„Man horcht in die Rea­li­tät hinein“

Seit der nicht anerkannten Präsidentschaftswahl im August befindet sich Belarus im Ausnahmezustand. Iryna Herasimovich weiß um die Vorzüge des übersetzerischen Blicks in diesen Zeiten und nennt hilfreiche Lektüren. Interview:

Iryna Herasimovich lebt als Übersetzerin aus dem Deutschen in der belarussischen Hauptstadt Minsk. (©Antonina Slobodtschikowa)

Dass im Deut­schen nun kaum noch von „Weiß­russ­land“ die Rede ist, son­dern „Bela­rus“ sich durch­ge­setzt hat, freut vie­le Bela­rus­sen im Aus­land und wird auch in dei­nem Sin­ne sein, oder?

Am schöns­ten fin­de ich, dass die­se „Weißrussland“-Bezeichnung in Bewe­gung gera­ten ist. Zu lan­ge hieß es ja von ganz vie­len, das Land hei­ße eben im Deut­schen Weiß­russ­land, man sagt ja auch nicht „Дойчланд“ (Deutsch­land), son­dern „Германія“ (Ger­ma­nia) oder „Нямеччына“ (Nja­metscht­schy­na). Ich hat­te dann oft mit der Ver­än­de­rung des Sta­tus argu­men­tiert: Bela­rus bezieht sich auf den selb­stän­di­gen Staat, Weiß­russ­land eher auf die Sowjet­re­pu­blik. Auch im Bela­rus­si­schen hat sich der Lan­des­na­me mit der Unab­hän­gig­keit ver­än­dert: Seit 1991 heißt das Land Bela­rus und nicht mehr Bela­rus­sia, wie zu Sowjet­zei­ten. Aber die­se Argu­men­ta­ti­on drang kaum durch. Dass die poli­ti­schen Zusam­men­hän­ge und Hin­ter­grün­de es nicht mög­lich machen, die­se Situa­ti­on nur durch das Pris­ma der Spra­che zu betrach­ten (falls es die­ses „nur“ über­haupt gibt), wur­de zu oft nicht beachtet.

Und jetzt ist das plötz­lich mög­lich. War­um? Hängt es etwa mit dem Grad der Anspan­nung zusam­men? Der braucht offen­bar nur hoch genug zu sein, damit eine Sprach­ge­mein­schaft doch bereit ist, Bewe­gun­gen zuzu­las­sen. Gin­ge es auch ohne die Explo­si­on? Viel­leicht muss man ja gar nicht auf den Auf­schrei war­ten, um auf die Bedürf­nis­se eines Ande­ren ein­zu­ge­hen? Das ist etwas, was mich an die­sem „Weiß­russ­land“ immer so gestört hat: Ich fühl­te mich in mei­nem Bedürf­nis über­se­hen, in mei­ner Zuge­hö­rig­keit zu einem spe­zi­el­len Kul­tur­raum wahr­ge­nom­men zu wer­den. Ich dach­te mir oft: Reicht es denn wirk­lich nicht aus, dass ich und ande­re Bela­rus­sen dar­um bit­ten, unser Land anders zu nen­nen? In einem Fall hieß es: Nie­mand in Deutsch­land kennt Bela­rus. Dann habe ich geant­wor­tet, dass ich nicht bereit bin, mich nach der geo­gra­fi­schen Unkennt­nis der Deut­schen zu rich­ten. Das ist eine Fra­ge an uns über­all auf der Welt: War­um ken­nen wir vor allem Län­der, in denen es kracht? Ist Inter­es­se auch außer­halb des Krachs mög­lich? Was wür­de so ein Inter­es­se bewir­ken? Viel­leicht wür­de es viel weni­ger kra­chen, wenn wir unser Inter­es­se und den Aus­tausch auf­recht erhal­ten. Das gilt nicht nur für Län­der, son­dern auch für Vor­gän­ge inner­halb von Gesell­schaf­ten. Das sind Fra­gen, die mich beschäf­ti­gen, wenn ich die­se Namens­än­de­rung beobachte.

Du bist als Kul­tur­ma­na­ge­rin, Kura­to­rin und vor allem Über­set­ze­rin eine wich­ti­ge Ver­mitt­le­rin zwi­schen der bela­rus­sisch- und der deutsch­spra­chi­gen Welt. In einem Bei­trag für die FAZ hast du weni­ge Wochen nach den gefälsch­ten Wah­len geschrie­ben, die­se Rol­le habe sich gewan­delt. Wie sah das aus?

Mei­ne Rol­le ist eigent­lich die­sel­be wie vor­her geblie­ben, die Situa­ti­on um mich her­um hat sich aber total ver­än­dert. Frü­her genau­so wie jetzt war ich in der Ver­mitt­le­rin­nen­rol­le zwi­schen dem deutsch­spra­chi­gen und dem bela­rus­si­schen Kul­tur­raum. Ich habe ver­sucht, zu erfas­sen und wei­ter­zu­ge­ben, was ich gese­hen und ver­stan­den habe. Frü­her bezog sich das haupt­säch­lich auf Lite­ra­tur und Kunst, auf ein­zel­ne Tex­te, jetzt viel­mehr auf die poli­tisch-gesell­schaft­li­che Situa­ti­on. Ich sehe mich aber nach wie vor als Über­set­ze­rin, die ver­sucht, zu sehen und zu ver­ste­hen und mög­lichst pas­sen­de Wor­te dafür zu fin­den, was sie sieht und ver­steht. Ich bin kei­ne Exper­tin für Poli­tik oder gesell­schaft­li­che Ent­wick­lun­gen, das will ich auch nicht sein. Ich kann mich aber auf die Situa­tio­nen und Men­schen, auf mei­ne eige­nen Erfah­run­gen und Ein­drü­cke ein­las­sen wie auf Tex­te, die ich zu ent­zif­fern und wei­ter­zu­ge­ben ver­ste­he. Ohne Anspruch auf Voll­stän­dig­keit und abso­lu­te Rich­tig­keit und mit der Ein­räu­mung, dass das mei­ne Inter­pre­ta­ti­on ist, mei­ne „Les­art“ der Gescheh­nis­se. Ich habe ja immer für die Sicht­bar­keit der Über­set­zer plä­diert. Sub­jek­ti­vi­tät bedeu­tet für mich aber kei­nes­falls Will­kür, son­dern nur, dass ich mich als Pris­ma wahr­neh­me, durch das das Erfass­te gezeigt wird.

Wie gehst du mit dem andau­ern­den Aus­nah­me­zu­stand um? Kannst du der­zeit über­haupt an Tex­ten arbeiten?

Mir fällt es manch­mal sehr schwer, mich zu kon­zen­trie­ren, weil die Rea­li­tät einem so viel abver­langt, ich mer­ke, dass ich viel schnel­ler müde wer­de als sonst. Die Kapa­zi­tä­ten des Gehirns, Infor­ma­tio­nen auf­zu­neh­men und zu ver­ar­bei­ten, sind ja nicht unein­ge­schränkt. Manch­mal braucht man Pau­sen, damit sich alles setzt und Platz frei wird für die Arbeit. In Minsk kann ich über­haupt nicht arbei­ten, da passt nichts mehr rein. Ich muss mich immer wie­der in mein Haus im Dorf Vara­pa­e­va zurück­zie­hen, um an Tex­ten arbei­ten zu können.

Ande­rer­seits mer­ke ich manch­mal, dass ich mich ger­ne in die Arbeit ver­tie­fe und gar nicht mehr dar­aus auf­tau­chen will. Arbeit ist dann eine Art Schutz­man­tel. Auf jeden Fall gibt Arbeit Ord­nung und Struk­tur, noch eine Schicht der Rea­li­tät, die bestän­di­ger ist als das, was rund um uns her­um pas­siert. Ich habe Tex­te in Arbeit, die ich noch vor der Kri­se ange­fan­gen habe. Inter­es­sant, dass ange­sichts der aktu­el­len Situa­ti­on kei­ner die­ser Tex­te sei­ne Rele­vanz ver­lo­ren hat. Das gibt mir ein schö­nes Gefühl, als hät­te man auch in ande­ren Boden­schich­ten Wur­zeln. Wie bei den Wein­re­ben: Die kön­nen ja aus sehr tie­fen Schich­ten Was­ser holen.

In dei­nem Essay „Die Kraft des Unwis­sens“ für den jüngst erschie­ne­nen Band Bela­rus! Das weib­li­che Gesicht der Revo­lu­ti­on schreibst du: „Ich ken­ne in Bewe­gung gera­te­ne Räu­me aus mei­ner Arbeit als Über­set­ze­rin und weiß, wie gefähr­lich es sein kann, das schein­bar Offen­sicht­li­che nicht gründ­lich nach Bedeu­tun­gen und Kon­no­ta­tio­nen abge­klopft zu haben. Es kann sein, dass das Offen­sicht­li­che viel mehr Sinn­schich­ten auf­weist, als auf den ers­ten Blick sicht­bar waren.“ Inwie­fern ist dei­ne beruf­li­che Erfah­rung als Über­set­ze­rin in der jet­zi­gen Situa­ti­on hilfreich?

Hilf­reich ist die Bereit­schaft und die Fähig­keit, mit einem schwie­ri­gen Stoff zu arbei­ten. Es geht ja nicht, dass man sich hin­setzt und dann auf Anhieb über­setzt. Immer wie­der kommt man nicht wei­ter, immer wie­der ver­steht man etwas nicht, man kommt nicht gleich auf die Lösung, es muss rei­fen. Und dann die­se furcht­ba­ren Pha­sen, mal län­ger, mal kür­zer, in denen schein­bar nichts pas­siert. Oder die Miss­ver­ständ­nis­se, Feh­ler usw. Dadurch wird eine gewis­se Beschei­den­heit im Umgang mit der Rea­li­tät trai­niert, man hat kei­nen Drang, ande­ren die eige­ne Lösung als die ein­zig rich­ti­ge auf­zu­zwin­gen, viel­mehr horcht man in die Rea­li­tät hin­ein, sei es die Rea­li­tät der Tex­te oder die des Zeit­ge­sche­hens. Dadurch ist man ziem­lich immun gegen ein­fa­che Lösun­gen, man kann dif­fe­ren­zier­ter und somit näher bei sich selbst blei­ben. Auch die Zuver­sicht, dass die­se tas­ten­de, kei­nes­falls gerad­li­ni­ge Bewe­gung doch zu etwas führt oder auch an sich wert­voll ist, kommt aus dem Übersetzen.

Wel­che Lek­tü­ren sind dir gera­de wich­tig? Oder ist jetzt gar nicht die Zeit des Lesens, son­dern die des Redens, Dis­ku­tie­rens oder Schweigens?

In den ers­ten Tagen nach den Wah­len konn­te ich kaum lesen. Ich war die gan­ze Zeit mit Nach­rich­ten und Dis­kus­sio­nen beschäf­tigt, aber auch irgend­wie gelähmt. Als sei man aus­ge­rutscht und müs­se erst wie­der auf die Bei­ne kom­men, um zu wis­sen, wo oben und unten ist. Dabei hat­te ich kei­ner­lei Illu­sio­nen, was die Situa­ti­on im Land anging, aber die­se neue Rea­li­tät hat uns allen sehr viel Kon­zen­tra­ti­on abver­langt. Das tut sie auch jetzt noch, aber inzwi­schen gehe ich damit etwas anders um. Ich habe ein gro­ßes Bedürf­nis zu lesen, ich suche immer­fort nach Mög­lich­kei­ten, die­se Erfah­run­gen zu benen­nen, zu beschrei­ben, nach genau­en Aus­drü­cken, Stil­mit­teln usw. zu schau­en. Wie man das aus dem Über­set­zen kennt: Man muss bei­spiels­wei­se ein Werk aus einer bestimm­ten Zeit über­set­zen und liest dann ganz viel aus die­ser Zeit in der Aus­gangs- wie in der Ziel­spra­che, um den Sound, die sti­lis­ti­sche Wel­le zu krie­gen. So geht es mir im Moment auch mit der Rea­li­tät. Am Tag, an dem Roman Bond­a­ren­ko starb, nach­dem er von ver­mumm­ten Ord­nungs­hü­tern zu Tode geprü­gelt wor­den war, fiel mir alles aus der Hand, bis ich ange­fan­gen habe, Paul Celan zu lesen. Das waren Tex­te, die die­ser Erfah­rung stand­hiel­ten und mir Halt gaben. Zum ers­ten Mal habe ich auch ver­sucht, Celan zu über­set­zen, davor war er für mich unerreichbar.

Ich mer­ke, dass ich ziem­lich vie­le Bücher lese, in denen es um die Erfah­rung von Gewalt geht, und zwar aus einer exis­ten­ti­el­len Per­spek­ti­ve, um das Fort­be­stehen ange­sichts von Gewalt, um das Aus­hal­ten von Ambi­va­len­zen, um das Ein­fan­gen von Wider­sprü­chen. In Bela­rus wird gera­de so ziem­lich alles neu defi­niert, da gibt es ganz span­nen­de Beob­ach­tun­gen und Ent­de­ckun­gen, die Gesell­schaft defi­niert sich neu. Aber es sind auch vie­le Flos­keln im Umlauf.

Neu­lich habe ich in einem Inter­view von David Gross­man in der NZZ gele­sen: „Wenn Men­schen Angst haben, ten­die­ren sie dazu, in Ver­all­ge­mei­ne­run­gen und Ste­reo­ty­pen zu den­ken.“ Das mer­ke ich auch in Bela­rus. Viel zu wenig wird hin­ter­fragt. Sehr pro­ble­ma­tisch fin­de ich zum Bei­spiel den Begriff des Hel­den. Ist es nicht viel schreck­li­cher, wenn jemand stirbt, ohne den Hel­den­tod ange­strebt zu haben? Wer­den die iko­nen­haf­ten Abbil­dun­gen und schlich­ten pathe­ti­schen Gedich­te, die als Reak­tio­nen auf einen Todes­fall oder eine Ver­haf­tung ver­brei­tet wer­den, der Sache gerecht? Das wage ich aber in Bela­rus noch gar nicht öffent­lich zu fra­gen, obwohl ich Fra­gen und Ver­su­che, etwas (neu) zu benen­nen, ganz wich­tig fin­de – sie ver­dün­nen das Blut unse­res Den­kens und Füh­lens. Durch Flos­keln und star­re Behaup­tun­gen wird die­ses Blut dick­flüs­sig, dа kann es sich auch aufstauen.

In die­sen Zei­ten ist Lek­tü­re für mich emo­tio­na­le Grund­ver­sor­gung. Jetzt gera­de lie­gen auf mei­nem Tisch Selbst­ach­tung von Toni Mor­ri­son, Pro­ble­me der Poe­tik Dos­to­je­vs­kijs von Michail Bach­tin, Ein Land­arzt von Franz Kaf­ka, Kal­tes Den­ken, war­mes Den­ken von Wolf­gang Schmid­bau­er (ein Must-Read in Kri­sen­zei­ten), David Bohms Der Dia­log. Das offe­ne Gespräch am Ende der Dis­kus­sio­nen und Die Quel­len der Gewalt von Rol­lo May. Ich lese gern vie­le Bücher par­al­lel, so ent­steht ein ganz indi­vi­du­el­ler Fluss an Ein­drü­cken und Gedan­ken, der mir sehr gut tut. Das ist wie Gold­wa­schen: Die Ein­drü­cke, Erleb­nis­se und Emp­fin­dun­gen aus der Rea­li­tät sind wie Sand, even­tu­ell mit Gold­stück­chen, die man erst aus­wa­schen muss. Die Lek­tü­ren, aber auch die vie­len Gesprä­che, die man mit sich selbst und ande­ren führt, sind wie Was­ser beim Gold­wa­schen, und ich selbst bin gleich­zei­tig das Sieb und die­je­ni­ge, die wäscht.

Du hast in Inter­views für deutsch­spra­chi­ge Medi­en immer wie­der dazu auf­ge­ru­fen, hin­zu­se­hen und zu dif­fe­ren­zie­ren. Was wünschst du dir spe­zi­ell von den Über­set­zer­kol­le­gin­nen und dei­nen Autoren hier­zu­lan­de? Und was soll­ten wir lesen?

Aus­tausch. Aus­tausch. Aus­tausch. Und zwar zu allen mög­li­chen The­men, nicht nur spe­zi­ell zu Bela­rus. Es ist ganz wich­tig, eige­ne Erfah­run­gen an denen der ande­ren abzu­schlei­fen, Bezie­hungs­net­ze auf­zu­bau­en und auf­recht­zu­er­hal­ten; Bezie­hun­gen über Gren­zen hin­weg sind ganz wert­voll. Genau das ret­tet mich gera­de – dass mein men­ta­ler und emo­tio­na­ler Raum dank sol­cher Bezie­hun­gen, ob direkt oder durch Bücher und Kunst, nicht mit mei­nem phy­si­schen Raum zusam­men­fällt. Was die Lek­tü­re angeht, so emp­feh­le ich im Moment vie­len das Buch Bela­rus! Das weib­li­che Gesicht der Revo­lu­ti­on. Die Tex­te und Stim­men dar­in sind so unter­schied­lich, dass ein beweg­li­cher, viel­schich­ti­ger Raum ent­steht, auch durch das Zusam­men­spiel der Tex­te, also auch zwi­schen den Tex­ten, nicht nur in ihnen. Das Buch ist sehr nah an der Rea­li­tät und ein guter Aus­gangs­punkt, um sich mit dem Kul­tur­raum Bela­rus zu beschäf­ti­gen. Mit die­sem Buch ist ein Schritt zur Über­win­dung der lang­jäh­ri­gen bela­rus­si­schen Iso­la­ti­on und auch der media­len Ein­tö­nig­keit in der Bericht­erstat­tung getan. Eigent­lich soll­te man sol­che Bücher auch für ande­re Län­der machen, um das wirk­li­che Ken­nen­ler­nen zu fördern.

Du hast oben die spon­ta­nen pathe­ti­schen Gedich­te hin­ter­fragt. Hast du dane­ben auch schon lite­ra­ri­sche Reak­tio­nen wahr­ge­nom­men, die über den Tag hin­aus Bestand haben könnten?

Es gibt durch­aus auch ande­re Gedich­te, die ver­su­chen, die­se schmerz­haf­ten Erfah­run­gen zu benen­nen. Die wer­den auf jeden Fall Bestand haben, nicht nur im bela­rus­si­schen Kul­tur­raum. Da den­ke ich bei­spiels­wei­se an Gedich­te von Dmi­tri Stro­zew, die gehen unter die Haut. Von mei­nen Lieb­lings­au­toren Artur Kli­naŭ und Zmicier Vish­ni­oŭ weiß ich, dass sie bei­de an neu­en Tex­ten arbei­ten, ich bin sehr gespannt, wie die­se Rea­li­tät durch die Pris­men ihrer Bli­cke aus­se­hen wird. Die bei­den konn­ten ja so vie­les vor­aus­ah­nen: Der Roman Калі прыглядзецца — Марс сіні (Wenn man genau­er hin­schaut, ist der Mars blau, 2019) von Zmicier Vish­ni­oŭ beschreibt gera­de die in Brü­che gehen­de Rea­li­tät, in der alles mög­lich und nichts sicher ist. Und Локісаў (Loki­saŭ, 2020), der neu­es­te Roman von Artur Kli­naŭ, ist auch ganz hell­sich­tig. Lei­der kam der Roman zu einem sehr ungüns­ti­gen Zeit­punkt und wird nicht so breit rezi­piert, aber die­je­ni­gen, die zum Lesen kom­men, sind sich einig, dass man durch die­ses Buch vie­les von dem, was gera­de pas­siert, deut­li­cher sieht.

Iry­na Herasi­mo­vich wur­de 1978 in Minsk gebo­ren. Sie schloss ihr Stu­di­um an der Staat­li­chen Lin­gu­is­ti­schen Uni­ver­si­tät Minsk ab und ist seit 2009 frei­be­ruf­li­che Kura­to­rin und Über­set­ze­rin. Sie hat Wer­ke deutsch­spra­chi­ger Autorin­nen und Autoren wie Lukas Bär­fuss, Georg Büch­ner, Moni­ka Rinck, Nora Gom­rin­ger, Meh­di Morad­pour, Jonas Lüscher, Micha­el Köhl­mei­er, Franz Hoh­ler oder Franz Kaf­ka ins Bela­rus­si­sche über­setzt. Bereits drei­mal hat sie die Bela­rus­sisch-Deut­sche Vice­Ver­sa-Über­set­z­er­werk­statt gelei­tet. Seit 2018 kura­tiert sie den über­set­ze­ri­schen Teil des Forums „Lite­ra­tu­re Inter­ma­ri­um“ im Künst­ler­dorf Kap­taruny.

Andre­as Ros­tek, Nina Wel­ler, Tho­mas Wei­ler, Tina Wün­sch­mann (Hrsg.): Bela­rus! Das weib­li­che Gesicht der Revolution

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