„Mensch­li­ches Über­set­zen als uto­pi­scher Gegenentwurf“

Am 11. September startet in Berlin ein neues Festival, das sich ganz dem Literaturübersetzen widmet. Im Interview verraten Hélène Thiérard und Henning Bochert, was Besucher:innen erwartet und was sich hinter dem Motto „Übersetzen & Weltretten“ verbirgt. Interview:

Hélène Thiérard und Henning Bochert
Hélène Thiérard und Henning Bochert kuratieren. © Julian Müller

Lie­ber Hen­ning, lie­be Hélè­ne, ihr kura­tiert für den Ver­ein Welt­le­se­büh­ne, gemein­sam mit Gast­ku­ra­to­rin Auré­lie Mau­rin vom TOLE­DO-Pro­gramm, das Fes­ti­val „Über­set­zen & Welt­ret­ten“, das am Frei­tag star­tet. Ich wür­de gern zuerst über den Titel spre­chen, denn der dürf­te vie­le über­rascht haben. Zu uto­pi­schem Den­ken in dys­to­pi­schen Zei­ten möch­tet ihr mit den geplan­ten Ver­an­stal­tun­gen anstif­ten. Wo liegt denn aus eurer Sicht das uto­pi­sche Poten­ti­al der Literaturübersetzung?

Hélè­ne Thié­rard: „Ohne Über­set­zung kei­ne Welt­li­te­ra­tur“, so ein Leit­satz der Übersetzer:innen-Community. Aber was bedeu­tet hier Welt? Es ist die uto­pi­sche Vor­stel­lung einer plu­ra­lis­ti­schen Welt, in der jede Stim­me zählt. In Zei­ten auto­ma­ti­sier­ter Über­set­zung und algo­rith­mi­scher Glät­tung ist mensch­li­ches Über­set­zen ein uto­pi­scher Gegen­ent­wurf: Es setzt auf Nuan­cen, Ambi­gui­tät, kul­tu­rel­le Tie­fe – also auf genau das, was demo­kra­ti­sche Gesell­schaf­ten brauchen.

Über­set­zen wird oft als Repro­duk­ti­on oder Wie­der­ho­lung ver­stan­den, dabei han­delt es sich um einen Trans­for­ma­ti­ons­pro­zess. Die Kern­idee des Fes­ti­vals – dass im lite­ra­ri­schen Über­set­zen selbst ein Fun­ke Uto­pie steckt – lässt sich ganz ein­fach fas­sen: Über­set­zen ist kei­ne Tech­nik, son­dern eine Hand­lung, und zwar eine Hand­lung mit hoher gesell­schaft­li­cher Trans­for­ma­ti­ons­kraft. Die Wir­kungs­macht lite­ra­ri­scher Übersetzer:innen, ihre Fähig­keit, die Gesell­schaft zu ver­än­dern, wird weit­ge­hend igno­riert, zum Teil auch inner­halb der Literaturbranche.

Hen­ning Bochert: Über­ra­schung bezie­hungs­wei­se Schre­cken sind viel­leicht zwei Reak­tio­nen, die Uto­pien respek­ti­ve Dys­to­pien aus­lö­sen kön­nen, um auf Miss­stän­de in der Welt auf­merk­sam zu machen. Lite­ra­tur kann über­ra­schen­de Ideen lie­fern, wie es auch anders gehen könn­te, und mit dras­ti­schen Zukunfts­pro­jek­tio­nen war­nen, wie drin­gend die Pro­ble­me sind, über die wir uns in der Gegen­wart hin­weg­träu­men oder hin­weg­ge­täuscht wer­den. Beson­ders in pola­ri­sier­ten Zei­ten bie­tet Lite­ra­tur­über­set­zen für mich die Mög­lich­keit, das ver­meint­lich Frem­de zugäng­lich und ver­ständ­lich zu machen. 

Mau­ern wer­den abge­baut – die Mau­er­me­ta­pher taucht in vie­len uto­pisch-dys­to­pi­schen Wer­ken auf, zum Bei­spiel in Boua­lem San­sals 2084, wo Mau­ern ideo­lo­gisch Ver­dumm­ten als Herr­schafts­in­stru­ment den Über­blick ver­stel­len. Über­set­zen setzt auch in Kennt­nis, klärt auf, zeigt die Viel­falt und auch Ambi­gui­tät der Welt. Mei­ne Uto­pie ist der Mut und Wil­le, die Kom­ple­xi­tät der Welt, das Frem­de und Unbe­kann­te als Berei­che­rung zu emp­fin­den, wie es lite­ra­ri­sches Über­set­zen not­wen­dig tut. Damit lie­ße sich schon viel retten.

Im Fes­ti­val­pro­gramm rückt ihr auch prä­gen­de lite­ra­ri­sche Uto­pien und Dys­to­pien in den Vor­der­grund, etwa Wer­ke von Ursu­la K. Le Guin, die in vie­le Spra­chen über­setzt und auf der gan­zen Welt gele­sen wer­den. Was inter­es­siert euch an die­sen Tex­ten mit Blick auf die Tätig­keit des Über­set­zens beson­ders? Und was macht sie viel­leicht gera­de jetzt so relevant?

Hen­ning Bochert: Wir stel­len Le Guin ins­be­son­de­re im Hin­blick auf den Aspekt der Öko­sys­te­me in ihren Wer­ken im Gespräch mit Mile­na Adam und Karen Nöl­le zu Öko­to­pien vor. Gera­de las ich einen Arti­kel im Guar­di­an mit dem Titel „Why we need more cli­ma­te fic­tion“ – ein wei­te­rer Beleg dafür, dass Lite­ra­tur immer schon Ideen für die Gestal­tung der rea­len Welt gelie­fert hat. Ele­men­te aus Klas­si­kern wie Sam­ja­tins Wir oder Dicks Do Andro­ids Dream of Elec­tric Sheep? sind bereits immer wie­der in Ansät­zen ein­ge­tre­ten, sei es die Ent­wick­lung von Robo­tern und Künst­li­cher Intel­li­genz, sei­en es öko­lo­gi­sche Kipp­punk­te – Stich­wort tip­ping points. Wenn gegen­wär­ti­ge Macht­eli­ten in den USA vom Welt­raum träu­men, dann sind die­se Vor­stel­lun­gen ohne Erzäh­lun­gen wie The Mar­ti­an Chro­nic­les von Brad­bu­ry oder The Mar­ti­an Way von Asi­mov schwer denkbar.

Aktu­el­le Uto­pien wie Lui­se Mei­ers Hyphen oder Annet­te Hugs Tie­fen­la­ger – um nur zwei deutsch­spra­chi­ge zu nen­nen, aber auch die fran­zö­si­sche Autorin Céli­ne Minard oder die unga­ri­sche Autorin Krisz­ti­na Tóth haben mich beein­druckt – haben die Kraft, in einer uns über­wäl­ti­gen­den Gegen­wart posi­ti­ve Ideen und Ent­wür­fe zu behaup­ten, hoff­nungs­voll nach vorn gerich­te­te Ermäch­ti­gun­gen gegen­über Kräf­ten, die uns die­se Zukunft abspre­chen möch­ten. Über­set­zen bie­tet hier die Mög­lich­keit, Per­spek­ti­ven und Ideen aus ande­ren Kul­tu­ren zu trans­por­tie­ren und uns – um auf Öko­to­pien zurück­zu­kom­men – auch von glo­bal unter­schied­li­chen Nar­ra­ti­vi­sie­run­gen der Kli­ma­ka­ta­stro­phe über­ra­schen zu las­sen, die poli­tisch lei­der aus viel zu natio­na­ler Posi­ti­on ver­han­delt wird.

Hélè­ne Thié­rard: Uto­pien und Dys­to­pien bie­ten beim Über­set­zen span­nen­de Her­aus­for­de­run­gen, die beson­ders krea­ti­ve Lösun­gen erfor­dern. Dys­to­pien ver­an­schau­li­chen häu­fig, wie Spra­che in tota­li­tä­ren Regi­men zu einem Instru­ment der Unter­drü­ckung wird und die Gedan­ken­frei­heit ein­schränkt – wie Orwells „Neu­sprech“ in 1984. Doch Uto­pien zei­gen auch, wie Spra­che sich als Mit­tel der Eman­zi­pa­ti­on ein­set­zen lässt, und genau dar­aus kön­nen wir heu­te lernen.

Ich den­ke hier zum Bei­spiel an die Pra­vic-Spra­che, die Ursu­la K. Le Guin in The Dis­pos­s­es­sed (Freie Geis­ter) erfin­det: eine Spra­che, die kon­se­quent nach den Prin­zi­pi­en einer anar­chis­ti­schen Gesell­schaft gebaut ist und es den Sprecher:innen tat­säch­lich schwer macht, Eigen­tum über­haupt zu den­ken. Doch wie über­setzt man eine erfun­de­ne Spra­che? Das fra­gen wir Karen Nöl­le, die die­sen Roman 2017 neu­über­setzt hat. Die Fra­ge nach dem Ver­hält­nis von Spra­che und Macht zieht sich wie ein roter Faden durch das gan­ze Pro­gramm. Und die Exper­ti­se, die die Übersetzer:innen von Geor­ge Orwell (Frank Hei­bert), Karel Čapek (Doris Kou­ba), Ursu­la K. Le Guin (Karen Nöl­le), Céli­ne Minard (Mile­na Adam), Mich­al Hvor­ecky (Mir­ko Kraetsch), Jac­que­line Harp­man (Luca Hom­burg), Ele­na Ald­una­te (Lau­ra Haber), Krisz­ti­na Tóth (Timea Tan­kó), usw. mit­brin­gen, ver­spricht inten­si­ve und zugleich ver­gnüg­li­che Gesprä­che.

Trotz­dem wer­den Literaturübersetzer:innen ja lei­der sel­ten als hel­den­haf­te Welt­ret­ter gese­hen. Oft müs­sen sie ihre Rol­le im lite­ra­ri­schen Dis­kurs als eine recht macht­lo­se erle­ben, sich Sicht­bar­keit und Gehör erst müh­sam erkämp­fen. Wel­chen Bei­trag kann ein Fes­ti­val wie das von euch geplan­te da leisten?

Hélè­ne Thié­rard: Die Beson­der­heit unse­res Fes­ti­vals besteht dar­in, dass die Mehr­heit unse­rer Gäs­te Literaturübersetzer:innen sind, die sich im Gespräch mit ande­ren Akteur:innen aus dem Lite­ra­tur­be­trieb aus­tau­schen. Zwei Wochen lang bekommt der Über­set­zungs­be­ruf erhöh­te Sicht­bar­keit beim Publi­kum. Die meist­ge­le­se­nen Uto­pien und Dys­to­pien in Deutsch­land erschei­nen in Über­set­zun­gen aus ande­ren Spra­chen. Wir wol­len ein Bewusst­sein für die Bedeu­tung des Berufs in der brei­ten Öffent­lich­keit schaf­fen. Erleb­bar machen, was ver­lo­ren geht, wenn Lite­ra­tur mor­gen von DeepL und ChatGPT über­setzt wird. Das Kön­nen mensch­li­cher Übersetzer:innen ist heu­te gefrag­ter denn je.

Hen­ning Bochert: Ange­sichts des mas­si­ven Ein­sat­zes auto­ma­ti­schen Über­set­zens bleibt mensch­li­che (Über­set­zungs-) Intel­li­genz unver­zicht­bar, wenn Lite­ra­tur aus ande­ren Ursprungs­spra­chen wei­ter­hin im deutsch­spra­chi­gen Raum publi­ziert wer­den soll. Die poli­ti­sche und gesell­schaft­li­che Trag­wei­te der Gefähr­dung unse­rer Bran­che ist noch gar nicht in der Öffent­lich­keit ange­kom­men. Die­se Fra­ge klingt in vie­len Ver­an­stal­tun­gen an und wird in der Podi­ums­dis­kus­si­on „Wel­che Zukunft haben mensch­li­che Spra­chen mit KI?“ mit Clau­dia Hamm und Chan­tal Wright beson­ders expli­zit The­ma sein.

Bis 2023 orga­ni­sier­te die Welt­le­se­büh­ne e. V., eben­falls in Koope­ra­ti­on mit dem TOLE­DO-Pro­gramm, das Fes­ti­val trans­la­tio­na­le – eben­falls im Sep­tem­ber und damit in zeit­li­cher Nähe zum Hie­ro­ny­mus­tag, dem Inter­na­tio­na­len Tag des Über­set­zens am 30. Sep­tem­ber. Auch Ver­an­stal­tungs­for­mat und Spiel­or­te waren teils die­sel­ben. Ver­steht sich das dies­jäh­ri­ge Fes­ti­val als Fort­set­zung der translationale?

Hélè­ne Thié­rard: Die trans­la­tio­na­le war zwei­fels­oh­ne ein Leucht­turm­pro­jekt der Welt­le­se­büh­ne, und die Aus­ga­ben 2021, 2022 und 2023 haben gezeigt, dass ein Fes­ti­val zu Lite­ra­tur­über­set­zung sich in Ber­lin durch­set­zen kann – trotz star­ker Kon­kur­renz in der Fes­ti­valland­schaft. Als Nach­fol­ge­pro­jekt stützt sich Über­set­zen & Welt­ret­ten auf bestehen­de Koope­ra­ti­ons­struk­tu­ren, aber wir haben ein neu­es Kon­zept ent­wor­fen. Der Haupt­un­ter­schied liegt im kla­ren The­men­fo­kus: die­ses Jahr Uto­pien und Dys­to­pien, in zwei Jah­ren … wer weiß? Der Fokus soll nicht nur publi­kums­freund­lich sein, son­dern auch die gesell­schaft­li­che Rele­vanz von Über­set­zungs­the­men her­vor­he­ben. Wir wol­len im Pro­gramm stets lite­ra­ri­sche und gesell­schafts­po­li­ti­sche Debat­ten mit kon­kre­ten Ein­bli­cken in die Pra­xis des Über­set­zens verbinden.

Hen­ning Bochert: Wir freu­en uns ins­be­son­de­re, die Koope­ra­ti­on mit dem Col­le­gi­um Hun­ga­ri­cum Ber­lin wei­ter­füh­ren zu kön­nen, das uns schon von Anfang an unter­stützt. Die zwei zen­tra­len Fes­ti­val­ta­ge wer­den in die­ser fan­tas­ti­schen Loca­ti­on aus­ge­rich­tet. Auch TOLEDO, das Pro­gramm des Über­set­zer­fonds, ist mit Auré­lie Mau­rin wie­der im Boot. Sie kura­tiert zwei Fes­ti­val­ver­an­stal­tun­gen aus der Rei­he Stay­ing Ali­ve zu Neu­über­set­zun­gen. Über die bewähr­ten Struk­tu­ren hin­aus haben wir uns brei­ter auf­ge­stellt: Mit der Ame­ri­ka-Gedenk­bi­blio­thek, der Lett­ré­ta­ge und dem Ibe­ro­ame­ri­ka­ni­schen Insti­tut haben wir neue, star­ke Part­ner für eini­ge Ter­mi­ne gewon­nen. Denn als wich­ti­ge Neue­rung ent­zer­ren wir den Fes­ti­val­zeit­raum und ver­tei­len die Ter­mi­ne auf zwei Wochen. Das macht es dem Publi­kum leich­ter, im dich­ten Ber­li­ner Ver­an­stal­tungs­ka­len­der meh­re­re Ter­mi­ne wahrzunehmen.

Wen hofft ihr mit dem Fes­ti­val ganz beson­ders zu erreichen?

Hen­ning Bochert: Wir freu­en uns auf Lite­ra­tur­be­geis­ter­te, SciFi-Fans …

Hélè­ne Thié­rard: Verleger:innen, Über­set­zen­de, Sprachbegeisterte …

Hen­ning Bochert: Bücher­wür­mer, Zukunftsforschende …

Hélè­ne Thié­rard: Und über­haupt alle, die mehr über Lite­ra­tur­über­set­zen erfah­ren wol­len. Mit dem Fokus auf Uto­pien und Dys­to­pien hof­fen wir aber ins­be­son­de­re, ein Publi­kum zu errei­chen, das sich nicht in ers­ter Linie für Fra­gen rund ums Lite­ra­tur­über­set­zen, son­dern auch für die­ses Gen­re inter­es­siert. Selbst Fans spe­ku­la­ti­ver Fik­ti­on wer­den neue Autor:innen ent­de­cken, denn im Pro­gramm haben wir neben bekann­ten Stim­men aus dem angel­säch­si­schen Raum auch weni­ger bekann­te Autor:innen, die zum Bei­spiel auf Fran­zö­sisch, Slo­wa­kisch, Tsche­chisch, Spa­nisch, Tür­kisch oder Kur­disch schreiben.

Hen­ning Bochert: Wir wol­len näher ran an die Berliner:innen. Dass wir nicht nur Fach­pu­bli­kum errei­chen wol­len, sieht man auch an der Viel­falt unse­rer For­ma­te. Neben Gesprä­chen und Lesun­gen gibt es auch Per­for­ma­ti­ves, Ent­spann­te­res. Das Kol­lek­tiv Kunst & Kra­wall bringt uns einen Poet­ry Slam zum The­ma Uto­pie, unter ande­rem mit der ber­lin-bran­den­bur­gi­schen Meis­te­rin Lisa Pau­li­ne Wag­ner. Wir zei­gen ein Kurz­stück von Dia Hakim Khae­ri aus Sin­ga­pur in sze­ni­scher Lesung. Und am letz­ten Abend gibt es ein DJ-Set zum Ausklang.

Was war für euch in der Pla­nung die größ­te Her­aus­for­de­rung? Die größ­te Überraschung?

Hen­ning Bochert: Die größ­te Her­aus­for­de­rung war ein­deu­tig die Finan­zie­rung. Über die sehr lan­ge Zeit der Antrags­stel­lun­gen noch den Kopf über Was­ser zu hal­ten, war in Zei­ten stark gekürz­ter Mit­tel schwie­rig. Ich spre­che für uns bei­de, wenn wir einen Dank an die Jury des Pro­gramms der Senats­kanz­lei sen­den, dass sie uns schließ­lich aus­ge­wählt hat, und an den Senat für die För­de­rung. Dank eben­falls an den Über­set­zer­fonds, an die GLS Treu­hand­stif­tung für wei­te­re För­de­run­gen; auch an die Welt­le­se­büh­ne für das gro­ße Ver­trau­en, denn wir waren als Fes­ti­val­team lan­ge wie ein U‑Boot außer Sicht des Mut­ter­schiffs, ehe wir mit Bewil­li­gung der För­der­mit­tel wie­der auftauchten.

Hélè­ne Thié­rard: Die schöns­te Über­ra­schung für mich ist, dass unse­re Zusam­men­ar­beit so gut funk­tio­niert. Das Fes­ti­val Über­set­zen & Welt­ret­ten ist das ers­te Pro­jekt, das Hen­ning und ich zusam­men machen. Wir kann­ten uns davor nicht beson­ders gut, erst durch das gemein­sa­me Ent­wi­ckeln des Kon­zepts und durch das gegen­sei­ti­ge Moti­vie­ren bei den vie­len Anträ­gen sind wir zu einem Team gewor­den. Es macht Spaß, zusam­men zu arbeiten.

18 ver­schie­de­ne Ver­an­stal­tun­gen habt ihr auf die Bei­ne gestellt. Unter den Betei­lig­ten sind natür­lich, wie schon erwähnt, vie­le nam­haf­te Literaturübersetzer:innen, aber auch Autor:innen und Literaturwissenschaftler:innen. Auf wen und auf wel­che Ver­an­stal­tun­gen freut ihr euch besonders?

Hen­ning Bochert: Ich bin wahn­sin­nig gespannt, wie das gesam­te Pro­gramm inein­an­der­greift und sich über ver­schie­de­ne Spiel­or­te ver­bin­det und ent­fal­tet. Beson­ders gespannt bin ich viel­leicht auf Timea Tan­kó und Krisz­ti­na Tóth, denn hier wird ein Aus­schnitt aus einem in ande­re Spra­chen schon über­setz­ten und gut ver­kauf­ten Buch, Das Auge des Affen, prä­sen­tiert, das in Deutsch­land noch einen Ver­lag sucht. Wenn das gelingt, haben wir wirk­lich einen Erfolg gelandet.

Hélè­ne Thié­rard: Ganz beson­ders freue ich mich auf die Fes­ti­val­re­de der Schrift­stel­le­rin und Über­set­ze­rin Annet­te Hug, weil sie das Fes­ti­val­the­ma aus zwei Per­spek­ti­ven beleuch­ten kann, die sich per­fekt ergän­zen. Zum einen hat Hug mit Tie­fen­la­ger eine ein­zig­ar­ti­ge Dys­to­pie zum The­ma Zukunfts­pla­nung für Atom­müll über Jahr­tau­sen­de ent­wor­fen, in der auch Sprach­viel­falt ein tra­gen­des Ele­ment ist. Zum ande­ren leis­tet sie als ers­te Über­set­ze­rin phil­ip­pi­ni­scher Lite­ra­tur ins Deut­sche wahr­haft Pio­nier­ar­beit – und die­ses Enga­ge­ment ver­kör­pert für mich genau das, was ich mir unter dem uto­pi­schen Fun­ken im lite­ra­ri­schen Über­set­zen vorstelle.



Hélè­ne Thié­rard lebt als Lite­ra­tur­über­set­ze­rin und ‑wis­sen­schaft­le­rin in Ber­lin. Sie über­setzt ins Fran­zö­si­sche (Raoul Haus­mann, Franz Kaf­ka, u.s.w.) und ist Vor­stands­mit­glied der Welt­le­se­büh­ne e. V. Nach der Pro­mo­ti­on lehr­te und forsch­te sie an der Sor­bon­ne (Paris), am IFK (Wien) und an der Uni­ver­si­tät des Saar­lan­des. Der­zeit ist sie an der Hum­boldt-Uni­ver­si­tät zu Ber­lin tätig. Zu ihren For­schungs­ge­bie­ten gehö­ren Avant­gar­den, mehr­spra­chi­ges Den­ken und Übersetzung. 

Hen­ning Bochert arbei­tet als Autor, Dra­ma­turg, Dozent und staat­lich geprüf­ter Über­set­zer in Ber­lin und über­setzt seit 1996 dra­ma­ti­sche und ande­re Tex­te zwi­schen Deutsch und Eng­lisch, zuletzt Sus­an Glas­pell, Eve Leigh, David Vaug­han, Inua Ellams und Dawn King. Er enga­giert sich u. a. bei der Welt­le­se­büh­ne e. V., VTheA e. V. sowie im Vor­stand von raum4 – netz­werk für künst­le­ri­sche all­tags­be­wäl­ti­gung e. V. und Dra­ma Pan­ora­ma: Forum für Über­set­zung und Thea­ter e. V.


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