Über­set­zung des Monats: Sibi­ro Haiku

Saskia Drudes Übersetzung von Jurga Vilės litauisch-russisch-japanischer Graphic Novel "Sibiro Haiku" hat sich die Nominierung für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2021 absolut verdient.

Von

Das Cover von "Sibiro Haiku" (Baobab Books)
Über­set­zung des Monats Juni
Titel

Sibi­ro Haiku

Autor*in

Jur­ga Vilė (Text) und Lina Itaga­ki (Illus­tra­ti­on)

Über­setzt von

Saskia Dru­de

Ori­gi­nal­spra­che

Litau­isch

Ori­gi­nal­ti­tel

Sibi­ro Haiku

Ver­lag

Bao­bab Books

Alles begann mit einer Kar­tof­fel. Denn gefro­re­ne Kar­tof­feln waren oft das ein­zi­ge, was Jur­ga Vilės Vater als Kind im sibi­ri­schen Lager zu essen bekam. Sonst erzähl­te er nicht viel von sei­ner Ver­gan­gen­heit. „Ich stell­te mir Sibi­ri­en als fer­nes eisi­ges Land vor, wo einem der Magen knurrt und die Nase läuft“, schreibt Vilė in ihrem Vor­wort zu Sibi­ro Hai­ku. Irgend­wann begann sie zu fra­gen, was damals eigent­lich pas­siert war, und mach­te aus der Geschich­te ihres Vaters eine Gra­phic Novel. Die sehr per­sön­li­che Erzäh­lung spie­gelt zugleich das Schick­sal vie­ler litaui­scher Fami­li­en wider – kein Wun­der also, dass das Ori­gi­nal in Litau­en alle nur denk­ba­ren Prei­se abge­räumt hat und in mehr als ein Dut­zend Spra­chen über­setzt wur­de. Glück­li­cher­wei­se hat auch der Schwei­zer Bao­bab Ver­lag die­ses außer­ge­wöhn­li­che Buch in sein ohne­hin span­nen­des Pro­gramm auf­ge­nom­men. So kön­nen sich auch deutsch­spra­chi­ge Kin­der und Jugend­li­che (und ihre Eltern) behut­sam an das schwie­ri­ge The­ma Gulag her­an­tas­ten. Die gelun­ge­ne deut­sche Fas­sung von Saskia Dru­de ist mit die­ser Jury­be­grün­dung für den Deut­schen Jugend­li­te­ra­tur­preis 2021 nominiert:

Jur­ga Vilė und Lina Itaga­ki ent­rei­ßen ein bewe­gen­des Kapi­tel euro­päi­scher Geschich­te dem Ver­ges­sen. Ihre Gra­phic Novel zieht alle Regis­ter: Sei­te für Sei­te fin­den sich über­ra­schen­de Bild-Text-Kom­bi­na­tio­nen vol­ler Atmo­sphä­re. Details, Farb­ge­stal­tung und Hand­let­te­ring fügen sich zu einem bemer­kens­wer­ten Gesamt­kunst­werk, das sei­ne Wir­kung in der Über­set­zung von Saskia Dru­de auch im Deut­schen ent­fal­tet. Eine Geschich­te, die ergreift und ermutigt.

Im Som­mer 1941 wird der 13-jäh­ri­ge Algis Mie­lis früh­mor­gens mit sei­ner Fami­lie abge­holt und mit tau­sen­den sei­ner Lands­leu­te im Vieh­wag­gon nach Sibi­ri­en depor­tiert. Dadurch soll der Wider­stand der litaui­schen Bevöl­ke­rung gegen die sowje­ti­sche Besat­zung im Zwei­ten Welt­krieg gebro­chen wer­den. Doch von sol­chen geo­po­li­ti­schen Fra­gen ist die Lebens- und Gedan­ken­welt des Jun­gen weit ent­fernt. Aus noch fast kind­li­cher Per­spek­ti­ve schil­dert er die lan­ge Fahrt nach Sibi­ri­en, die Demü­ti­gun­gen durch rus­si­sche Sol­da­ten und das Leben im Lager.

Dabei spielt auch eine Gans eine wich­ti­ge Rol­le: Algis’ Gan­ter Mar­tin wird zwar noch am Bahn­hof erschos­sen, beglei­tet ihn aber wei­ter­hin „uner­müd­lich, unauf­fäl­lig, unver­däch­tig und selbst­los“ als guter Geist. Er über­bringt Algis’ Brie­fe an sei­nen Vater, der in ein ande­res Lager gekom­men ist, oder an Onkel Alfon­sas in Litau­en, der die Fami­lie viel­leicht ret­ten kann. Gan­ter­geist Mar­tin als Post­bo­te – das weckt Zwei­fel, ob die­se Brie­fe womög­lich nur in Algis’ Fan­ta­sie ver­schickt wer­den. Doch gera­de das Ver­schwim­men von Wunsch­den­ken und Wirk­lich­keit machen den Reiz der Erzäh­lung aus. Und ganz gleich, ob die Brie­fe wirk­lich exis­tie­ren oder nicht: Die Illus­tra­to­rin Lina Itaga­ki fal­tet sie sorg­fäl­tig zum Drei­eck, genau wie es damals für Feld- und Lager­post üblich war.

Sibi­ro Hai­ku ©Bao­bab Books

Die­se Lie­be zum Detail zieht sich durch das gesam­te Buch – und ist umso beein­dru­cken­der, wenn man bedenkt, dass Itaga­ki alle Brie­fe per Hand geschrie­ben und zudem noch das gesam­te Hand­let­te­ring für die deut­sche Aus­ga­be selbst über­nom­men hat, obwohl sie gar kein Deutsch kann. Die Illus­tra­tio­nen unter­stüt­zen nicht ein­fach Jur­ga Vilės Text, sie sind gleich­be­rech­tig­ter Teil der Erzäh­lung. Alles ist durch­dacht, selbst die Hin­ter­grund­tö­nung der Sei­ten: Es gibt graue Sei­ten vol­ler Trost­lo­sig­keit, grün­li­che Sei­ten für behut­sa­me Hoff­nungs­schim­mer und tief­schwar­ze, die Lei­den und Tod bedeu­ten. Und manch­mal ver­schmel­zen Text und Bild ganz und gar zu einer sym­bio­ti­schen Einheit.

Sibi­ro Hai­ku ©Bao­bab Books

Sibi­ro Hai­ku ist ein Gesamt­kunst­werk aus ver­schie­de­nen Text­sor­ten. Algis’ Brie­fe und Erzäh­lun­gen wech­seln sich ab mit kur­zen Dia­lo­gen in Comic­form, die uns immer wie­der in medi­as res zie­hen. Und weil nur böse Men­schen kei­ne Lie­der haben, grün­det Fräu­lein Vio­le­ta, Algis’ ehe­ma­li­ge Leh­re­rin, einen Chor, der gegen die graue Trost­lo­sig­keit des Lager­all­tags ansingt. Saskia Dru­de über­setzt die Lie­der oft mit deut­li­chen Anklän­gen an deut­sche Gedich­te oder Volks­wei­sen, sodass zumin­dest Erwach­se­ne beim Lesen gleich eine Melo­die im Kopf haben. Und dann sind da natür­lich noch die titel­ge­ben­den Hai­kus. Denn Algis’ Lieb­lings­tan­te Petro­nel­la, die Bücher, bun­te Kimo­nos und Japan liebt, hat einen klei­nen Hai­ku-Band ins Lager schmug­geln kön­nen. Um die ande­ren aus ihrem Trüb­sinn zu rei­ßen, ver­sorgt sie das Lager regel­mä­ßig mit Gedich­ten und gefal­te­ten Papier­kra­ni­chen. Manch­mal gibt sie auch eige­ne Erfah­run­gen in Hai­ku-Form zum Besten.

Sibi­ro Hai­ku ©Bao­bab Books

Musik, Gedich­te und Ori­ga­mi als papier­dün­ner Schutz vor der Hoff­nungs­lo­sig­keit – aber gera­de die­se sel­te­nen Licht­bli­cke machen das Lager­le­ben für die Kin­der halb­wegs erträg­lich. Die Spra­che ist ein­fach, die Sät­ze sind kurz, müs­sen es sein in einer Gra­phic Novel, und doch ist der Text alles ande­re als anspruchs­los. Der Über­set­ze­rin gelingt es auf dem eng begrenz­ten Raum, Algis alters­ge­recht und zugleich mit abwechs­lungs­rei­cher Lexik spre­chen zu lassen:

Die unzu­frie­de­ne Mas­se, so sag­te es Fräu­lein Vio­le­ta. Auf­ge­bla­sen, glatt, glit­schig, von unbe­stimm­ter Form und Far­be. Meis­tens sind ein paar Sauer­töp­fe dabei, die stän­dig kla­gen und schimp­fen. Sie sind dau­ernd unzu­frie­den und sehen nur die dunk­le Sei­te des Mon­des. Das Schlim­me ist, dass jeder von uns irgend­wann im Leben Teil die­ser Mas­se ist. Sie haf­tet an uns wie eine Klet­te, und man wird sie fast nicht wie­der los.

So ent­steht ein schlich­ter, star­ker Text, der Jugend­li­che wie Erwach­se­ne anspricht. Er lebt von ori­gi­nel­len klei­nen Spra­ch­i­deen, die einen stut­zen oder schmun­zeln las­sen, etwa wenn Algis’ Schwes­ter Dalia mit einem „umge­kehr­ten Lächeln“ her­um­läuft, das nur für den Him­mel bestimmt ist, wäh­rend das Lächeln sei­ner heim­li­chen Lie­be Vero­ni­ka eher „geblümt“ aussieht.

Saskia Dru­de beweist ihre Krea­ti­vi­tät auch bei der Über­set­zung von Wort­spie­len: Die bei­den Wach­män­ner im Lager hei­ßen auf Rus­sisch Chleb­nik (von chleb = Brot) und Kar­to­sch­nik (von kar­to­sch­ka = Kar­tof­fel). Dar­aus macht sie die herr­li­chen Spitz­na­men „Brot­ski“ (was zudem noch an den sowje­ti­schen Dich­ter Joseph Brods­ky erin­nert) und „Kar­tof­fel­nik“ und zeigt, wie man rus­si­sche und deut­sche Ele­men­te gekonnt zu einem Wort­witz ver­bin­den kann.

Sibi­ro Hai­ku ©Bao­bab Books

Über­haupt ist Viel­spra­chig­keit bei Sibi­ro Hai­ku Pro­gramm: Der litaui­sche Text ist durch­setzt mit rus­si­schen und japa­ni­schen Ein­spreng­seln. Die ers­ten rus­si­schen Wör­ter, die Algis lernt, sind dawai (Los!), molt­schatj (Mund hal­ten!) und spatj (Schla­fen!). Die Über­set­ze­rin baut die frem­den Wör­ter so in den deut­schen Text ein, dass sie durch den Kon­text, lexi­ka­li­sche Ähn­lich­keit (des­in­fek­zi­ja) oder die Kom­bi­na­ti­on mit der deut­schen Über­set­zung ver­ständ­lich wer­den. Und selbst wenn mal etwas nicht unmit­tel­bar klar sein soll­te, ist auch das eine wich­ti­ge Fremd­heits­er­fah­rung für die jun­gen Lese­rin­nen und Leser – schließ­lich ver­ste­hen auch die litaui­schen Kin­der, um die es im Buch geht, im Lager anfangs vie­les nicht.

Algis’ Geschich­te ist im Grun­de genom­men tief­trau­rig. Sein Vater, der bie­nen­lie­ben­de Dorf­vor­ste­her, wird im Lager erschos­sen, sei­ne Freun­din Vero­ni­ka stirbt in einem Schnee­sturm, Tan­te Petro­nel­la endet in einem noch grau­sa­me­ren Lager am Polar­kreis, und Fräu­lein Vio­le­ta ver­liert erst einen Arm und dann ihr Leben. Algis selbst kehrt mit sei­ner Schwes­ter Dalia nach meh­re­ren Jah­ren krank, erschöpft und beglei­tet von den Geis­tern der Toten in einem „Zug der Wai­sen“ nach Litau­en zurück. Ihre Mut­ter kann zu ihnen flie­hen, wird jedoch wie­der ver­haf­tet, gefol­tert und erneut nach Sibi­ri­en depor­tiert. Sie kommt erst nach vie­len Jah­ren nach Hau­se zurück.

Trotz alle­dem las­sen Algis und sei­ne Freun­de sich nicht ganz den Humor neh­men und ant­wor­ten der „unzu­frie­de­nen Mas­se“ mit schlag­fer­ti­gen Kom­men­ta­ren. Und wenn Hun­ger, Käl­te, Trau­er und Wan­zen all­zu uner­träg­lich wer­den, flüch­tet sich Algis in Lie­der, Tag­träu­me oder Gesprä­che mit der immer grö­ßer wer­den­den Schar der Ver­stor­be­nen. Denn, wie er selbst zugibt, „sind Fan­ta­sie und Wirk­lich­keit manch­mal schwer zu unter­schei­den.“ Das ret­tet ihm ver­mut­lich das Leben, denn mit ein biss­chen Vor­stel­lungs­kraft wird selbst aus einer kärg­li­chen Was­ser­sup­pe die köst­lichs­te Sup­pe der Welt.

Die fas­zi­nie­ren­de Mischung aus Rea­lis­mus und Fan­ta­sie macht die Geschich­te von Algis Mie­lis für Jugend­li­che aus aller Welt lesens­wert. Dass die­ses beson­de­re Buch, das so schwie­ri­ge The­men wie Trau­ma­ti­sie­rung und Ver­gan­gen­heits­be­wäl­ti­gung in jugend­ge­rech­ter Form behan­delt, auch auf Deutsch mit gro­ßem Gewinn ent­deckt wer­den kann, ist der ein­fühl­sa­men Über­set­zung von Saskia Dru­de zu ver­dan­ken, die gar nicht genug Lese­rin­nen und Leser fin­den kann.

Drei Fra­gen an Saskia Drude

Vie­le Namen im Buch wecken Asso­zia­tio­nen: Gan­ter Mar­tin erin­nert an die Mar­tins­gans, Algis kommt aus einem Dorf namens Hörn­chen­heim, sein Freund Rapo­las Lor­chel wird oft wegen sei­nes „Pilz­na­mens“ gehän­selt, und Algis’ Nach­na­me Mie­lis erin­nert an das fran­zö­si­sche Wort „miel“ für Honig, was wie­der­um gut zu den Bie­nen passt, die sein Vater züch­tet. Wie fin­den Sie sol­che spre­chen­den Namen?

Es war mir sehr wich­tig, die bestehen­den Asso­zia­tio­nen des Ori­gi­nals ins Deut­sche her­über­zu­ret­ten, weil sie einen wich­ti­gen Teil der Geschich­te aus­ma­chen. Beim Gan­ter Mar­ty­nas war es ein­fach, denn die Mar­tins­gans gibt es auch im Litaui­schen. Die Fami­lie von Algis heißt im Ori­gi­nal Korys („Wabe“), das star­ke Pferd Dobi­las („Klee“) wur­de zu Löwen­zahn, der Nach­na­me von Rapo­las Bobausis (zu Deutsch „Gift­lor­chel“) ließ sich fast 1:1 über­set­zen. Die Nach­na­men sind zum größ­ten Teil über­setzt, die Vor­na­men weit­ge­hend aus dem Ori­gi­nal über­nom­men. Dadurch ent­steht, wie ich fin­de, ein reiz­vol­les Span­nungs­ver­hält­nis – nicht authen­tisch, aber sehr bild­lich.
Der Name des Dor­fes muss­te sowohl zu der Zeich­nung mit den Bäu­men pas­sen, an denen Crois­sants wach­sen, als auch zu der Ges­te des sowje­ti­schen Sol­da­ten, der die­sem Namen mit Unver­ständ­nis begeg­net. Die fran­zö­si­sche Über­set­ze­rin fand eine Lösung mit Croissant/Crétin („Idi­ot“); im Deut­schen wähl­ten wir Hörnchen/Hörner – mit Zustim­mung des Schwei­zer Ver­la­ges, obwohl süßes Gebäck in der Schweiz unter die­sem Namen unbe­kannt ist; da hät­te ich Gip­feli schrei­ben müs­sen.
Man­che Asso­zia­tio­nen haben den „Test­lauf“ an Bekann­ten und Freun­den nicht bestan­den. Der Wach­hund im Lager, im Ori­gi­nal Razin­ka („Rosi­ne“), soll­te mit sei­nem Namen an nahr­haf­tes Essen erin­nern, das für die Depor­tier­ten uner­reich­bar gewor­den war, und gleich­zei­tig „irgend­wie rus­sisch“ klin­gen. Mei­ne Idee, den Hund nach einer vor allem in der ehe­ma­li­gen DDR bekann­ten Wurst­sup­pe Sol­jan­ka zu nen­nen, fan­den die meis­ten zu weit her­ge­holt; so wur­de Schmalz­ka dar­aus.
Über­haupt habe ich über die Namens­ge­bung wohl am meis­ten mit ande­ren Leu­ten dis­ku­tiert, um eine mög­lichst befrie­di­gen­de Lösung zu fin­den. Inspi­riert hat mich auch die fran­zö­si­sche Über­set­zung mei­ner lang­jäh­ri­gen Bekann­ten Mari­el­le Vitu­reau, die mir ihre Lis­ten samt des Gedan­ken­aus­tauschs mit ihrem Ver­lag in Frank­reich zur Ver­fü­gung gestellt hat.

Im Text mischen sich litaui­sche Ele­men­te mit rus­si­schen und japa­ni­schen, und Sie haben das alles ins Deut­sche über­setzt, ohne Scheu davor, auch mal fremd­spra­chi­ge Wör­ter und Aus­drü­cke zu inte­grie­ren. Wie sind Sie da beim Über­set­zen vor­ge­gan­gen?

Das litaui­sche Ori­gi­nal ent­hält rus­si­sche Wör­ter in litaui­scher Schreib­wei­se – qua­si gehört durch die Ohren der litaui­schen Depor­tier­ten, die anfangs ja eben­so wenig Rus­sisch ver­ste­hen wie die deut­schen Leser. Nun habe ich ja eigent­lich Sla­wis­tik im Haupt­fach und Bal­tis­tik im Neben­fach stu­diert, bevor ich mich als Über­set­ze­rin ganz in die­ser klei­nen sprach­li­chen Nische ein­ge­rich­tet habe. Die rus­si­schen Wör­ter konn­te ich also aus eige­ner Kraft über­tra­gen. Aber um den kul­tu­rel­len Abstand vom Rus­si­schen zum Deut­schen zu über­brü­cken und die im Ori­gi­nal nicht-litaui­schen Tei­le kennt­lich zu machen, haben wir uns dafür ent­schie­den, die­se Tei­le zusätz­lich fett zu set­zen und die Über­set­zung im Kon­text hin­zu­zu­fü­gen, um den grö­ße­ren kul­tu­rel­len Abstand zwi­schen dem Rus­si­schen und dem Deut­schen zu über­brü­cken. Beim Japa­ni­schen muss­te ich mich ganz auf die Sach­kennt­nis ande­rer ver­las­sen und habe dabei selbst noch eini­ges gelernt.

Der Titel des Buchs lau­tet über­setzt „Sibi­ri­sches Hai­ku“, und die japa­ni­schen Kurz­ge­dich­te spie­len eine wich­ti­ge Rol­le in der Geschich­te. Haben Sie sich beim Über­set­zen auch von Hai­kus inspi­rie­ren las­sen?

Ich hat­te bis­her nur spo­ra­di­schen Kon­takt zu Hai­kus, habe mich vor vie­len Jah­ren auch ein­mal selbst dar­an ver­sucht, aber bin nicht weit gekom­men. Über­ra­schen­der­wei­se erwies sich mei­ne Ver­le­ge­rin Son­ja Mathe­son als Ken­ne­rin der Mate­rie; sie kann selbst Japa­nisch und konn­te die zitier­ten Hai­kus his­to­risch ein­ord­nen und beim Fin­den guter vor­han­de­ner Über­set­zun­gen hel­fen.
Man kann aber sagen, dass ich mich bei der Über­set­zung des litaui­schen Tex­tes an das Vor­bild hal­ten muss­te, das die knap­pe und doch inhalts­rei­che Spra­che der Hai­kus vor­gibt. Das Litaui­sche kennt kei­ne Arti­kel und drückt viel Inhalt in kur­zen gram­ma­ti­schen Ele­men­ten aus, daher braucht eine deut­sche Über­set­zung nor­ma­ler­wei­se etwa ein Fünf­tel mehr Platz als das Ori­gi­nal. Die Über­set­zung muss­te allein des­halb schon auf ein Mini­mum „kon­den­siert“ wer­den, damit Lina Itaga­ki alles in den vor­han­de­nen Sprech­bla­sen unter­brin­gen konn­te. Das war noch ein­mal ein gro­ßes Stück Arbeit für sie, alle Sprech­tex­te von Hand in das Lay­out ein­zu­fü­gen, ohne selbst Deutsch zu kön­nen. Ich sehe die Arbeit an die­ser Über­set­zung also auch als gelun­ge­nes Team­work und als gemein­sa­men Erfolg.

Anm. d. Red.: Die­ser Bei­trag wur­de ohne Kennt­nis der Ori­gi­nal­spra­che ver­fasst. Mehr zum The­ma hier.

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