Übersetzer:innen auf dem Cover?

Die Namen von Übersetzer:innen gehören auf die Buchcover, fordert eine Initiative im anglophonen Raum. Stimmen zu der Debatte aus der deutschsprachigen Literaturszene. Von

Was denkt wohl Hieronymus über die Debatte? Bild: Joos van Cleve bei WikiMedia

Anfang Sep­tem­ber ver­öf­fent­lich­te die bri­ti­sche Zei­tung The Guar­di­an einen Kom­men­tar von Jen­ni­fer Croft. Die Über­set­ze­rin der Nobel­preis­trä­ge­rin Olga Tokar­c­zuk kri­ti­siert dar­in, dass vie­le eng­lisch­spra­chi­gen Ver­la­ge die Namen der Übersetzer:innen nicht auf dem Cover ihrer Bücher plat­zie­ren. Croft fordert:

We desper­ate­ly need more trans­pa­ren­cy at every level of litera­ry pro­duc­tion; this is just one examp­le, alt­hough I do feel it’s an urgent one.

Wir brau­chen unbe­dingt mehr Trans­pa­renz auf allen Ebe­nen der lite­ra­ri­schen Pro­duk­ti­on; dies ist nur ein Bei­spiel, aber es hat eine hohe Dringlichkeit.

Der Arti­kel stieß in ver­schie­dens­ten Foren, Twit­ter-Threads und Face­book-Grup­pen auf Anklang. Am Hie­ro­ny­mus-Tag, dem Fei­er­tag der Literaturübersetzer:innen, mach­te Croft aus ihrer For­de­rung im Guar­di­an eine poli­ti­sche Kam­pa­gne, ver­wen­de­te den Hash­tag Trans­la­tor­sOnThe­Co­ver und ver­öf­fent­lich­te zusam­men mit dem Autor Mark Had­don einen offe­nen Brief, den vie­le renom­mier­te Übersetzer:innen und Schriftsteller:innen unter­zeich­ne­ten – mit ers­ten Erfol­gen, wie Lit­hub kürz­lich ver­mel­de­te. Der Ver­lag Pan Mac­mil­lan erklär­te, dass er die Initia­ti­ve unter­stüt­ze und in Zukunft die Übersetzer:innenamen auf sei­ne Cover dru­cken werde. 

Auch im deutsch­spra­chi­gen Raum wur­de der Arti­kel von Croft im Inter­net geteilt und bespro­chen. In die gro­ßen Zei­tun­gen, Maga­zi­ne oder Blogs hat es die Debat­te jedoch noch nicht geschafft. Dabei wer­den die Namen der Literaturübersetzer:innen auch hier­zu­lan­de nicht immer auf dem Cover abge­druckt. Wie also posi­tio­nie­ren sich die deutsch­spra­chi­gen Ver­la­ge, Übersetzer:innen und Autor:innen? Hier eini­ge von uns kura­tier­te Stim­men zur Debat­te, die hof­fent­lich auf ande­ren Platt­for­men fort­ge­führt wird.


Jo Lend­le, Han­ser Ver­lag

Sicht­bar­keit ist wich­tig, des­halb hat Han­ser als einer der ers­ten deut­schen Ver­la­ge damit begon­nen, Über­set­ze­rin­nen und Über­set­zer mit Bio­gra­phie in Vor­schau­en und in den Buch­klap­pen auf­zu­füh­ren. Gegen die Nen­nung auf dem Cover spricht im Wesent­li­chen ein ein­zi­ger Grund: Der Umschlag ist weni­ger Informations‑, als ein­la­den­de, umwer­ben­de, stim­mungs­er­zeu­gen­de Pla­kat­flä­che. Daher ver­su­chen wir dort so wenig Schrift wie mög­lich anzu­brin­gen, um es prä­gnant zu halten.


Karen Nöl­le, Über­set­ze­rin

Dass deut­sche Aus­ga­ben aus­län­di­scher Wer­ke zwei Urhe­ber haben, ist zwar selbst­ver­ständ­lich, aber Lese­rin­nen und Lesern noch immer zu wenig bewusst. Wie schön wäre es, wenn sie gleich beim Kauf auf dem Cover sehen könn­ten, dass sie nicht nur eine Autorin, son­dern noch jeman­den mit­le­sen, der oder die den Text in ihrer Spra­che gestal­tet hat und für ihn ver­ant­wort­lich ist. Ganz offen­sicht­lich gilt das für Neu­über­set­zun­gen, wo es sein kann, dass bis zu sie­ben gleich­zei­tig auf dem Markt sind, und die Ent­schei­dung Wen lese ich? bedeu­ten­de Kon­se­quen­zen hat. Aber auch bei allen ande­ren Büchern soll­te sicht­bar sein, wer sie ins Deut­sche über­tra­gen hat. Eini­ge Ver­la­ge nen­nen ihre Übersetzer:innen schon auf dem Cover. Das zeigt: Es ist Platz dafür. 

Der Chris­toph-Mar­tin-Wie­land-Über­set­zer­preis wur­de 2021 für die Über­set­zung eines wis­sen­schaft­li­chen Sach­buchs ver­lie­hen. Nur bei einer der 84 Ein­rei­chun­gen stand der Name der Über­set­ze­rin auf der U4. Bei elf wei­te­ren waren immer­hin kur­ze Bio­gra­phien hin­ten im Schutz­um­schlag zu fin­den. Die übri­gen Über­set­zer­na­men stan­den nur auf der Titel­sei­te. Das ist eine trau­ri­ge Bilanz. Mein Gefühl sagt mir, wenn sie sicht­ba­rer wären, wür­de die von ihnen voll­brach­te Leis­tung – die Über­set­zung oft außer­or­dent­lich umfang­rei­cher Wer­ke mit schwie­rigs­ten Inhal­ten – weit mehr gewür­digt, von der Kri­tik wie dem Publi­kum, als es heu­te der Fall ist. 

Und wie wäre es, wenn bei den Best­sel­ler­ti­teln, mit deren Ver­öf­fent­li­chung es die Ver­la­ge oft so eilig haben, mei­net­we­gen erst hin­ten auf dem Umschlag, stün­de: Von Übersetzer:innen 1, 2, 3, 4, 5 in bewun­de­rungs­wür­di­ger Geschwin­dig­keit her­aus­ra­gend über­tra­gen und koor­di­niert, sodass es den Lektor:innen 1, 2 nicht schwer wur­de, die­sen mit­rei­ßen­den Titel druck­fer­tig zu machen? Es ist noch viel zu tun, aber ich bin dafür: Über­set­zer­na­men auf die Cover!


Rebec­ca Pra­ger, Pen­gu­in Ran­dom House Verlagsgruppe 

Die schöp­fe­ri­sche Arbeit von Übersetzer*innen schät­zen wir sehr; ohne sie wäre der lite­ra­ri­sche Aus­tausch zwi­schen ver­schie­de­nen Spra­chen und Kul­tu­ren nicht mög­lich. Unse­re Lek­to­ra­te arbei­ten eng und ver­trau­ens­voll mit vie­len Übersetzer*innen zusam­men und selbst­ver­ständ­lich nen­nen wir ihre Namen pro­mi­nent im Buch selbst und häu­fig auch auf dem Umschlag. Dafür gibt es ver­schie­de­ne Vari­an­ten und kei­ne ein­heit­li­che Rege­lung für die mehr als 40 Ver­la­ge der Pen­gu­in Ran­dom House Ver­lags­grup­pe. Bei lite­ra­ri­schen Wer­ken fin­den sich häu­fig wei­ter­füh­ren­de Infor­ma­tio­nen zu Vita und Werk von Übersetzer*innen auf der U4 oder in den Klap­pen­tex­ten unse­rer Bücher. Um die Ori­en­tie­rung zu erleich­tern, rich­ten wir die Auf­merk­sam­keit der Leser*innen auf der U1 in der Regel allein auf die Namen der Autor*innen. Die Ent­schei­dung über das jewei­li­ge Vor­ge­hen wird in den ein­zel­nen Ver­la­gen für jedes Pro­jekt indi­vi­du­ell getroffen.


Sharon Dodua Otoo, Autorin

Ich bin allen lite­ra­ri­schen Übersetzer*innen, die mei­ne krea­ti­ven Tex­te von einer Spra­che in eine ande­re über­tra­gen, unend­lich dank­bar. Die neue Ver­si­on beinhal­tet immer eine Neu­in­ter­pre­ta­ti­on mei­ner Ideen, um sie für ein neu­es Publi­kum zugäng­lich zu machen. Das bedeu­tet immer ein Ein­tau­chen, ein Abwä­gen, eini­ge Risi­ken ein­zu­ge­hen. Die Übersetzer*innen ver­die­nen dafür Aner­ken­nung und zwar direkt auf der Vorderseite! 


Marie­ke Heim­bur­ger und Ingo Herz­ke, Ver­band deutsch­spra­chi­ger Über­set­zer lite­ra­ri­scher und wis­sen­schaft­li­cher Wer­ke (VdÜ)

Die Nen­nung auf dem Cover soll­te eine Selbst­ver­ständ­lich­keit sein. Die Leser:innen haben ein Recht dar­auf, auf den ers­ten Blick zu erken­nen, wer für den deut­schen Text ver­ant­wort­lich ist – und die Übersetzer:innen haben ein Recht dar­auf, als Urheber:innen des deut­schen Tex­tes genannt und aner­kannt zu wer­den. Klar ist aber auch: Die Nen­nung auf dem Cover – und damit mei­nen wir die U1 – ersetzt kei­ne ange­mes­se­ne Ver­gü­tung. Die Norm­sei­ten­ho­no­ra­re sind in den letz­ten 20 Jah­ren effek­tiv gesun­ken. Von der Urhe­ber­nen­nung auf dem Cover wer­den Mie­ten und Salat­köp­fe nicht bil­li­ger. Die intel­lek­tu­el­len Leis­tun­gen der Literaturübersetzer:innen soll­ten nicht nur sym­bo­lisch gewür­digt wer­den, son­dern vor allem durch eine bes­se­re Ver­gü­tungs­pra­xis. Wir freu­en uns, dass der Ver­lag Pan Mac­Mil­lan UK bereits auf die Akti­on der bri­ti­schen Kolleg:innen reagiert hat und ver­spricht, ab sofort die Übersetzer:innen auf den Umschlä­gen und in allen Wer­be­ma­te­ria­li­en zu nen­nen. Er geht mit gutem Bei­spiel vor­an – mögen ihm vie­le wei­te­re, auch deut­sche Ver­la­ge folgen. 


Sabi­ne Bau­mann, Schöff­ling & Co.

Bei Schöff­ling & Co. ste­hen Über­set­ze­rin­nen und Über­set­zer schon immer auf der Titel­sei­te der von ihnen ins Deut­sche über­tra­ge­nen Bücher. Kurz­bio­gra­fien der Über­set­zen­den mit­samt ihren Aus­zeich­nun­gen in Klap­pen­text und Vor­schau sowie auf der Web­site des Ver­lags sind bei uns eben­so Stan­dard wie ihre Namens­an­ga­be in Buch­han­dels­ka­ta­lo­gen und ‑ver­zeich­nis­sen in der Kate­go­rie Urhe­ber­schaft. Da für uns als unab­hän­gi­gem lite­ra­ri­schen Ver­lag Über­set­zung eine wich­ti­ge Rol­le spielt und deren Qua­li­tät einen Aus­weis für unse­re inter­na­tio­na­len Titel dar­stellt, möch­ten wir künf­tig dazu über­ge­hen, die Über­set­ze­rin oder den Über­set­zer eines lite­ra­ri­schen Werks auch auf dem Umschlag zu nen­nen. Begon­nen haben wir mit Ulrich Blu­men­bach als Über­set­zer von Witz, dem anspruchs­vol­len Roman des ame­ri­ka­ni­schen Gegen­warts­au­tors Joshua Cohen, der im Früh­jahr 2022 bei uns erschei­nen wird – mit dem Über­set­zer auf dem Cover.


Mit­hul San­y­al, Autorin

Ich fin­de, dass Übersetzer:innen mit auf dem Buch­co­ver ste­hen soll­ten, weil sie Coautor:innen der Über­set­zung sind. Ich fin­de das als Wert­schät­zung wich­tig und auch, weil es ja ein paar Über­set­zun­gen gibt, die ich als Lese­rin nicht kau­fen möchte. 


Ron Mie­cz­kow­ski, Die Ande­re Biblio­thek

Wer für sich in Anspruch nimmt, die Ver­brei­tung von Lite­ra­tur aus ande­ren Spra­chen im eige­nen Sprach­raum ernst­haft zu betrei­ben, wem gele­gen ist an regel­mä­ßi­gen und guten Arbeits­be­zie­hun­gen mit den bes­ten Über­set­ze­rin­nen und Über­set­zern, müss­te eigent­lich den beson­de­ren Cha­rak­ter über­tra­ge­ner Bücher – mit ihrer, wenn man so will, Mehr­fach­au­tor­schaft – an allen Orten beto­nen. Es gibt jedoch neben allen Schein­ar­gu­men­ten gegen eine sol­che kon­se­quen­te Pra­xis (Gestal­tungs­kon­zep­te von Buch­rei­hen, ver­trieb­li­che Wün­sche für eine über­sicht­li­che Kom­mu­ni­ka­ti­on im Buch­han­del) eine Erwä­gung, die man nicht über­ge­hen sollte. 

So unter­schied­lich die Über­set­ze­rin­nen und Über­set­zer in ihren Arbeits­wei­sen, so unter­schied­lich ist auch ihr beruf­li­ches Selbst­ver­ständ­nis: Eine stär­ke­re Sicht­bar­keit ist nicht von allen erwünscht, es soll sich ereig­nen, dass der von Ver­lags­sei­te vor­ge­schla­ge­nen Plat­zie­rung der Über­set­zer­bio­gra­fie neben der des Autors wider­spro­chen, manch­mal sogar jede Erwäh­nung über die sach­li­che Auf­lis­tung der Arbeit auf der Titelei hin­aus (Aus Spra­che X über­setzt und mit einem Nach­wort ver­se­hen von…) rund­her­aus abge­lehnt wird – ein Ver­lag ist gut bera­ten, die­sen per­sön­li­chen Hal­tun­gen mit Nor­mie­rung und for­ma­ler Ein­heit­lich­keit zu begeg­nen. (Und hier ist noch nicht auf die poten­ti­el­le Kon­flikt­la­ge mit ande­ren Akteu­ren ein­ge­gan­gen: Es gibt Buch­ge­stal­ter, deren Berufs­ethos weit über ein dienst­leis­te­ri­sches hin­aus­geht; wie ist umzu­ge­hen mit Nach­wor­ten und Essays von ande­rer Hand, die bis­wei­len mehr als ein Drit­tel des gesam­ten Buch­um­fangs aus­ma­chen? Wie ist es mit Über­set­zun­gen, die ein der­art zupa­cken­des Lek­to­rat erfor­dern, dass nicht viel mehr als das Text­fun­da­ment unan­ge­tas­tet bleibt?) 

Es gibt womög­lich, anders als Jen­ni­fer Croft nahe­legt, weni­ger eine Kon­flikt­li­nie zwi­schen einem mono­li­thi­schen Berufs­stand der Über­set­ze­rin­nen und dem Gros der Ver­la­ge, die geschlos­sen einer Dis­zi­plin mit Lehr­stüh­len an Uni­ver­si­tä­ten und Ver­bands­or­ga­ni­sa­ti­on die ver­dien­te Auf­merk­sam­keit vor­ent­hal­ten will – als viel­leicht viel­mehr eine noch nicht abge­schlos­se­ne Dis­kus­si­on inner­halb der Zunft dar­über, wel­ches Ver­ständ­nis von der eige­nen Arbeit über­wiegt. Vom mög­li­chen Unbe­ha­gen, das eine Norm, in der Über­set­zer­na­men in der Regel auf Umschlä­gen auf­ge­führt wür­den, nicht weni­gen berei­ten wür­de, die ihren eige­nen dort nicht ger­ne lesen möch­ten, machen wir uns noch kei­ne Vorstellung. 

Die Ver­la­ge jeden­falls wären töricht, wenn sie die­se Debat­te nicht auf­merk­sam ver­folg­ten – leicht­fer­tig wären sie aber, wenn sie ver­lags­ei­ge­ne Ein­heit­lich­keit auf­gä­ben und nur jenen, die den Wunsch äußern, Platz auf ihren Umschlä­gen ein­räum­ten. Es könn­te sich erwei­sen, dass Über­set­ze­rin­nen und Über­set­zer, die die­ser Debat­te wenig abge­win­nen kön­nen und denen unwohl bei dem Gedan­ken nach stär­ke­rer Sicht­bar­keit wäre, nicht weni­ger eben­bür­ti­ge Autor­schaft zukommt als jenen, die regel­mä­ßig von ihr spre­chen. Viel­leicht aber – und das wäre mei­ne per­sön­li­che Ant­wort auf die Fra­ge – ist die Dis­kus­si­on über den Text auf Buch­um­schlä­gen eine Stell­ver­tre­ter­de­bat­te, die eine grund­sätz­li­che­re Unzu­frie­den­heit nicht aus der Welt zu schaf­fen ver­mag und den U1en mehr auf­bür­det, als sie zu fas­sen vermögen.


Mar­cel­la Meli­en, Lit­prom e.V.

Übersetzer*innen leis­ten eine unver­zicht­ba­re Arbeit, wenn es dar­um geht, inter­na­tio­na­le Lite­ra­tur zugäng­lich zu machen. Sie fin­den und ver­mit­teln Tex­te und geben ihnen eine deut­sche Stim­me. Die Übersetzer*innen nament­lich auf dem Buch­co­ver zu nen­nen, ist eine ein­fa­che, aber effek­ti­ve Art, das zu wür­di­gen und sicht­ba­rer zu machen. Wenn die Übersetzer*innen krea­ti­ve Lösun­gen für Sprach­bil­der fin­den, schaf­fen die Grafiker*innen es ja wohl auch, ihre Namen aufs Cover zu setzen!


Sebas­ti­an Gug­golz, Ver­le­ger

Ich bin ganz auf der Sei­te des Guar­di­an-Arti­kels, da ich mei­ne Über­set­zer und Über­set­ze­rin­nen von Anfang an immer auf das Cover gedruckt habe. Ich fin­de, dass das in Deutsch­land auch gar nicht so schlecht aus­sieht, Dör­le­mann, die Han­ser-Klas­si­ker, Mat­thes & Seitz und ver­mehrt auch ande­re fol­gen zuneh­mend die­ser Pra­xis. Ich fin­de aber, dass es dabei nicht blei­ben soll­te. Das ist ein ers­ter Schritt, der klar­macht, wes­sen Text man liest, wenn man eine Über­set­zung liest: Näm­lich den Text des Ori­gi­nal­au­tors oder der Ori­gi­nal­au­torin, eben in Über­set­zung von der jewei­li­gen Per­son, die auf dem Cover als Über­set­ze­rin oder Über­set­zer genannt wird. 

Ich fin­de aller­dings, und prak­ti­zie­re das so, dass ich bei­spiels­wei­se in allen Vor­schau­t­ex­ten immer auch auf die Über­set­ze­rin oder den Über­set­zer ein­ge­he und die spe­zi­fi­sche Qua­li­tät und die Her­aus­for­de­run­gen der Über­set­zung. Das kann man sicher­lich nicht von allen Büchern for­dern, aber ich den­ke, für anspruchs­vol­le Lite­ra­tur soll­te das eigent­lich ein Ziel sein. 

Den Namen der Über­set­ze­rin oder des Über­set­zers auf das Cover zu schrei­ben, hal­te ich übri­gens nicht nur für eine Wert­schät­zung, ein Schul­ter­klop­fen sozu­sa­gen, son­dern in mei­nen Augen steckt da auch die Idee dahin­ter, dem Leser und der Lese­rin klar­zu­ma­chen, wel­cher Ent­ste­hungs­pro­zess hin­ter dem Text steht, der ihm oder ihr ent­ge­gen­tritt. Es ist eben nicht nur die Schöp­fung eines Autors oder einer Autorin, son­dern die Über­tra­gung in die eige­ne Spra­che durch eine Über­set­ze­rin oder einen Über­set­zer. Dar­auf kann man gar nicht oft genug und laut genug hinweisen. 

Eine Sti­che­lei habe ich aber noch: Das Kla­gen und For­dern der Über­set­zer und Über­set­ze­rin­nen ist die eine Sache – wenn es ernst gemeint ist, soll­ten dar­aus auch die Kon­se­quen­zen gezo­gen wer­den. Lie­be Über­set­zer und Über­set­ze­rin­nen: For­dert die Nen­nung auf dem Cover bit­te vor Ver­trags­schluss, lasst es in den Ver­trag schrei­ben. Dann muss es näm­lich hin­ter­her auch kein Lamen­tie­ren mehr geben. Und über­setzt für Ver­la­ge, die euch schlecht behan­deln, ein­fach kei­ne Bücher mehr.


Susan­ne Lan­ge, Über­set­ze­rin

Wenn es um Musik­ein­spie­lun­gen geht, möch­te man natür­lich gleich erfah­ren, wer da diri­giert oder das Instru­ment spielt: Der Name erscheint zusam­men mit dem, der das Stück kom­po­niert hat. Das müss­te auch für das Über­set­zen selbst­ver­ständ­lich sein, denn gera­de die Kla­via­tur der Spra­che ist uner­schöpf­lich, und jede Über­set­zung schlägt den Ton anders an.


Wider­spruch? Zustim­mung? Ver­mitt­lungs­an­ge­bo­te? Wir wür­den die Debat­te ger­ne wei­ter­füh­ren und freu­en uns über kon­tro­ver­se Nach­rich­ten an redaktion@tralalit.de.


Brot­lo­se Kunst

Zwei aktu­el­le Ver­öf­fent­li­chun­gen ver­spre­chen einen neu­en Blick auf den Lite­ra­tur­be­trieb. Lei­der schei­tern bei­de krachend. 
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