Gro­ße klei­ne Spra­che Esperanto

Esperanto hat eine weltweite „Diaspora“ von geschätzt 50-100.000 aktiven Sprecher*innen. Dank ihrer geographischen Ungebundenheit ermöglicht die bekannteste aller Plansprachen eine besondere kosmopolitische Kultur. Von

Pieter Bruegel - Turmbau zu Babel (1563). Quelle: WikiCommons

Es gibt etwa 7000 Spra­chen auf der Welt, doch nur ein win­zi­ger Bruch­teil davon wird ins Deut­sche über­setzt. Wir inter­view­en Men­schen, die Meis­ter­wer­ke aus unter­re­prä­sen­tier­ten und unge­wöhn­li­chen Spra­chen über­set­zen und uns so Zugang zu wenig erkun­de­ten Wel­ten ver­schaf­fen. Alle Bei­trä­ge der Rubrik fin­det ihr hier.

Wie hast du Espe­ran­to gelernt?

Wie ich anfangs auf Espe­ran­to auf­merk­sam gewor­den bin, weiß ich nicht mehr. Jeden­falls habe ich Mit­te der 1980er Jah­re begon­nen, in einer klei­nen Grup­pe beim „Can­ber­ra Espe­ran­to Club“ die Spra­che zu ler­nen. Für mich war das eine im wei­tes­ten Sin­ne „poli­ti­sche“ Ent­schei­dung, da ich vom anti­na­tio­na­len Wesen des Espe­ran­to fas­zi­niert war.

Ich hat­te zwei Lehrer*innen: Eine pen­sio­nier­te Grund­schul­leh­re­rin, die 1986 zum Espe­ran­to-Welt­kon­gress nach Peking gereist ist und von ihren Erleb­nis­sen in Chi­na leb­haft zu berich­ten wuss­te; und einen ehe­ma­li­gen aus­tra­li­schen Diplo­ma­ten (Bot­schaf­ter­pos­ten in Viet­nam, der BRD und bei der UNESCO), der mir nicht nur die Spra­che, son­dern auch das Ethos der Espe­ran­to-Bewe­gung bei­brach­te. Obwohl der Diplo­mat ein­deu­tig rechts­kon­ser­va­tiv ein­ge­stellt war, hat er mich wohl­wol­lend unter­stützt, als ich für den stu­den­ti­schen Radio­sen­der in Can­ber­ra einen Bei­trag über die neue Espe­ran­to-Über­set­zung des im eng­li­schen Sprach­raum kaum rezi­pier­ten Haupt­werks des rus­si­schen Anar­chis­ten Peter Kro­pot­kin, Gegen­sei­ti­ge Hil­fe in der Tier- und Men­schen­welt, gestal­tet habe.

Erst wäh­rend mei­nes Wei­ter­bil­dungs­jahrs im ehe­ma­li­gen Jugo­sla­wi­en (1988–89) habe ich ange­fan­gen, mich für die Espe­ran­to-Lite­ra­tur zu interessieren.

Wie sieht die espe­ran­to­spra­chi­ge Lite­ra­tur­sze­ne aus?

Obwohl die Espe­ran­to-Gemein­schaft von Begeg­nung lebt, ist sie seit jeher eine vor allem schrift­li­che Kul­tur. Das fing damit an, dass der Begrün­der des Espe­ran­to, Lud­wik Lej­zer Zamen­hof (1859–1917), früh­zei­tig eini­ge wich­ti­ge Über­set­zun­gen anfer­tig­te, um zu bewei­sen, dass die neue Spra­che taug­te. Erwähnt sei­en eine erst 1926 ver­öf­fent­lich­te voll­stän­di­ge Bibel­über­set­zung, dazu Wer­ke von Hei­ne, Shake­speare und ver­schie­de­nen rus­si­schen Klas­si­kern. Bereits gegen Ende des 19. Jahr­hun­derts hat­te sich das Pro­jekt Espe­ran­to gefes­tigt und inter­na­tio­na­le Auf­merk­sam­keit erregt; schon bald bil­de­ten sich lite­ra­risch und gesell­schafts­po­li­tisch prä­gen­de Per­sön­lich­kei­ten der Bewe­gung heraus.

Dadurch, dass Espe­ran­to kei­ne geo­gra­phisch ein­grenz­ba­re Hei­mat­re­gi­on hat, ent­steht eine gemein­sa­me kos­mo­po­li­ti­sche Kul­tur, zu der sehr diver­se Sprecher*innen auf allen fünf Kon­ti­nen­ten bei­tra­gen kön­nen – ein Phä­no­men, das Espe­ran­to mit ande­ren Ver­kehrs­spra­chen und Lin­guae fran­cae teilt. Ein*e Esperantist*in kann über­all auf unse­rem blau­en Pla­ne­ten zuhau­se sein, oder es zumin­dest versuchen.

Als Ver­tre­ter die­ses welt­of­fe­nen Geis­tes sei der über­aus pro­duk­ti­ve, mit einer Vor­lie­be für Sci­ence-Fic­tion und Kri­mis auf Unga­risch und Espe­ran­to schrei­ben­de Ist­ván Neme­re (1944–2024) erwähnt. Sein Sci­ence-Fic­tion- bzw. Fan­ta­sy-Roman An der Gren­ze der Fins­ter­nis wur­de von Hans Skire­cki über­tra­gen und erschien beim Ver­lag Neu­es Leben (Ost-Ber­lin, 1985) – inzwi­schen lei­der nur noch anti­qua­risch erhält­lich, und anschei­nend sein ein­zi­ges Werk, das auch auf Deutsch erschie­nen ist.

Ein gehö­ri­ger Teil der lite­ra­ri­schen Pro­duk­ti­on des Espe­ran­to erscheint bei Klein(st)verlagen und Zeit­schrif­ten sowie im Rah­men bewe­gungs­in­ter­ner Lite­ra­tur­wett­be­wer­be. Zu den wich­tigs­ten Maga­zi­nen – inzwi­schen oft Web­sei­ten – zäh­len aktu­ell La Ondo de Espe­ran­to (Die Wel­le des Espe­ran­to), die in der rus­si­schen Exkla­ve Kali­nin­grad erscheint, und Mon­a­to (Monat) aus Ant­wer­pen, das seit vie­len Jah­ren ein Zuhau­se für hoch­wer­ti­ge Publi­zis­tik auf Espe­ran­to ist. Eine wich­ti­ge Rol­le spielt außer­dem der in New York ansäs­si­ge Ver­lag Mon­di­al, der Lite­ra­tur auf Espe­ran­to, Eng­lisch und Deutsch herausgibt.

Bei einer welt­wei­ten „Dia­spo­ra“ von geschätzt 50–100.000 akti­ven Sprecher*innen ist es viel­leicht kein Wun­der, dass es nir­gends ein kom­mer­zi­el­les Inter­es­se gibt, Lite­ra­tur auf Espe­ran­to zu ver­le­gen, geschwei­ge denn aus dem Espe­ran­to in ande­re Spra­chen zu über­set­zen. Das, was tat­säch­lich rea­li­siert wird, geschieht größ­ten­teils aus Lieb­ha­be­rei und per­sön­li­chem Ein­satz. Kein*e Esperanto-Autor*in kann von ihrer Kunst leben. Ande­rer­seits ist dies viel­leicht ein glück­li­cher Umstand, denn vie­le Schrei­ben­de füh­len sich frei, sich nach ihren eige­nen Vor­stel­lun­gen aus­zu­drü­cken, sowohl in sti­lis­ti­scher als auch in inhalt­li­cher Hin­sicht. Es gibt kei­nen Druck, sich etwa­igen Markt­er­war­tun­gen oder natio­na­len Kul­tur­ko­di­zes anzupassen.

Was – oder wen – soll­te man unbe­dingt gele­sen haben?

Wäh­rend der Bom­bar­die­run­gen Zagrebs in den frü­hen 90er Jah­ren schrieb Spo­men­ka Šti­mec (*1949), lang­jäh­ri­ges Mit­glied der Espe­ran­to-Aka­de­mie, ihr Kroa­ti­sches Kriegs­nacht­buch, das 1994 von einem Über­set­zer­kol­lek­tiv ins Deut­sche über­tra­gen wur­de. Das Werk ent­stand teil­wei­se in Schutz­kel­lern und ist im unver­wech­sel­bar zart-sub­jek­ti­ven, selbst­iro­ni­schen und doch ver­spiel­ten Stil der Autorin geschrie­ben. Šti­mec ist eine der bekann­tes­ten leben­den Esperanto-Schriftsteller*innen. Vie­le Jah­re war sie als pro­fes­sio­nel­le Espe­ran­to-Leh­re­rin und ‑Akti­vis­tin in Zagreb tätig. Unter ande­rem ihrem Enga­ge­ment ist es zu ver­dan­ken, dass Espe­ran­to in Kroa­ti­en als Teil des imma­te­ri­el­len Kul­tur­er­bes des Lan­des aner­kannt wird.

Lesens­wert ist auch der beim Wie­ner Ver­lag Edi­ti­on Ate­lier erschie­ne­ne sozi­al­po­li­ti­sche Lie­bes­ro­man Turm­stras­se 4 des Öster­rei­chers Hans Wein­hengst (1904–1945). Als akti­ves Mit­glied der sozia­lis­ti­schen Espe­ran­to-Bewe­gung ver­öf­fent­lich­te Wein­hengst Lyrik und Pro­sa, außer­dem über­setz­te er Arbei­ter­lie­der ins Espe­ran­to. 1934 erschien sein Roman Tur­stra­to 4, der 2017 erst­mals in deut­scher Über­set­zung (von Chris­ti­an Cim­pa) publi­ziert wurde.

Bemer­kens­wert sind die Wer­ke des auf Spa­nisch und Espe­ran­to schrei­ben­den Autors Jor­ge Cama­cho (*1966), der sein Tages­brot als Kon­fe­renz­dol­met­scher bei der EU ver­dient. Sei­ne evo­ka­ti­ven bild­star­ken Gedich­te und sati­ri­schen Pro­sa­wer­ke sind inzwi­schen vie­len Esperantist*innen bekannt (v.a. La Majs­tro kaj Mar­ti­nel­li bzw. Der Meis­ter und Mar­ti­nel­li). Lei­der scheint kaum etwas von die­sem viel­ver­spre­chen­den Autor ins Deut­sche über­setzt wor­den zu sein; ob ein deutsch­spra­chi­ger Ver­lag nicht end­lich die Initia­ti­ve ergrei­fen möchte?

Erwähnt sei der auf Deutsch ver­fass­te lite­ra­ri­sche Essay Die Bie­nen und das Unsicht­ba­re von Cle­mens J. Setz, Espe­ran­tist und Gewin­ner des Georg Büch­ner-Prei­ses 2021. In einer Rezen­si­on von David J. Wim­mer auf der Web­sei­te des Lite­ra­tur­hau­ses Wien heißt es dazu: „Allen vor­an erzählt Setz […] die Lebens­ge­schich­te des blin­den Poe­ten, Anar­chis­ten und Espe­ran­tis­ten Was­si­li Jero­schen­ko (1890–1952), der als poly­glot­ter Ein­zel­gän­ger und noma­di­scher Drauf­gän­ger – län­ge­re Auf­ent­hal­te in Japan und Chi­na – ein mehr als roman­wür­di­ges Leben führ­te, das mehr­fach emble­ma­tisch für die Exis­tenz erfun­de­ner Spra­chen in der heu­ti­gen Welt steht.“

Was ist noch nicht übersetzt?

Jede Men­ge. Viel­mehr müss­te die Fra­ge lau­ten: Was ist über­haupt über­setzt? Ich per­sön­lich ver­mis­se u.a. Über­set­zun­gen der Wer­ke des genia­len unga­ri­schen Autors Gyu­la „Julio“ Bag­hy (1891–1967), eines Klas­si­kers der Espe­ran­to-Lite­ra­tur, der aus­ge­rech­net als KuK-Kriegs­ge­fan­ge­ner in Sibi­ri­en beson­ders her­vor­ge­tre­ten ist. In einer sei­ner Erzäh­lun­gen im Band Dancu Mario­ne­toj! (Tanzt, ihr Mario­net­ten!) nutzt der Prot­ago­nist sei­ne über das Espe­ran­to erwor­be­nen Ein­bli­cke in euro­päi­sche Spra­chen, um sei­nem eit­len rus­si­schen Auf­sichts­of­fi­zier Eng­lisch­un­ter­richt zu ertei­len – eine heik­le, aber sehr lus­ti­ge Pos­se. Köst­lich und abso­lu­te Welt­klas­se-Lite­ra­tur, wenn die­ser Über­set­zer das beur­tei­len darf.

Was sind die größ­ten Schwie­rig­kei­ten beim Über­set­zen aus dem Esperanto?

Ein­deu­tig die unge­heu­re Fle­xi­bi­li­tät der Wort­bil­dung im Espe­ran­to: Aus bei­na­he jedem Wort­stamm kann ein Verb, Adverb, Adjek­tiv oder Sub­stan­tiv gebil­det wer­den. Das ist etwas Beson­de­res, das ich aus kei­ner ande­ren Spra­che ken­ne. Die­se Aus­drucks­kraft des Espe­ran­to, zusam­men mit sei­ner Frei­heit bei der Satz­stel­lung, lässt das Über­set­zen in ein Sprach­sys­tem mit his­to­risch gewach­se­nem Kor­sett gram­ma­ti­ka­li­scher und kul­tu­rel­ler Ein­schrän­kun­gen – „so sagt man das aber nicht“ – zu einem sehr anspruchs­vol­len Vor­gang wer­den. Fast fühlt es sich wie Selbst­ver­stüm­me­lung an, sich von der Wort­bil­dungs­frei­heit des Espe­ran­to ver­ab­schie­den zu müs­sen. (Ent­schul­di­gung wegen der dras­ti­schen Aus­drucks­wei­se, aber der Unter­schied ist aus Übersetzer*innen-Perspektive durch­aus frappierend.)

Die Wort­bil­dungs­ei­gen­schaf­ten illus­trie­re ich anhand von zwei Wort­stäm­men, glor- und fenestr-. Das Verb glo­ri bedeu­tet rüh­men, prei­sen, ver­herr­li­chen; glo­ro ist der Ruhm (mal­g­lo­ro = Schmach, Schan­de); das Adjek­tiv glo­ra bedeu­tet ruhm­reich, glanz­voll; und das Adverb glo­re glor­reich (bspw. glo­re mor­ti = glor­reich ster­ben).

(La) fenes­tro – Espe­ran­to hat nur einen bestimm­ten Arti­kel – bedeu­tet (das) Fens­ter; das Adjek­tiv fenes­tra heißt Fens­ter- (z.B. fenes­tra niĉo = Fens­ter­ni­sche; senfe­nes­tra ĉam­bro = fens­ter­lo­ses Zim­mer); das Adverb fenest­re, dem ich sel­ten begeg­net bin, bedeu­tet fens­ter­haft, fens­ter­lich, als Fens­ter, am Fens­ter, wobei wir letz­te­rem, wenn ein­fach die Lage gemeint ist, der Klar­heit hal­ber eine Prä­po­si­ti­on (bzw. eine als sol­che ver­wend­ba­re Sil­be) bei­gesel­len wür­den: ĉefen­est­re; fenes­t­ri, eben­falls etwas sel­ten, habe ich in einem schö­nen Satz bele­gen kön­nen: „Ĝia kapa­blo fenes­t­ri al (…) la nova socio” = Sei­ne Fähig­keit, als Fens­ter zur (…) neu­en Gesell­schaft zu die­nen, also eine ver­ba­le Bedeu­tung von Fens­ter. Zum Schluss ein klei­nes Rät­sel in Sachen Fens­ter: Was könn­te mit la Pra­ga tra­fenest­ri­go gemeint sein, also mit dem Pra­ger „Durch-fens­ter-mach-en“? Klar, der Pra­ger Fens­ter­sturz (1618)!

Die star­re SVO-Satz­stel­lung des Eng­li­schen, bei­spiels­wei­se, zwingt die Übersetzer*in aus dem Espe­ran­to zu anspruchs­vol­len Pirou­et­ten; geht es wie­der­um ins Deut­sche, ist etwa die End­stel­lung des Verbs in Neben­sät­zen ein Graus – aber das gilt für Über­set­zun­gen aus ande­ren Spra­chen auch!

Wie gehst du damit um?

Ich habe vier län­ge­re Wer­ke aus dem Espe­ran­to ins Eng­li­sche über­tra­gen, eins sogar in die umge­kehr­te Rich­tung, dazu zahl­rei­che Erzäh­lun­gen und Text­aus­zü­ge (ins Eng­li­sche und Deut­sche). Eine bestimm­te über­set­ze­ri­sche Stra­te­gie habe ich dabei nicht, außer zu ver­su­chen, gedank­lich mög­lichst elas­tisch zu sein, um der Plas­ti­zi­tät eines guten Espe­ran­to-Tex­tes gerecht zu werden.

Lei­der befin­de ich mich sel­ten in der Rol­le, aus dem Espe­ran­to zu über­set­zen. Den letz­ten bezahl­ten Auf­trag hat­te ich 2016. Frei­zeit, um net­te Über­set­zun­gen auf gut Glück zu machen, ist eine abso­lu­te Rari­tät und des­halb aus­ge­such­ten Her­zens­pro­jek­ten vorbehalten!

Was kann Espe­ran­to, was Deutsch nicht kann?

Unge­heu­er viel! Die Aus­drucks­kraft des Espe­ran­to ist beein­dru­ckend. Lei­der beschränkt sich mein Hori­zont auf die indo­eu­ro­päi­sche Sprach­fa­mi­lie, aber in dem Rah­men bestä­ti­ge ich dem Espe­ran­to ein enor­mes Poten­ti­al als Über­set­zungs- und Brü­cken­spra­che, in viel höhe­rem Maße als etwa dem Eng­li­schen, das einen rie­si­gen struk­tu­rel­len und kul­tu­rel­len Bal­last (man kann es auch Reich­tum nen­nen) mit­schleppt. Heut­zu­ta­ge setzt die hal­be Welt auf Eng­lisch als inter­na­tio­na­le Spra­che, was kei­nes­falls bedeu­tet, dass es – objek­tiv gese­hen – dafür beson­ders geeig­net wäre. Auch als eng­li­scher Mut­ter­sprach­ler füh­le ich mich als Über­set­zer auf dem wen­di­gen Zeesen­boot des Espe­ran­to woh­ler als auf dem Öltan­ker des Englischen.

Was Espe­ran­to viel­leicht nicht kann, zumin­dest aus dem Steg­reif nicht? Dazu eine klei­ne Anek­do­te: Der gewitz­te Lin­ke-Poli­ti­ker Gre­gor Gysi ist ein­mal in Ber­lin an einen Espe­ran­to-Bücher­tisch her­an­ge­tre­ten und hat pro­vo­kant gefragt, ob Espe­ran­to denn ein Wort für „Scheu­er­ha­der“ besä­ße. Die Ver­dutzt­heit der anwe­sen­den Esperantist*innen hat den Gysi wohl in sei­ner vor­ge­fass­ten abfäl­li­gen Mei­nung über die Spra­che bestä­tigt. Tat­säch­lich tau­schen wir uns auf Espe­ran­to über vie­ler­lei The­men aus, aber die Rei­ni­gungs­ar­beit gehört nicht unbe­dingt dazu. Adäqua­te Lösun­gen konn­ten wir nach­lie­fern, denn die Begriffs­bil­dungs­fä­hig­keit des Espe­ran­to macht vie­les mög­lich – viel­sei­tig ver­wend­ba­re Vor- und Nach­sil­ben tra­gen zur hohen Genau­ig­keit der Spra­che bei (häu­fi­ger über Putz­lap­pen gere­det wird ver­mut­lich in den paar Hun­dert espe­ran­to­spra­chi­gen Fami­li­en, die es auf der Welt geben soll, wo auch sau­ber gemacht wer­den muss).

Übri­gens, der Name „Tralalit“ macht auf Espe­ran­to durch­aus Sinn. Ein Bei­spiel­satz wäre: „Jen eks­kur­so tra la litera­turo de Espe­ran­to“ = „Das ist ein Exkurs durch die Litera­tur des Esperanto“!


Will Firth wur­de 1965 in Aus­tra­li­en gebo­ren. Er stu­dier­te Deutsch und sla­wi­sche Spra­chen in Can­ber­ra, Zagreb und Mos­kau. Sein Schwer­punkt als lite­ra­ri­scher Über­set­zer (ins Eng­li­sche und gele­gent­lich ins Deut­sche) liegt auf Pro­sa aus dem ser­bo­kroa­ti­schen Sprach­raum sowie Nord­ma­ze­do­ni­en. Seit 1991 lebt er in Ber­lin. www.willfirth.de


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