­werk Jane Aus­tens wid­me­ten. Fast zeit­gleich ver­öf­fent­lich­te der damals in Zürich ansäs­si­ge Manes­se Ver­lag eine Über­set­zung von Ilse Lei­si, die heu­te als Pen­gu­in-Aus­ga­be erhält­lich ist.

Der Aus­ten-Boom der 1990er Jah­re, ange­kur­belt durch zahl­rei­che erfolg­rei­che Adap­tio­nen, sorg­te dafür, dass ihre Roma­ne seit­her in rela­tiv regel­mä­ßi­gen Abstän­den neu über­setzt wer­den. Dazu gehö­ren die Neu­über­set­zung von Ange­li­ka Beck für den Insel Ver­lag aus dem Jahr 1997, die Über­set­zung von Hel­ga Schulz für dtv (2012) sowie die jüngs­te Neu­über­set­zung des Ehe­paars Man­fred Allié und Gabrie­le Kempf-Allié für den Fischer Ver­lag (2019), die eine alte Über­set­zung von Hele­ne Hen­ze aus dem Jahr 1961 ablös­te – aus die­sem Grund wird die­se hier vernachlässigt.

Auf­merk­sa­men Leser:innen der Rei­he dürf­te auf­ge­fal­len sein, dass eini­ge der hier erwähn­ten Übersetzer:innen bereits ande­re Klas­si­ker wie Fran­ken­stein oder Stolz und Vor­ur­teil über­setzt haben – etwa die Gra­wes, Alliés oder Hel­ga Schulz. Das über­rascht kaum, denn Über­set­zen­de, die bereits Erfah­rung mit klas­si­schen Tex­ten haben, brin­gen oft die nöti­ge Exper­ti­se für sol­che Pro­jek­te mit. Zudem pro­fi­tie­ren die Emma-Aus­ga­ben von einem sorg­fäl­tig gestal­te­ten Anmer­kungs­ap­pa­rat und einem infor­ma­ti­ven Nach­wort, deren Erstel­lung einen nicht uner­heb­li­chen Auf­wand erfordert.

Die Über­set­zun­gen von Ursu­la und Chris­ti­an Gra­we für Reclam wur­den in die­sen Bespre­chun­gen bis­lang durch­weg wohl­wol­lend auf­ge­nom­men, stan­den jedoch nicht immer im Zen­trum der Betrach­tung. In ihrer Emma-Über­set­zung zeigt der Ver­gleich nun umso deut­li­cher, dass sie einer klar erkenn­ba­ren eige­nen Über­set­zungs­kon­zep­ti­on fol­gen. Bereits ihre Fas­sung des ers­ten Sat­zes macht dies sichtbar:

Emma Wood­house, hand­so­me, cle­ver, and rich, with a com­for­ta­ble home and hap­py dis­po­si­ti­on, see­med to unite some of the best bles­sings of exis­tence; and had lived near­ly twen­ty-one years in the world with very litt­le to distress or vex her.

Emma Wood­house, hübsch, klug und reich, im Besitz eines gemüt­li­chen Heims sowie einer glück­li­chen Ver­an­la­gung, ver­ei­nig­te sicht­lich eini­ge der bes­ten Gaben des Lebens auf sich. Sie war schon fast ein­und­zwan­zig Jah­re auf der Welt, ohne je wirk­lich Schwe­res oder Beun­ru­hi­gen­des erlebt zu haben. (Char­lot­te von Klin­c­kow­ström, 1939)

Emma Wood­house, hübsch, intel­li­gent und reich, mit einem behag­li­chen Heim und glück­li­chen Gaben aus­ge­stat­tet, schien eini­ge der bes­ten Seg­nun­gen des Daseins auf sich zu ver­ei­nen und hat­te in den knapp ein­und­zwan­zig Jah­ren, die sie auf der Welt war, sehr wenig Kum­mer und Sor­ge ken­nen­ge­lernt. (Horst Höcken­dorf, Auf­bau, 1964) 

Emma Wood­house, schön, gescheit und reich, mit einem behag­li­chen Zuhau­se und hei­te­ren Gemüt, schien in sich eini­ge der bes­ten Glücks­gü­ter des Daseins zu ver­ei­ni­gen und hat­te nahe­zu ein­und­zwan­zig Jah­re auf der Welt zuge­bracht, ohne viel Anlass zu Kum­mer oder Ärger zu fin­den. (Ilse Lei­si, Penguin/Manesse, 1981)

Schön, auf­ge­weckt und reich, bei einem sor­gen­frei­en Zuhau­se und einem glück­li­chen Natu­rell war Emma Wood­house offen­bar mit eini­gen der erfreu­lichs­ten Vor­zü­ge des Daseins geseg­net und hat­te bei­na­he ein­und­zwan­zig Jah­re fast ohne jeden Anlass zu Kum­mer und Ver­druss auf die­ser Welt ver­bracht. (Ursu­la und Chris­ti­an Gra­we, Reclam, 1981) 

Emma Wood­house, hübsch, klug und reich, mit einem behag­li­chen Zuhau­se und einem glück­li­chen Natu­rell aus­ge­stat­tet, schien vom Schick­sal in man­cher­lei Hin­sicht begüns­tigt und hat­te nun schon fast ein­und­zwan­zig Jah­re auf die­ser Welt ver­bracht, ohne gro­ßen Ärger oder Ver­druß zu erfah­ren. (Ange­li­ka Beck, Insel, 1997)

Emma Wood­house, schön, klug und reich, mit einem behag­li­chen Heim und einer glück­li­chen Ver­an­la­gung, schien eini­ge der bes­ten Seg­nun­gen des Lebens in sich zu ver­ei­nen, und es hat­te in den fast ein­und­zwan­zig Jah­ren, die sie auf der Welt war, nur sehr wenig gege­ben, das sie beun­ru­higt oder betrübt hät­te. (Hel­ga Schulz, dtv, 2012)

Emma Wood­house, hübsch, klug und reich, mit einem ange­neh­men Zuhau­se und von hei­te­rem Gemüt, schien bei­na­he alles in sich zu ver­ei­nen, was das Leben einem Men­schen an Gutem nur bie­ten kann; fast ein­und­zwan­zig Jah­re war sie nun schon auf die­ser Welt und hat­te in all der Zeit kaum je ein­mal Kum­mer oder Sor­gen gekannt. (Man­fred Allié und Gabrie­le Kempf-Allié, S. Fischer, 2019)

Ganz und gar eigen­tüm­lich rückt die Gra­we-Über­set­zung – anders als alle ande­ren Über­set­zun­gen oder gar das Ori­gi­nal – den Namen der Haupt­fi­gur um eini­ge Plät­ze nach hin­ten. Der Effekt ist frag­lich: Einer­seits wird durch die Ver­schie­bung auf eigen­tüm­li­che Wei­se die Schön­heit der Prot­ago­nis­tin betont, da das Adjek­tiv noch vor ihrem Namen genannt wird. Ande­rer­seits ver­än­dert sich dadurch auch der Rhyth­mus des gesam­ten Sat­zes. Das etwas schwach über­setz­te „auf­ge­weckt“ („cle­ver“) wird Emma Wood­house wenig gerecht (daher ist sie in den ande­ren Über­set­zun­gen „klug“ oder „intel­li­gent“) und auch das „bei“ vor „Zuhau­se“ mag etwas irritieren.

Dafür ist der Rest des Sat­zes aber recht gelun­gen: „Best bles­sings auf exis­tence“ wird locker mit „erfreu­lichs­ten Vor­zü­gen des Daseins“ über­setzt – ein ganz schö­ner Kon­trast zu dem stei­fen „bes­ten Seg­nun­gen des Lebens“ (sie­he Schulz) oder dem umständ­li­chen „schien vom Schick­sal in man­cher­lei Hin­sicht begüns­tigt“ bei Ange­li­ka Beck. Außer­dem kommt der Satz bei den Gra­wes ohne eine elen­di­ge Rela­tiv­ket­te (wie bei Schulz) oder ande­re Ein­schü­be zu einem sau­be­ren Schluss. Bemer­kens­wert ist auch, dass die ältes­te Über­set­zung von Char­lot­te von Klin­c­kow­ström die Kom­ple­xi­tät des Ori­gi­nal­sat­zes mit den ihr gege­be­nen Mit­teln – in die­sem Fall einem ent­zer­ren­den Satz­zei­chen wie dem Punkt – löst. Es ist sicher streit­bar, ob das unbe­dingt not­wen­dig gewe­sen wäre. Weni­ger streit­bar ist, dass sich die ältes­te Über­set­zung an die­ser Stel­le flüs­si­ger liest als manch jüngere.

Schon die Ein­lei­tung macht also die unter­schied­li­chen Stär­ken und Schwä­chen der Über­set­zun­gen sicht­bar. Hel­ga Schulz folgt dem Ori­gi­nal oft mit gro­ßer Nähe, mit­un­ter bis an die Gren­ze zur Wört­lich­keit. So heißt es bei ihr ein paar Sei­ten wei­ter: „Die Wood­hou­ses waren die Ers­ten am Ort“ – eine For­mu­lie­rung, die befrem­det und das eng­li­sche „The Wood­hou­ses were first in con­se­quence the­re“ seman­tisch ver­fehlt. Ange­li­ka Beck ent­schei­det sich hier für eine freie­re, aber tref­fen­de­re Lösung und über­setzt: „Die Wood­hou­ses waren dort die ange­se­hens­ten Leu­te.“ Auch an ande­ren Stel­len zeigt sich, dass Schulz zu einer sach­lich-nüch­ter­nen Glät­tung neigt, wo Beck – eben­so wie die Gra­wes – den apho­ris­ti­schen Zug Aus­tens deut­li­cher her­aus­ar­bei­tet. „Respect for right con­duct is felt by every body“ wird bei Schulz zu „Jeder­mann emp­fin­det Respekt für kor­rek­tes Ver­hal­ten“, wäh­rend Beck for­mu­liert: „Recht­schaf­fen­heit nötigt jeder­mann Respekt ab“ – und die Gra­wes noch zuge­spitz­ter: „Rich­ti­ges Beneh­men zwingt allen Respekt ab.“

Aber auch in ande­rer Hin­sicht gehen die Gra­wes eige­ne Wege. Die Eigen­tüm­lich­keit ihrer Emma-Über­set­zung zeigt sich eben­falls beim Sie­zen und Duzen, wo im Eng­li­schen kei­ne Dif­fe­ren­zie­rung besteht. Es ist ja seit jeher immer – neben viel­leicht his­to­risch über­lie­fer­ten Prak­ti­ken – am Ende Aus­le­gungs­sa­che der Über­set­zen­den, wer wen war­um siezt. Ein Bei­spiel sind Emma und ihre Freun­din Har­riet, derer sie sich annimmt und in Lie­bes­din­gen, oft­mals schlecht, berät. Letz­te­re ist Emma sozi­al unter­stellt, obgleich sie nun auch kei­ne Bediens­te­te ist. In vie­len Über­set­zun­gen sie­zen sich bei­de Frau­en, in den Über­set­zun­gen von Ange­li­ka Beck und Char­lot­te von Klin­c­kow­ström siezt jedoch nur Emma Har­riet, nicht umge­kehrt. Auf die­se Wei­se wird ihre über­ge­ord­ne­te sozia­le Stel­lung betont. 

Kurio­ser­wei­se wen­den die Gra­wes – als Ein­zi­ge wohl­ge­merkt – die­ses Prin­zip auf Emma und Mr. Knight­ley an, indem Mr. Knight­ley zwar Emma duzt, die­se ihn aber kon­se­quent bis zur Ver­lo­bung siezt. Damit wird jedoch anders als bei Har­riet und Emma nicht unbe­dingt ein sozia­les Gefäl­le mar­kiert, son­dern ein Alters­un­ter­schied. Dies rückt den Fokus unglück­li­cher­wei­se auf eine der weni­gen Din­ge an die­sem ansons­ten zeit­lo­sen Roman, an dem sich man­che Lesen­de sto­ßen mögen: Mr. Knight­ley ist gut fünf­zehn Jah­re älter als Emma und kennt die­se, seit­dem sie vier­zehn ist. 

Es wird noch selt­sa­mer: Mr. Knight­leys Bru­der ist mit ihrer Schwes­ter ver­hei­ra­tet. Auch die­ser Umstand sticht in der Gra­we-Über­set­zung beson­ders her­vor. Emma betont an einer Stel­le, dass es für Mr. Knight­ley ja nicht unschick­lich sei, sie zum Tanz auf­zu­for­dern, denn sie sei­en schließ­lich nicht „brot­her and sis­ter“. Nun liegt der Ver­dacht nahe, dass die Gra­wes an die­ser Stel­le ver­sucht haben, ein Pro­blem zu lösen, das im Deut­schen eigent­lich gar keins ist. Im Eng­li­schen ist „brot­her and sis­ter“ tat­säch­lich etwas dop­pel­deu­tig – zum einen, weil ein Schwa­ger ein „brot­her-in-law“ und eine Schwä­gern „sis­ter-in-law“ sind. Zum ande­ren, weil durch­aus eine geschwis­ter­li­che Kom­po­nen­te auf­grund des Alters­un­ter­schieds zwi­schen den bei­den besteht. Hier ein Auszug:

‘Inde­ed I will. You have shown that you can dance, and you know we are not real­ly so much brot­her and sis­ter as to make it at all impro­per.’ ‘Brot­her and sis­ter! no, indeed.’

»Natür­lich will ich. Sie haben ja bereits bewie­sen, daß Sie tan­zen kön­nen und Sie wis­sen, wir sind nicht so aus­ge­prägt Schwa­ger und Schwä­ge­rin, um es unpas­send erschei­nen zu las­sen.« »Schwa­ger und Schwä­ge­rin! – nein, wirk­lich nicht.« (Char­lot­te von Klin­c­kow­ström, 1939)

»Natür­lich, Sie haben mir gezeigt, dass Sie tan­zen kön­nen, und wenn wir auch Schwa­ger und Schwä­ge­rin sind, heißt das ja nicht, dass es sich nicht gehört.« »Schwa­ger und Schwä­ge­rin! Nein, nicht nur!« (Ursu­la und Chris­ti­an Gra­we, Reclam, 1981)

»Wol­len Sie?« frag­te er und reich­te ihr sei­ne Hand. »Natür­lich will ich. Sie haben ja bereits bewie­sen, daß Sie tan­zen kön­nen, und so sehr Bru­der und Schwes­ter sind wir nun auch wie­der nicht, daß es unschick­lich wir­ken wür­de.« »Bru­der und Schwes­ter? Nein, weiß Gott nicht.« (Ange­li­ka Beck, Insel, 1997)

»Das wür­den Sie tun?«, frag­te er und bot ihr sei­ne Hand. »Das wür­de ich. Sie haben bewie­sen, dass Sie tan­zen kön­nen, und wir sind zwar fast wie Geschwis­ter, aber so ver­wandt, dass wir das nicht dür­fen, sind wir ja nun nicht« »Geschwis­ter? Nein, das nun doch nicht.« (Man­fred Allié und Gabrie­le Kempf-Allié, S. Fischer, 2019)

An die­ser Stel­le hät­te eine Über­set­zung näher am Ori­gi­nal blei­ben kön­nen. Die Gra­wes wäh­len jedoch „Schwa­ger und Schwä­ge­rin“ – eine kor­rek­te Ein­ord­nung des ver­wandt­schaft­li­chen Ver­hält­nis­ses, wäh­rend „Bru­der und Schwes­ter“ fak­tisch falsch ist – und müs­sen des­halb Mr. Knight­leys Ant­wort stär­ker anpas­sen. Dadurch klingt Mr. Knight­leys spon­ta­ne Ableh­nung des Gedan­kens schwä­cher und weni­ger über­zeu­gend. Auch das „Natür­lich will ich“ der ande­ren Über­set­zun­gen wird von den Gra­wes zu einem blo­ßen „Natür­lich“ redu­ziert, obwohl die­se Ein­wil­li­gung kein neben­säch­li­ches Detail ist. Hin­zu kommt das erstaun­lich umständ­li­che „heißt ja nicht, dass es sich nicht gehört“ in einer ansons­ten um Flüs­sig­keit bemüh­ten Übersetzung.

Char­lot­te von Klin­c­kow­ström, die auch Schwä­ger benutzt, löst das Pro­blem teil­wei­se sou­ve­rä­ner, indem sie von einer „nicht so aus­ge­präg­ten“ Ver­wandt­schaft spricht; die Iro­nie bleibt spür­bar, der Satz­fluss lei­det jedoch leicht. Die Über­set­zung von Man­fred Allié und Gabrie­le Kempf-Allié („fast wie Geschwis­ter, aber so ver­wandt, dass wir das nicht dür­fen, sind wir ja nun nicht“) ver­sucht, Nähe und gesell­schaft­li­che Schran­ken zu ver­mit­teln, wirkt dabei jedoch sper­rig und ver­kom­pli­ziert den Satz­fluss. Am ele­gan­tes­ten und dem Ori­gi­nal­ton am nächs­ten ist die Über­set­zung von Ange­li­ka Beck: Sie fängt Iro­nie und Bild­haf­tig­keit wir­kungs­voll ein, und das abschlie­ßen­de „weiß Gott nicht“ ver­stärkt den humor­vol­len, ambi­va­len­ten Ton­fall von Mr. Knight­ley auf tref­fen­de Weise.

Ori­gi­na­li­tät kann jedoch an ande­ren Stel­len ein gro­ßer Vor­teil sein. Emma erhält von Mr. Elton, den sie mit Har­riet ver­hei­ra­ten möch­te, ein Rät­sel, das bei­de (wobei der cle­ve­ren Emma die Lösung natür­lich sofort ins Auge sticht) zu lösen ver­su­chen. Die­ses Rät­sel, in Form eines Gedichts, haben die Austen-Übersetzer:innen ganz unter­schied­lich über­setzt. Die Lösun­gen klin­gen wie folgt:

And woman, love­ly woman, reig­ns alo­ne. Can it be Nep­tu­ne? Behold him the­re, the mon­arch of the seas! Or a trident? or a mer­maid? or a shark? Oh, no! shark is only one syllable. It must be very cle­ver, or he would not have brought it. Oh! Miss Wood­house, do you think we shall ever find it out?’ ‘Mer­maids and sharks! Non­sen­se! My dear Har­riet, what are you thin­king of? Whe­re would be the use of his brin­ging us a cha­ra­de made by a fri­end upon a mer­maid or a shark? Give me the paper and lis­ten.’ ‘For Miss——, read Miss Smith. My first dis­plays the wealth and pomp of kings, Lords of the earth! their luxu­ry and ease. That is court. Ano­ther view of man, my second brings; Behold him the­re, the mon­arch of the seas! That is ship;—plain as can be.—Now for the cream. But ah! united, (court­ship, you know,) what rever­se we have!’ 

»And woman, love­ly woman, reig­ns alo­ne. Oder viel­leicht Nep­tun? Behold him the­re, the mon­arch of the seas! Oder ein Drei­zack? Oder eine Nixe? Oder ein Hai? Ach nein, Hai hat ja bloß eine Sil­be. Es muss wohl sehr geist­reich sein, sonst hät­te er es nicht gebracht. Ach, Miss Wood­house, glau­ben Sie, dass wir es her­aus­krie­gen?« »Nixen und Haie! Unsinn! Mei­ne lie­be Har­riet, was den­ken Sie nur? Was hät­te es für einen Sinn, dass er uns eine Scha­ra­de bringt, die ein Freund von ihm auf eine Nixe oder einen Hai geschrie­ben hat? Geben Sie mir das Blatt und hören Sie zu! Für Miss …, lies: Miss Smith. My first dis­plays the wealth and pomp of kings, Lords of the earth! their luxu­ry and ease. Das bedeu­tet court. Ano­ther view of man, my second brings, Behold him the­re, the mon­arch of the seas! Das bedeu­tet ship – ganz klar. (Horst Höcken­dorf, Auf­bau, 1964) 

Kann es ›Frau‹ hei­ßen? … bestimmt für eine Frau vor allen. Oder Kinds­tau­fe? Ein Fest, bestimmt für eine Frau vor allen. Geburts­tag? Oder Him­mel­fahrt? Oder Ern­te­dank­fest? Nein, das geht nicht, das hat vier Sil­ben. Es ist bestimmt sehr geist­reich, sonst hät­te er es nicht her­ge­bracht. Oh, Miss Wood­house, glau­ben Sie, wir krie­gen es jemals her­aus?« »Him­mel­fahrt oder Ern­te­dank­fest! Unsinn! Mei­ne lie­be Har­riet, was glau­ben Sie denn? Wozu soll­te er uns wohl ein Rät­sel brin­gen, das ein Freund über Him­mel­fahrt oder Ern­te­dank­fest gemacht hat? Geben Sie mir das Blatt und hören Sie zu: An Miss …, da muss man lesen Miss Smith. Die ers­te Sil­be will sich auf­wärts­he­ben, Dass sie dem Nied­ri­gen ent­ge­gen­steht. Das ist hoch. Die zwei­te muss beglei­ten unser Leben Und scheint uns manch­mal schön und manch­mal öd. Das ist Zeit – es kann gar nicht anders sein. Und jetzt kommt die Poin­te. Doch, ach, zu zweit erst (Hoch­zeit, nicht wahr?) woll’n sie uns gefal­len …« (Ursu­la und Chris­ti­an Gra­we, Reclam, 1981) 

»Kann es ›Frau‹ sein? Und herr­schen wird allein die Frau, die schö­ne. Kann es Nep­tun sein? Dort seht ihr ihn als Herrn der Mee­re! Oder ein Drei­zack? Oder eine Meer­jung­frau? Oder ein Hai? Ach, nein, Hai hat nur eine Sil­be. Es muß sehr geist­reich sein, sonst hät­te er es uns nicht gebracht. Oh, Miss Wood­house, glau­ben Sie, wir fin­den es jemals her­aus?« »Meer­jung­frau­en und Haie – Unsinn! Mei­ne lie­be Har­riet, was glau­ben Sie denn? Was soll­te es ihm nüt­zen, uns eine Scha­ra­de zu brin­gen, die ein Freund über eine Meer­jung­frau oder einen Hai gemacht hat? Geben Sie mir das Blatt und hören Sie zu. Für Miss …, set­zen Sie Miss Smith ein. Das ers­te zeigt des Königs Prunk und Reich­tum, Die Herrn der Erde, in Luxus und Wohl­sein, Das ist – court. Mein zwei­tes zeigt den Mann an and­rer Stel­le, Dort seht ihr ihn, als Herrn der Mee­re. Das ist – ship – deut­li­cher geht es nicht. Nun zur Poin­te. Doch, ah, ver­eint, welch and­res Wort wir haben, – näm­lich court­ship, Sie wis­sen schon, einer Dame den Hof machen …« (Hel­ga Schulz, dtv, 2012) 

»Mei­nen Sie, ›Dame‹ ist die Lösung? Was die gelieb­te hol­de Dame will. Die Lie­be? Des Lebens höchs­tes Gut ist ihm gege­ben. Oder Freund­schaft? Oder Gesund­heit – nein, das sind drei Sil­ben. Es muss ein sehr raf­fi­nier­tes Rät­sel sein, sonst hät­te er es uns nicht gebracht. Ach, Miss Wood­house, mei­nen Sie, wir fin­den es je her­aus?« ›Freund­schaft und Gesund­heit! Unsinn! Mei­ne lie­be Har­riet, wo haben Sie nur Ihre Gedan­ken! Wenn sein Freund eine Scha­ra­de über Freund­schaft oder Gesund­heit geschrie­ben hät­te, war­um soll­te er sie uns dann brin­gen? Geben Sie mir das Blatt und hören Sie zu. Für Miss –: Da müs­sen Sie ›Miss Smith‹ ergän­zen. Des Lebens höchs­tes Gut ist dem gege­ben, Der sich des ers­ten Namens rüh­men kann. Was ist das höchs­te Gut des Lebens? Die Frei­heit! Und der, der sich des­sen rüh­men kann, ist ein Frei­er. Die zwei­ten tra­gen ihn durchs Leben, Denn streb­sam schrei­ten soll der Mann! Was trägt uns durchs Leben, womit schrei­ten wir? Die Füße, das ist doch nicht schwer! – Und jetzt wird es ernst: Doch ach, wenn erst die zwei zu einem sich ver­bin­den! (näm­lich zu Frei­ers­fü­ßen) …« (Man­fred Allié und Gabrie­le Kempf-Allié, S. Fischer, 2019) 

An die­sem durch­aus etwas alber­nen Rät­sel, das der toll­küh­ne Mr. Elton für Emma bestimmt hat, aber in Har­riets Hän­de gerät, lässt sich gewis­ser­ma­ßen der Krea­ti­vi­täts­grad der Über­set­zen­den mes­sen. Hel­ga Schulz ver­fährt (wie auch Ange­li­ka Beck und Ilse Lei­si) eher zurück­hal­tend: Sie bleibt nah am Ori­gi­nal, bewahrt Bild­feld und Struk­tur des eng­li­schen Wort­spiels (court / ship) und greift erklä­rend ein. Damit bleibt die Logik des Rät­sels zwar nach­voll­zieh­bar, doch wirkt die Lösung häu­fig eher erläu­tert als aus­ge­spielt; der spie­le­ri­sche, leicht iro­ni­sche Moment des Ori­gi­nals wird abge­schwächt. In Horst Höcken­dorfs Über­set­zung wird die­se Ten­denz noch gestei­gert, indem das Eng­li­sche unver­mit­telt ste­hen bleibt („That is court“, „That is ship“) und der Witz nicht über­tra­gen wird. Die­se Ent­schei­dung ist beson­ders frag­wür­dig, da das Rät­sel mehr als blo­ße Grund­kennt­nis­se des Eng­li­schen vor­aus­setzt und sich so letzt­lich nur Leser:innen erschließt, die eben­so gut zum Ori­gi­nal grei­fen könnten. 

Deut­lich wage­mu­ti­ger gehen hin­ge­gen sowohl die Gra­wes als auch Man­fred Allié und Gabrie­le Kempf-Allié vor, indem sie das eng­li­sche Wort­spiel voll­stän­dig erset­zen und ein eigen­stän­di­ges deut­sches Rät­sel ent­wer­fen. Bei den Gra­wes lau­tet die Lösung fol­ge­rich­tig „Hoch­zeit“, ein zen­tra­les Motiv des Romans; ent­spre­chend krei­sen ihre Asso­zia­tio­nen um kirch­li­che und welt­li­che Fei­er­ta­ge wie „Him­mel­fahrt“ oder „Ern­te­dank­fest“. Damit wird jedoch der Sinn von court­ship ver­scho­ben, denn der eng­li­sche Begriff bezeich­net nicht das Ereig­nis, son­dern den Pro­zess der Annäherung. 

Genau die­sen Unter­schied ver­su­chen Allié und Kempf-Allié auf­zu­grei­fen, wenn sie ihre Lösung in der Wen­dung „zu Frei­ers­fü­ßen“ fin­den. Da court­ship selbst heu­te kaum noch gebräuch­lich ist, erscheint die alter­tüm­li­che Fär­bung kon­se­quent; zugleich bleibt die Lösung streng genom­men unvoll­stän­dig, da die Rede­wen­dung voll­stän­dig „auf Frei­ers­fü­ßen gehen“ lau­tet. Ihre Über­set­zung bewegt sich damit bewusst zwi­schen Nähe zum Ori­gi­nal und frei­er Nach­dich­tung – ori­gi­nell, aber nicht ohne seman­ti­sche Rei­bungs­ver­lus­te. Zudem mag die­se Ent­schei­dung nur bedingt zur übri­gen, um Moder­ni­tät bemüh­ten Über­set­zung passen.

Eine wei­te­re bereits erwähn­te Eigen­art von Emma ist der spie­le­ri­sche Umgang mit erleb­ter Rede. Oft wird sie weni­ger erzählt als viel­mehr durch Satz­zei­chen in Sze­ne gesetzt. Vor allem die Gedan­ken­stri­che drän­gen sich in den dia­lo­gi­schen Pas­sa­gen in den Vor­der­grund: Sie zer­ha­cken Rede­flüs­se, schie­ben Kom­men­ta­re ein, las­sen das Den­ken der Figu­ren hör­bar wer­den. Schon im eng­li­schen Ori­gi­nal gilt die­se Inter­punk­ti­on als eigen­sin­nig; bis heu­te ist umstrit­ten, ob sie auf Jane Aus­ten selbst zurück­geht oder auf ihren Ver­le­ger John Mur­ray. Im Deut­schen wer­den die­se Satz­zei­chen in unter­schied­li­chem Maße über­nom­men, wie der fol­gen­de Aus­zug zeigt. Emma denkt hier über ihre Kon­kur­ren­tin Jane Fair­fax nach:

Emma was sor­ry; — to have to pay civi­li­ties to a per­son she did not like through three long months! — to be always doing more than she wis­hed, and less than she ought! Why she did not like Jane Fair­fax might be a dif­fi­cult ques­ti­on to ans­wer; Mr. Knight­ley had once told her it was becau­se she saw in her the real­ly accom­plished young woman, which she wan­ted to be thought hers­elf; and though the accu­sa­ti­on had been eager­ly refu­ted at the time, the­re were moments of self-exami­na­ti­on in which her con­sci­ence could not quite acquit her. But ‘she could never get acquain­ted with her: she did not know how it was, but the­re was such cold­ness and reser­ve — such appa­rent indif­fe­rence whe­ther she plea­sed or not — and then, her aunt was such an eter­nal tal­ker! — and she was made such a fuss with by every body! — and it had been always ima­gi­ned that they were to be so inti­ma­te — becau­se their ages were the same, every body had sup­po­sed they must be so fond of each other.’ The­se were her reasons —  she had no better. 

Emma fand es sehr bedau­er­lich, zu einem Men­schen, den sie nicht lei­den konn­te, drei lan­ge Mona­te hin­durch höf­lich sein zu müs­sen! Gezwun­gen zu sein, immer mehr tun zu müs­sen, als sie eigent­lich woll­te, aber weni­ger, als sie im Grun­de tun soll­te! Sie wuß­te selbst nicht so recht, war­um sie Jane Fair­fax nicht moch­te; Mr. Knight­ley hat­te ein­mal zu ihr gesagt, es sei wahr­schein­lich des­we­gen, weil sie in ihr die wirk­lich voll­kom­me­ne jun­ge Frau sah, die sie selbst gern gewe­sen wäre, und obwohl sie den Vor­wurf damals eif­rig zurück­ge­wie­sen hat­te, gab es Augen­bli­cke der Selbst­er­kennt­nis, in denen ihr Gewis­sen sie nicht frei­zu­spre­chen ver­moch­te. Aber sie konn­te mit ihr nicht warm wer­den, sie wuß­te nicht, wor­an es lag, da war solch eine Küh­le und Reser­viert­heit – völ­li­ge Gleich­gül­tig­keit, ob sie ande­ren gefie­le oder nicht –, außer­dem war ihre Tan­te eine sol­che Dau­er­schwät­ze­rin! Und alle mach­ten so viel Auf­he­bens um sie! Dann hat­te man sich immer ein­ge­bil­det, sie müß­ten unbe­dingt auf ver­trau­tem Fuß ste­hen, da sie im glei­chen Alter waren, jeder­mann hat­te ange­nom­men, sie müß­ten ein­an­der ein­fach gern haben. Das waren ihre Grün­de, sie hat­te kei­ne bes­se­ren. (Char­lot­te von Klin­c­kow­ström, 1939) 

Emma war ver­stimmt – einem Men­schen, den sie nicht moch­te, drei lan­ge Mona­te höf­lich begeg­nen zu müs­sen! Immer mehr zu tun, als sie woll­te, und weni­ger, als sie soll­te! Wes­halb sie etwas gegen Jane Fair­fax hat­te, wäre viel­leicht schwer zu beant­wor­ten gewe­sen; Mr. Knight­ley hat­te ihr ein­mal gesagt, der Grund sei der, dass sie in ihr die wahr­haft voll­ende­te jun­ge Dame sehe, für die sie selbst so gern gehal­ten wer­den woll­te; und obwohl sie damals die­sen Vor­wurf ent­schie­den zurück­ge­wie­sen hat­te, gab es Augen­bli­cke der Selbst­er­kennt­nis, in denen ihr Gewis­sen sie nicht ganz davon frei­sprach. Doch sie konn­te sich nicht mit ihr anfreun­den; sie wuss­te nicht, wor­an es lag, aber Miss Fair­fax war so kühl und zurück­hal­tend – es war ihr so offen­bar gleich­gül­tig, ob sie einem gefiel oder nicht – und dann ihre Tan­te, die in einem fort rede­te – und über­all mach­te man solch ein Wesen von ihr – und immer hat­ten sich die Leu­te ein­ge­bil­det, sie bei­de sei­en mit­ein­an­der befreun­det; sie waren bei­de im glei­chen Alter, und des­halb hat­ten alle ange­nom­men, sie müss­ten sich auch gern­ha­ben. Das waren Emmas Grün­de – sie hat­te kei­ne bes­se­ren. (Horst Höcken­dorf, Auf­bau, 1964) 

Emma war nicht eben beglückt: Wäh­rend vol­ler drei Mona­te einem Men­schen Artig­kei­ten erwei­sen zu müs­sen, den sie nicht moch­te! – stets mehr zu tun, als sie wünsch­te, und weni­ger, als sie soll­te! War­um sie Jane Fair­fax nicht moch­te, die­se Fra­ge war wohl schwer zu beant­wor­ten. Mr. Knight­ley hat­te ihr ein­mal gesagt, dies käme daher, dass sie in ihr die wirk­lich gebil­de­te jun­ge Dame sähe, für die sie selbst gehal­ten wer­den woll­te; und obschon die­se Anschul­di­gung damals eif­rig zurück­ge­wie­sen wur­de, gab es doch Augen­bli­cke der Selbst­be­fra­gung, in denen ihr Gewis­sen sie nicht ganz frei­spre­chen konn­te. Doch: Sie könn­te sie nie rich­tig ken­nen­ler­nen; sie wüss­te nicht, wie es käme, aber da sei eine sol­che Küh­le und Reser­viert­heit – solch eine schein­ba­re Gleich­gül­tig­keit, ob sie andern gefie­le oder nicht – und dann ihre Tan­te mit ihrem unauf­hör­li­chen Gere­de! – und so viel Wesens wür­de von ihr gemacht von allen Leu­ten! – und man hät­te sich von Anfang an vor­ge­stellt, sie bei­de müss­ten eng befreun­det sein – weil sie gleich alt waren, hät­ten alle gemeint, sie müss­ten ein­an­der so gern­ha­ben! Dies waren ihre Grün­de – bes­se­re hat­te sie kei­ne. (Ilse Lei­si, Penguin/Manesse, 1981) 

Emma behag­te es gar nicht, drei vol­le Mona­te mit jeman­dem ver­keh­ren zu müs­sen, den sie nicht moch­te, immer höf­li­cher zu sein, als sie woll­te, und weni­ger höf­lich, als sie soll­te. War­um sie Jane Fair­fax nicht lei­den konn­te, war nicht ein­fach zu beant­wor­ten; Mr. Knight­ley hat­te ein­mal behaup­tet, es lie­ge nur dar­an, dass sie in ihr die wirk­lich kul­ti­vier­te jun­ge Dame sah, für die sie sel­ber gern gehal­ten wer­den woll­te, und obwohl sie sei­ne Beschul­di­gung leb­haft zurück­ge­wie­sen hat­te, gab es doch Augen­bli­cke der Selbst­prü­fung, in denen ihr Gewis­sen sie nicht so anstands­los frei­sprach. Aber sie konn­te sich nicht mit ihr anfreun­den; sie wuss­te auch nicht, war­um, aber Jane strahl­te so viel Küh­le und Reser­viert­heit aus, es war ihr dabei so völ­lig gleich­gül­tig, wie sie auf ande­re Men­schen wirk­te; und dann war die Tan­te so geschwät­zig! Und alle Welt mach­te von Jane so viel Auf­he­bens und hat­te es immer für selbst­ver­ständ­lich gehal­ten, dass sie Freun­din­nen wer­den müss­ten; weil sie gleich­alt­rig waren, hat­ten immer alle gefun­den, sie müss­ten unzer­trenn­lich sein. Das waren ihre Grün­de, bes­se­re hat­te sie nicht. (Ursu­la und Chris­ti­an Gra­we, Reclam, 1981) 

Emma war alles ande­re als erbaut davon, drei lan­ge Mona­te hin­durch einer Per­son Höf­lich­kei­ten erwei­sen zu müs­sen, die sie nicht lei­den konn­te – sich andau­ernd mehr um sie zu bemü­hen, als sie eigent­lich woll­te, und weni­ger, als sie soll­te! War­um sie Jane Fair­fax nicht lei­den konn­te, dürf­te nicht leicht zu beant­wor­ten sein; Mr. Knight­ley hat­te ihr ein­mal erklärt, es lie­ge dar­an, weil sie in ihr die wirk­lich gebil­de­te jun­ge Frau sehe, für die sie selbst gern gehal­ten wer­den wol­le; und obwohl sie die­sen Vor­wurf damals scharf zurück­ge­wie­sen hat­te, gab es doch Augen­bli­cke der Selbst­prü­fung, in denen ihr Gewis­sen sie nicht ganz davon frei­zu­spre­chen ver­moch­te. Aber sie kön­ne nicht mit ihr warm wer­den, sag­te sie, und wis­se nicht, wor­an es lie­ge; Jane Fair­fax strah­le jedoch eine sol­che Küh­le und Reser­viert­heit aus – eine solch unüber­seh­ba­re Gleich­gül­tig­keit, ob sie ande­ren Men­schen gefal­le oder nicht – und dann sei ihre Tan­te eine sol­che Quas­sel­strip­pe! Und alle mach­ten soviel Auf­he­bens um sie! Und immer habe man sich ein­ge­bil­det, sie müß­ten enge Freun­din­nen wer­den – weil sie im glei­chen Alter waren, habe jeder gemeint, sie müß­ten sich sehr nahe­ste­hen. Das waren ihre Grün­de – trif­ti­ge­re hat­te sie nicht. (Ange­li­ka Beck, Insel, 1997) 

Emma bedau­er­te, daß sie nun drei lan­ge Mona­te hin­durch einer Per­son Höf­lich­kei­ten erwei­sen muß­te, die sie gar nicht moch­te! Daß sie immer mehr tun muß­te, als sie woll­te, und weni­ger tat, als sie soll­te! War­um sie Jane Fair­fax nicht moch­te, war schwer zu sagen; Mr. Knight­ley hat­te ein­mal zu ihr gesagt, es lie­ge dar­an, daß sie in ihr die wirk­lich viel­sei­tig gebil­de­te jun­ge Frau sah, für die sie selbst gern gehal­ten wer­den wer­den woll­te; und obgleich sie die­se Beschul­di­gung damals eif­rig wider­legt hat­te, gab es Augen­bli­cke der Selbst­prü­fung, in denen ihr Gewis­sen sie nicht ganz frei­spre­chen konn­te. Aber sie konn­te nie­mals mit ihr warm wer­den; sie wuß­te nicht, wie es kam, aber Jane gab sich so kühl und reser­viert, es war ihr so offen­sicht­lich gleich­gül­tig, ob sie Anklang fand oder nicht – und dann, ihre Tan­te war eine sol­che ewi­ge Schwät­ze­rin; und jeder mach­te soviel Auf­he­bens von ihr; und immer bil­de­ten sich alle ein, sie sei­en wirk­lich befreun­det; und weil sie im glei­chen Alter waren, nah­men alle an, daß sie ein­an­der moch­ten. Dies waren ihre Grün­de, bes­se­re hat­te sie nicht. (Hel­ga Schulz, dtv, 2012) 

Emma war nicht begeis­tert von der Aus­sicht, dass sie drei Mona­te höf­lich gegen­über einer Per­son sein soll­te, die sie eigent­lich nicht lei­den konn­te, und dabei stän­dig mehr zu tun, als sie woll­te, und doch weni­ger, als sie soll­te! Schwer zu sagen, war­um sie Jane Fair­fax nicht lei­den konn­te; Mr. Knight­ley hat­te ihr ein­mal erklärt, es lie­ge dar­an, dass Jane in ihren Augen genau die umfas­send gebil­de­te jun­ge Dame sei, für die sie selbst gern gehal­ten wür­de; auch wenn sie die­sen Vor­wurf sei­ner­zeit weit von sich gewie­sen hat­te, gab es doch Augen­bli­cke der Selbst­er­kennt­nis, in denen ihr Gewis­sen sie nicht ganz frei­spre­chen konn­te. Nein, mit ihr anfreun­den konn­te sie sich nicht, sie hät­te nicht sagen kön­nen, wor­an es lag, aber Jane war immer so kühl und so reser­viert – es war ihr offen­bar so gleich­gül­tig, wie sie auf ande­re wirk­te – und dann noch die­se geschwät­zi­ge Tan­te! – und dau­ernd mach­ten alle so viel Auf­le­bens um sie! – und alle Welt war immer davon aus­ge­gan­gen, dass sie gute Freun­din­nen waren – nur weil sie im glei­chen Alter waren, hat­ten alle geglaubt, sie müss­ten ein­an­der mögen. So weit ihre Grün­de – bes­se­re hat­te sie nicht.
(Man­fred Allié und Gabrie­le Kempf-Allié, S. Fischer, 2019)

Die Gra­we-Über­set­zung gibt den gedank­li­chen Gehalt der Pas­sa­ge zuver­läs­sig wie­der, glät­tet jedoch die Form der erleb­ten Rede deut­lich. Wo Aus­ten Emmas Frust in frag­men­tier­te Aus­ru­fe zer­legt – „three long months!“, „less than she ought!“ –, fasst die deut­sche Über­set­zung dies zu geschlos­se­nen Satz­tei­len zusam­men („drei vol­le Mona­te“, „weni­ger höf­lich, als sie soll­te“). Auch der Wech­sel zur selbst­recht­fer­ti­gen­den Gedan­ken­re­de („she could never get acquain­ted with her“) wird bei den Gra­wes berich­tend auf­ge­löst: „Aber sie konn­te sich nicht mit ihr anfreun­den; sie wuss­te auch nicht, war­um“. Damit ver­liert der inne­re Mono­log an Unmit­tel­bar­keit und iro­ni­scher Span­nung. Ähn­lich ver­fah­ren bereits Char­lot­te von Klin­c­kow­ström und Horst Höcken­dorf, deren Über­set­zun­gen den Gedan­ken­gang Emmas zwar kor­rekt wie­der­ge­ben, ihn jedoch syn­tak­tisch ord­nen und psy­cho­lo­gisch erklä­ren. Bei Höcken­dorf wird Emmas gedank­li­che Unru­he durch erklä­ren­de Satz­ver­bin­dun­gen deut­lich beru­higt, was die Distanz zwi­schen Erzähl­in­stanz und Figur vergrößert.

Im Ver­gleich dazu nähern sich Ange­li­ka Beck, aber auch Ilse Lei­si und in Tei­len Hel­ga Schulz der erleb­ten Rede deut­lich stär­ker an. Sie über­neh­men nicht nur die Aus­ruf­struk­tur, son­dern bewah­ren auch die frag­men­tie­ren­de Bewe­gung der Gedan­ken, etwa in Ein­schü­ben wie: „– sich andau­ernd mehr um sie zu bemü­hen, als sie eigent­lich woll­te, und weni­ger, als sie soll­te!“. Anders als bei den Gra­wes bleibt der Wech­sel zur Gedan­ken­re­de hör­bar per­so­na­li­siert: „Aber sie kön­ne nicht mit ihr warm wer­den, sag­te sie“. Lei­si gelingt dies beson­ders unauf­fäl­lig und nah am Ori­gi­nal; Schulz hin­ge­gen fügt gele­gent­lich erklä­ren­de Zusät­ze ein oder ver­wen­det leicht ver­all­ge­mei­nern­de Formulierungen. 

Allié und Kempf-Allié ver­fol­gen einen ande­ren Ansatz: Ihre Über­set­zung setzt stär­ker auf Moder­ni­sie­rung und Expli­ka­ti­on („nicht begeis­tert von der Aus­sicht“, „Nein, mit ihr anfreun­den konn­te sie sich nicht“). Dadurch wird Emmas inne­re Stim­me zwar sehr deut­lich, der fei­ne iro­ni­sche Schwe­be­zu­stand der erleb­ten Rede geht jedoch teil­wei­se ver­lo­ren. Beck gelingt es dem­ge­gen­über, trotz moder­ner Lexik („Quas­sel­strip­pe“), den rhyth­mi­schen Fluss und die iro­ni­sche Selbst­ent­lar­vung der Pas­sa­ge weit­ge­hend zu erhal­ten. So bleibt die erleb­te Rede als Denk­be­we­gung erfahr­bar, nicht nur als psy­cho­lo­gi­scher Bericht.

Auf die­ser Basis lässt sich auch das Gesamt­ur­teil zu den Über­set­zun­gen zie­hen: Ein gewis­ses Maß an Eigen­wil­len und Indi­vi­dua­li­tät ist jeder Über­set­zung zuzu­ge­ste­hen, und die hier betrach­te­ten Bei­spie­le zei­gen, wie unter­schied­lich Übersetzer:innen mit Aus­tens Rhyth­mus, Ton und Iro­nie umge­hen. Die Gra­we-Über­set­zung ist im Fall von Emma nur bedingt zu emp­feh­len: Ihre Ein­grif­fe wir­ken zu stark, zumal sich deren Not­wen­dig­keit nicht immer erklä­ren oder nach­voll­zie­hen lässt. Die Über­set­zung der Alliés setzt auf Moder­ni­sie­rung und Expli­ka­ti­on, bleibt aber stel­len­wei­se etwas bemüht und ent­fernt den Leser von der fei­nen Iro­nie des Originals.

Die ältes­te Über­set­zung von Char­lot­te von Klin­c­kow­ström schnei­det im direk­ten Ver­gleich nicht schlecht ab, doch ent­hält ihre Fas­sung Straf­fun­gen von Pas­sa­gen, die das Ori­gi­nal ver­wäs­sern. Höcken­dorf trifft mit sei­nen Ent­schei­dun­gen nur teil­wei­se die Nuan­cen, wäh­rend Schulz ins­ge­samt zu vor­sich­tig über­setzt, dabei jedoch durch­aus ori­gi­nal­treu bleibt. Ilse Lei­sis Über­set­zung ist soli­de und klar ver­ständ­lich, wirk­te ledig­lich hin und wie­der etwas for­mal. Am über­zeu­gends­ten gelingt schließ­lich Ange­li­ka Beck eine Über­set­zung, die flüs­sig, selbst­be­wusst und zugleich nah am Ori­gi­nal bleibt: Sie bewahrt den rhyth­mi­schen, iro­ni­schen und emo­tio­na­len Cha­rak­ter von Aus­tens Text und ermög­licht es, Emmas inne­re Stim­men unmit­tel­bar zu erle­ben, ohne dass unnö­ti­ge Glät­tun­gen oder Moder­ni­sie­run­gen die Fein­hei­ten ver­wi­schen. Eins ist sicher: Jane Aus­tens Emma eröff­net beim Lesen ihrer Über­set­zun­gen stets über­ra­schen­de Ein­bli­cke – egal, ob man den Roman schon kennt oder gera­de neu entdeckt.


Wei­te­re Bei­trä­ge der Rei­he „Wel­che Über­set­zung soll ich lesen?“ fin­det ihr hier.

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